Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Jammern auf hohem Niveau !

Garfield, Wednesday, 07.04.2004, 17:06 (vor 7975 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von Emmalein am 07. April 2004 08:39:28:

Hallo Emmalein!

"(Vielleicht rührt daher meine Abneigung gegenüber allzu einfachen Lösungen, z. B. der Konstruktion einer feministischen Weltverschwörung oder eines heute noch auf westlichem Boden existierenden Patriarchiats - so ein Schwarz-Weiss-Denken führt meist zur Vernichtung des als schwarz gesehenen "Gegners" und konstruiert Gegnerschaften, die gar nicht vorhanden sind.)"

Das sehe ich genauso. Allerdings ist es so, daß es tatsächlich Radikalfeministinnen gibt, die ernsthaft eine Ausrottung des männlichen Geschlechts anstreben und daß diesen Radikalfeministinnen aus verschiedenen Gründen viel zuviel öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird. Teilweise sitzen solche Leute heute sogar in Ministerien und entwerfen Gesetze. So ist es denn auch kein Wunder, daß so mancher das als feministische Weltverschwörung sieht.

"Manchmal glaube ich, dass der Zusammenbruch des Sozialismus aus einem Grund bedauerlich ist: Er fördert weltweit ein Raubrittertum, das sich hinter Begriffen wie "Marktanpassung", "Globalisierung" und "weltweite Konkurrenz" versteckt, bei dem sich aber Konzernchefs bei feindlichen Übernahmen und Politiker mit Sondervergünstigungen wunderbar selbst bedienen, ohne dass auch nur ein Wähler oder ein Aktionär was dagegen unternehmen kann."

Das macht mir eben auch große Sorgen. Zur Zeit des Kalten Krieges waren die Politiker im Westen viel mehr daran interessiert, daß der Lebensstandard der Bevölkerung relativ hoch blieb, um im Wettstreit mit dem sozialistischen Lager gut dazustehen. Man wollte, daß die Menschen sowas wie Sozialismus für überflüssig halten, da doch auch im Kapitalismus die soziale Absicherung bestens funktioniert. Übersehen wurde dabei, daß das System in der Bundesrepublik ja auch nie der reine, pure Kapitalismus war, sondern eben eine soziale Marktwirtschaft, also eine Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus. Auch das DDR-System war letztendlich so eine Mischung, nur daß dort der Schwerpunkt auf den sozialen Bereich gelegt wurde.

Jetzt, wo es kein sozialistischen Lager mehr gibt, ist dieser Wettstreit überflüssig geworden, und so glaubt man nun, wieder zur kapitalistischen Tagesordnung übergehen zu können, indem man nach und nach das deutsche Sozialsystem demontiert und den blanken, puren Kapitalismus des 19. Jahrhunderts einführt. Das nützt letztendlich nur den Großkonzernen, die so noch den fetten Reibach einfahren können, bevor der deutsche Binnenmarkt so tot ist, daß sie sich hier ganz zurück ziehen. Für die ist Deutschland nur ein Markt von vielen. Und die A-Karte haben dann diejenigen, die nicht so einfach anderswo hingehen können - eben viele mittlere und kleine Unternehmen und all die einfachen Leute.

"Nun ja, wenn man das Ford-Modell übernimmt, hat man gleich Arbeitsplätze und Kundschaft in einem geschaffen.."

Ford-Modell? Irgendwann hab ich auch schon mal was davon gehört, aber es fällt mir jetzt nicht ein. Was hat es denn damit auf sich?

"Die Frage ist: Wie willst Du eine solche Existenzsicherung für alle finanzieren?"

Das ist eine sehr berechtigte Frage. Das müßte man echt mal durchrechnen. Man muß aber dabei auch sehen, daß im Gegenzug ja nahezu das gesamte jetzige Sozialsystem überflüssig wäre und man da einiges einsparen könnte.

