Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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P.S.: ...

Andreas (der andere), Monday, 16.06.2003, 21:07 (vor 8269 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Für das Recht auf Abtreibung! von Arne Hoffmann am 16. Juni 2003 15:26:24:

Nimen hao!

Daß die Abtreibungszahlen hoch sind und leider steigen, dokumentieren einige Organisationen und Stellen, u.a. auch die "Babycaust"-Aktion, auf deren Argumentation und Holocaust-Analogien sich z.B. Nick zu beziehen scheint. Es ist aber die Frage, ob dieser unangebrachte Vergleich nicht eher der Sache schadet, da übertriebene Argumente vielleicht in der gegenteiligen Entscheidung bestärken, anstatt ethische Zweifel und Dialoge zu fördern ...

Diesen Kommentar von Frau Ditfurth habe ich übrigens vor einiger Zeit auch gehört. So etwas provoziert, und verbittert natürlich ungemein. (Ich halte die Dame aber auch in anderen Belangen für eine ziemlich intrigante Schlammschleuder.) Daß es einen "Abtreibungstourismus" (zumindest in den Städten nahe der holländischen Grenze) gibt, und daß die Abtreibung leider zu oft als Verhütungsmethode praktiziert wird, kann meine Freundin sowohl aus ihrer medizinischen Praxis als auch aus dem privaten Umfeld bestätigen. Negativ-Beispiele und traurige Begleiterscheinungen, die anzugehen sicher notwendig wäre - aber nicht um den Preis des totalen gesetzlichen Verbots! Ein absolutes Gesetz, daß keinen Raum für differenzierte Lebensumstände läßt, wird zum Dogma, und das bedeutete in diesem Fall ein Leugnen, daß es auch eine Menge echter Notlagen gibt. Und wie Maria schon richtig bemerkte, würde eine solche Maßnahme die Zahlen der Abtreibungen nicht wesentlich senken, die Komplikationen durch die illegale und unsachgemäße Durchführung aber für die Frauen in echten Notlagen auf schlimme Weise erhöhen. So etwas kann wohl nicht im Interesse eines echten Lebensschützers sein?!

Die Möglichkeit zur Abtreibung muß daher wohl bestehen bleiben, aber vielleicht kann sich auf anderem Gebiet ja etwas verändern: Schön wäre doch, wenn z.B. Statements wie das von Frau Ditfurth im öffentlichen Bewußtsein ein anderes Gewicht bekämen; daß die Abtreibung nicht mehr glorifiziert und u. U. sogar zu einer "Befreiungstat" stilisiert werden könnte, weil die Leute sich bewußt wären, daß es über sie nur eins aussagt - nämlich daß sie zu dämlich ist, effektiv zu verhüten, und dies euphemistisch zu verschleiern sucht. Es gibt doch neben der Pille auch andere, unschädliche Methoden, z.B. einige sehr gute Hormontests; und wenn ich damals in der Ausbildung nicht total gepennt habe, dauert der Zeitraum der Empfängnisfähigkeit alles in allem auch gerade mal 48 Stunden. Sind zwei Tage Enthaltsamkeit eigentlich unzumutbar, zumal, wenn man die Entscheidung trifft, bewußt nicht zu verhüten?

Vielleicht reicht es ja, das Bewußtsein der Leute in dieser Richtung nur ein klein wenig zu verändern, um einerseits die "schwarzen Schafe" leichter zu erkennen, und andererseits das Thema "Abtreibung" aus dieser sinnlosen Diskussion mit ihrem Absolutheitsanspruch zu befreien und ihm zu einer realistischeren, da differenzierteren Sichtweise zu verhelfen.

Liebe Grüße an alle, Andreas


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