Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Kann man das so stehen lassen?

Pedro, Wednesday, 18.06.2003, 17:10 (vor 8267 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Re: Für das Recht auf Abtreibung! von Bruno am 18. Juni 2003 11:46:21:

Hallo Bruno,

eigentlich wollte ich mich zu diesem Thema ja nicht mehr äußern; aber wie sich gezeigt hat, ist es offenbar immer wieder notwendig Fakten beizuschleppen, um zu zeigen, was hier eigentlich vorgeht.

Ich frage mich schon lange, wer eigentlich von wem gelernt hat: die Feministen von den Unternehmern oder die Unternehmer von den Feministen. Beide verfahren jedenfalls nach dem gleichen Muster:

"Lerne klagen ohne zu leiden!"

Ich komme gleich noch ausführlicher drauf. Zunächst aber möchte ich mal eine Aussage von Dir hinterfragen:

...Ich habe schon ausführlich hier dargelegt, dass ich Abtreibung nur aus Gründen der Bequemlichkeit ("war eben nur ein Unfall") unverantwortlich finde ohne jedoch Frauen wegen Ihrer Entscheidung zu verurteilen.<

Du hältst also etwas für (doch wohl moralisch) "unverantwortlich", willst hieran jedoch keine Sanktion knüpfen - noch nicht mal die einer moralischen Verurteilung. Vielleicht liegt es ja nur an mir, daß ich das nicht verstehe. Wäre nett, wenn Du mir diese Haltung mal erläutern könntest.

Bei Deiner nachfolgenden Aussage bleibt mir glatt die Spucke weg. Worin - bitte - besteht denn da der Skandal? Sollte man denn das Absehen von der Tötung des eigenen Nachwuchses auch noch prämieren?

Auch ich sehe es als ein Skandal an, dass man "ungewollt" schwangeren Frauen in diesem Land, das immerhin eines der reichsten der Welt ist und das angeblich auch sozial sein soll, keine bessere Hilfe zukommen lässt als die Abtreibung ihres Kindes als nicht strafbar zu betrachten.<

Mal ganz davon abgesehen, daß die Krankenversicherung - die Allgemeinheit also! - in den meisten Fällen für die Kosten dieser "Unverantwortlichkeit" aufkommt und in den begründeten Fällen ausnahmslos.

Und noch eine Bemerkung am Rande: Wer immer nach dem Staat ruft, darf sich nicht beschweren, wenn er ihn allumfassend bekommt.

Nun zum Klagelied:

Deine Meinung zur mangelnden Unterstützung von alleinstehenden schwangeren Frauen kann ich jedoch vollständig teilen.<

Hierzu empfehle ich Dir zunächst die Einholung weiterer Informationen. Als Einstieg kann vielleicht eine Broschüre dienen, die übers Netz abrufbar ist.

www.uni-karlsruhe.de/zib/doc/Kind_Un.pdf

Diese Broschüre informiert vordergründig zwar nur über das "Studieren mit Kind", bietet dabei allerdings auch einen exzellenten Überblick über alle möglichen Leistungsansprüche.

Auch zu der häufig in Foren zu lesenden Abneigung gegen die Inanspruchnahme von Sozialhilfe, Wohngeld etc. muß noch ein Wort gesagt werden. Ich will überhaupt nicht bestreiten, daß das schon durch die Art des Verfahrens eine unangenehme Form des Gelderwerbs ist, aber wir sollten vielleicht nicht vergessen, daß den dabei erbrachten Zahlungen keinerlei Leistung gegenübersteht. Ist es nicht eher die im Bewußtsein der Bevölkerung damit verbundene soziale Stigmatisierung - durch unsere "Oberen" stets geschürt - welches die Sache so "unerträglich" macht? Die Kaufkraft ist nämlich nicht gar so niedrig. Daß man damit in der Spaßgesellschaft natürlich nicht mithalten kann, ist aber schließlich auch nicht Sinn der Sache.

Gruß

Pedro


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