Sozialhilfe würde z.B. entfallen, und auch Arbeitslosengeld und staatliche Renten. Auch die dazu nötigen Behörden würden wegfallen. Man bräuchte nur noch eine relativ kleine Behörde, die sicherstellt, daß jeder Bürger diese Zahlung wirklich nur einmal bekommt.

Man muß dabei auch bedenken, daß sowohl Produktion als auch Dienstleistungen zunehmend automatisiert ohne menschliche Arbeitskräfte ablaufen. Letztendlich bedeutet das, daß ein Teil des Gewinnes, der durch die menschliche Arbeitskraft erwirtschaftet wurde, in Maschinen investiert wird, daß die Menschen zunehmend aus dem Berufsleben ausgeschlossen werden und dann letztendlich von der Arbeit der Maschinen, die sie selbst mit erarbeitet haben, nichts heraus bekommen. Was spricht dagegen, Betriebe, die nur oder überwiegend Maschinen einsetzen, dann auch stärker zu besteuern? Denkbar wären auch andere Möglichkeiten - z.B. vollautomatische staatliche Betriebe, die ihre Produkte zu üblichen Marktpreisen verkaufen und dabei Gewinne erwirtschaften, die dann mit für diese Zahlungen zur Lebensunterhaltssicherung verwendet werden. Wie auch immer: Es ist wichtig, das System so umzubauen, daß die Automatisierung der Bevölkerung Nutzen bringt und keinen Schaden.

Außerdem hätten Menschen so mehr Möglichkeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten zu übernehmen. Jetzt können viele Menschen das gar nicht, weil sie nun einmal für ihren Lebensunterhalt auf Vollzeit arbeiten müssen und dadurch keine Zeit mehr für irgendwelche ehrenamtlichen Tätigkeiten haben.

Ich sehe jedenfalls keine andere Möglichkeit, um die vorhandenen Erwerbsmöglichkeiten auf alle zu verteilen.

Der jetzige Kurs läuft darauf hinaus, die Menschen, die keine Erwerbsmöglichkeiten mehr finden, dann eben ins soziale Abseits zu drängen. Da das immer mehr Menschen betreffen wird, wird das jetzige soziale Netz bald überlastet sein und dann auch bald nicht mehr existieren. So sinkt die Kaufkraft immer weiter, der deutsche Markt wird dadurch immer uninteressanter, die Wirtschaft wandert zunehmend aus, Armut und Kriminalität steigen immer weiter an, und irgendwann werden wir die Situation haben, daß sich die jetzige bürgerliche Gesellschaft in einige Städte zurückziehen und sich dort von der Außenwelt abschotten wird, während draußen das Chaos ausbricht. In den USA gibt es schon bewachte Wohnsiedlungen für Besserverdienende.

"Wenn die Arbeitsplätze alle ins Ausland verlagert werden, gibt es aber ein Problem, das so nicht gelöst werden kann: Das des Absatzmarktes. Teure Produkte müssen auch verkauft werden."

Das ist kein Problem. Wenn man teure Produkte nicht loswird, bietet man eben billige Produkte an. In China können die großen Automobilhersteller z.B. Autos für wenige tausend Euro verkaufen. Der Grund dafür sind keineswegs die niedrigeren Lohnkosten (die Produktion ist dort auch schon stark automatisiert), sondern die Tatsache, daß diese Autos dann eben keine aufwändige Ausstattung haben. Da hat man nicht Airbags, ABS, ESP, Klimaanlage usw. gleich serienmäßig mit drin und muß das also alles nicht zwangsläufig mit bezahlen.

Nun ist die Frage, wieso die Wirtschaft das in Deutschland nicht tut. Der Smart beispielsweise war im Prinzip keine schlechte Idee. Leider ist er nur weit überteuert. Begründet werden die hohen Preise in Deutschland häufig damit, daß die Kunden hier halt höhere Ansprüche hätten und daß man billige Produkte nicht loswerden würde.

