Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Jammern auf hohem Niveau !

Emmalein, Thursday, 08.04.2004, 12:42 (vor 7974 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Jammern auf hohem Niveau ! von carlos am 07. April 2004 18:29:03:

Hi, Carlos,

ich will ja den Essers gar nicht ihre Anteile am Profit ihrer Unternehmung wegnehmen. Aber findest Du es nicht auch ein wenig psychologisch ungeschickt, wenn sich ausgerechnet in Zeiten, wo dann ein Esser von den Mitarbeitern Lohnanpassung unter der Inflationsrate fordert, er sich den Ausverkauf des von ihm gemanageten Unternehmen, das durch seine Schuld so weit heruntergekommen ist, noch ordentlich bezahlen lässt? Und wenn die Poliitker in Zeiten, in denen dem einfachen Volk geraten wird, mehr zu arbeiten und weniger zu bekommen, sich kräftig die Gelder erhöhen, so wie es vor kurzem in der europäischen Kommission geschehen ist?

Kommt da nicht auch manchmal bei Dir hoch, dass Du ans Raubrittertum denkst? Mir jedenfalls.

Wie hättest Du denn die Wiedervereinigung aufgezogen, Carlos? Das sie kommen musste, steht doch ausser Zweifel, oder? Was hättest Du anders und besser gemacht?

Der Feminismus hat nichts, aber auch gar nichts mit Wirtschaftspolitik zu tun - bis auf die Tatsache, dass er von Unternehmen genutzt wurde, wenn sie ihn brauchten, und bis auf die Tatsache, dass das heute wieder geschieht. Denn der Girls Day beispielsweise ist keine humane Einrichtung, sondern ein Versuch, mehr Leute für das Ingenieursstudium zu gewinnen, da es zu wenige Ingenieure gibt. Wird immer so gemacht: Wenn die Zahl von bestimmten arbeitenden Menschen knapp wird, werden plötzlich Frauen hofiert. Das solltest Du mal beobachten.

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg werden doch heute nicht einmal mehr von den Sozialdemokraten gefeiert. Stattdessen hört man Töne wie dass es keine Umverteilung mehr von Arm nach Reich geben wird. Mach Dir also keine Sorgen, wir sind stramm auf dem Wege des Neoliberalismus, egal, was man davon halten mag.

Warum glaubst Du, dass längere Arbeitszeiten Arbeitsplätze schaffen? Ich bin nicht der Ansicht. Da wird nur die vorhandene Arbeit auf weniger Schultern verteilt, und Überstundenzuschläge fallen weg. Die Folge: Mehr Unternehmen haben höheren Gewinn, aber nicht mehr Leute haben mehr Geld. Denn es gibt ja mehr Arbeitslose, die von den Arbeitenden mit getragen werden müssen.

Niemand schreibt Dir heute vor, wieviel Du arbeiten sollst. Du kannst gerne Überstunden machen noch und nöcher. Wenn Dein Betrieb bei der Bezahlung mitspielt.

Größere Flexibilisierung hätte allerdings in manchen Bereichen vielleicht schon was für sich. Wäre schon nett, Sonntags mal in einem Supermarkt einkaufen zu können. Aber ob das mehr Arbeitsplätze schafft? Die Leute könnn das Geld, das sie verdienen ja nur einmal ausgeben.

Es stimmt: Wer verkauft, will Gewinn. Aber man braucht ja für teure Produkte auch einen Absatzmarkt. Du sagst, die Chinesen leben so viel besser als wir. Wie kommt es dann, dass deren Bruttosozialprodukt pro Kopf weit unter unserem liegt? Das hätte ich gerne mal gewusst. Ich denke, es gibt in China gewaltige soziale Unterschiede, an denen unsere Bundesrepublik, weil wir so viel auf engem Raume zusammenleben, zerbrechen würde.

Und man kann eine Produktion von Edelkarossen nicht in kurzer Zeit auf Billigprodukte umstellen. Ich denke eher, dass man pleite geht, wenn man in seinem Marktsegment nichts mehr verkaufen kann.

Es grüsst
das Emmalein


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