Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Für das Recht auf Abtreibung!

Maria, Monday, 16.06.2003, 17:08 (vor 8269 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: Für das Recht auf Abtreibung! von Ferdi am 16. Juni 2003 12:10:13:

Ich bin zwar nicht Xenia - aber darauf würde ich gerne antworten.
Ich würde sagen: Schade, dass er nicht das Knochenmark spenden will. Aber es ist sein gutes Recht. Ich würde versuchen, ihn zu überzeugen/ überreden, aber letztendlich liegt die Entscheidung voll und ganz bei ihm. Allein. Denn nur er hat das Recht, über seinen Körper zu entscheiden.
Ich bin Besitzerin eines Organspenderausweises, denn ich fände es extrem okay, wenn mein Tod noch jemandem nutzen könnte. Und ich würde wohl auch ohne zu zögern mein Knochenmark spenden. Aber wenn jemand das für sich ablehnt, muss ich diese Entscheidung doch akzeptieren. Ich stelle nur immer die Frage: "Würdest du ein Spenderorgan annehmen, wenn du es bräuchtest? Und wenn ja, warum bist du dann nicht bereit, dir selbst auch einen Spenderausweis zuzulegen?" Aber, wie schon gesagt, sowas muss jeder selbst entscheiden. Und die Entscheidung müssen andere akzeptieren.

Um nochmal zur Abtreibungsfrage zurückzukehren:
Abtreibung zu verbieten bringt nichts. Egal wie man dazu steht. Sogar mein Vater, Arzt, katholisch und Abtreibungsgegner, findet dieses "Abtreibung ist Mord"-Analogie unsäglich. Und er hat mir auch erzählt, dass er in seiner praktischen Ausbildung von einer "Engelmacherin" gehört hat. Die wurde nie angezeigt, auch nicht von Ärzten, denn sie machte die illegalen Abtreibungen wenigstens ordentlich und hygienisch, so dass die Frauen keine Infektionen bekamen oder gar starben. Wenn es sie nicht mehr gegeben hätten, wären die Frauen zu irgendwelchen Stümpern gegangen, mit höheren Risiken. Denn sie haben nicht aus Spaß an der Freude abgetrieben. In den 50er und 60er Jahren gab es noch keine so effektiven Verhütungsmittel wie heute, und eine ledige Frau mit Kind... Abtreibung hat es immer gegeben und wird es immer geben. Die Zahl kann man nicht durch schöne Diskussionen oder Moralkeulen senken. Es ist viel wichtiger, jungen Leuten immer wieder und immer wieder und immer wieder Verhütung zu predigen, bis es auch die dümmsten kapiert haben (und wohlgemerkt auch Männern!) und außerdem gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, in denen Kinder kein Armutsrisiko oder kein Hemmnis zur Berufstätigkeit darstellen.
Ich studiere noch und kenne 2 Studentinnen mit Kind. Aber bei diesen beiden stimmt der Hintergrund. Sie können weiterstudieren, weil sie eine Familie im Hintergrund haben, die ihnen sowohl finanziell als auch praktisch hilft. Bei der einen hat sich der Kindsvater verpisst, nachdem er sie vor die Wahl gestellt hat, er oder das Kind. Die andere ist noch mit ihrem Freund zusammen. Ich weiß aber nicht, wie es bei Mädchen aussieht, die KEINEN Rückhalt mehr haben. Ich kann verstehen, wenn manchen Frauen nicht den Mut aufbringen, ihr Kind zu bekommen. Würde ich jetzt schwanger werden, ich würde es wohl bekommen. Aber ich bin inzwischen alt und reif genug und hätte - selbst wenn mich mein Freund verlassen würde - genug Rückhalt. Aber ich würde es mir NIE anmaßen Frauen zu verurteilen, denen es nicht so gut geht wie mir.

Maria


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