Das ist aber Unsinn. Tatsächlich ist es so, daß die Wirtschaft häufig gar keine billigen Produkte anbieten möchte. Die Autohersteller könnten ja z.B. auch von jedem Modell eine absolute Billigvariante anbieten, die nur die allernötigste Ausstattung hat. Der Kunde könnte dann alles, was er zusätzlich noch möchte, als Extras dazu bestellen. Man könnte dann trotzdem damit werben, daß so ein Modell dann inklusive Klimaanlage usw. nur 14999 Euro kostet.

Das will die Wirtschaft aber gar nicht. Denn je mehr man verkauft, umso höher fällt der Gewinn aus. Wenn man nicht nur ein simples Auto, sondern ein Auto mit diversen Extras verkauft, fällt der Gewinn eben auch höher aus. Die Unternehmen haben es in Deutschland erfolgreich geschafft, hochwertige Autos am Markt zu etablieren. Wenn nun ein Unternehmen plötzlich ein Automodell ohne irgendwelche Extras herausbringt, dann muß es gerade angesichts der sinkenden Einkommen damit rechnen, daß viele Kunden sich dafür entscheiden werden und daß die Modelle mit hochwertiger Ausstattung entsprechend weniger gekauft werden. Damit sinkt der Gewinn pro Stück. Also löst man das Problem lieber durch Ratenzahlungen und sorgt ansonsten dafür, daß die Autos auch ja nicht zu billig ausgestattet werden.

In China sieht das ganz anders aus. Dort wächst der Markt noch, und die Menschen haben noch vergleichsweise niedrige Einkommen. Man kann dort zwar durchaus auch Luxusprodukte absetzen, aber es gibt eben sehr viele Menschen mit niedrigen Einkommen, und da muß man eben auch billige Produkte anbieten. Genau wie man das in Deutschland nach dem Krieg getan hat. Der VW Käfer beispielsweise war ja auch alles andere als ein Luxusgefährt. Wenn man die Chinesen aber erstmal soweit hat, daß sie massenweise hochwertige Autos kaufen, dann werden die billigen Modelle ganz schnell verschwinden. Nicht nur, weil die Kunden das so wollen, sondern viel mehr, weil die Hersteller das so möchten.

"Aber man kann nicht immer wieder neue Unternehmensgründungen finanzieren, so etwas kostet auch Geld."

Das kommt darauf an, wie man es aufzieht. Natürlich hat man immer Kosten, aber wenn ein Markt ein hohes Wachstumspotenzial hat, dann hat man diese Kosten schnell wieder raus und macht dann gute Gewinne. Auf einem Markt mit geringem Wachstumspotenzial sieht das anders aus.

Die Preise für indische Unternehmen sind letztendlich ja nur deshalb so hoch, weil die Nachfrage offensichtlich entsprechend groß ist.

"Sollten sich Frauen an die betreffenden Absprachen nicht halten können oder wollen, gibt es ja immer noch die Möglichkeit für Männer, mit KOndomen zu arbeiten."

Aber Kondome sind wirklich lästig und werden deshalb in festen Partnerschaften häufig gar nicht verwendet.

"Wenn man dieses Stäbchen so deutlich fühlt, nervt das dann nicht auch beim Sex?"

Das Implanon-Stäbchen kommt meist in den Oberarm, und zwar in die Innenseite. Beim Sex stört es deshalb nicht. Es gibt ja nur Hormone dosiert ab, und deshalb spielt es keine Rolle, wo genau es im Körper eingesetzt wird. Es muß nur eine Stelle sein, wo es unsichtbar ist und bei Bewegungen nicht stört. Wenn es so etwas für Männer gäbe, würde ich das auch benutzen. Bei Frauen hat es allerdings noch einen angenehmen Nebeneffekt: Die Regelblutung verringert sich deutlich und hört manchmal sogar fast ganz auf.

Freundliche Grüße
von Garfield


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