Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Für das Recht auf Abtreibung!

Arne Hoffmann, Monday, 16.06.2003, 18:26 (vor 8269 Tagen) @ Maria

Als Antwort auf: Re: Für das Recht auf Abtreibung! von Maria am 16. Juni 2003 14:08:11:

Abtreibung zu verbieten bringt nichts. Egal wie man dazu steht. Sogar mein Vater, Arzt, katholisch und Abtreibungsgegner, findet dieses "Abtreibung ist Mord"-Analogie unsäglich. Und er hat mir auch erzählt, dass er in seiner praktischen Ausbildung von einer "Engelmacherin" gehört hat. Die wurde nie angezeigt, auch nicht von Ärzten, denn sie machte die illegalen Abtreibungen wenigstens ordentlich und hygienisch, so dass die Frauen keine Infektionen bekamen oder gar starben. Wenn es sie nicht mehr gegeben hätten, wären die Frauen zu irgendwelchen Stümpern gegangen, mit höheren Risiken. Denn sie haben nicht aus Spaß an der Freude abgetrieben. In den 50er und 60er Jahren gab es noch keine so effektiven Verhütungsmittel wie heute, und eine ledige Frau mit Kind ... Abtreibung hat es immer gegeben und wird es immer geben. Die Zahl kann man nicht durch schöne Diskussionen oder Moralkeulen senken. Es ist viel wichtiger, jungen Leuten immer wieder und immer wieder und immer wieder Verhütung zu predigen, bis es auch die dümmsten kapiert haben (und wohlgemerkt auch Männern!) und außerdem gesellschaftliche Bedingungen zu schaffen, in denen Kinder kein Armutsrisiko oder kein Hemmnis zur Berufstätigkeit darstellen.

Hi Maria, :-)

Ich habe mich auch gefragt, ob ich das nicht auch in die Runde werfen sollte: dass Frauen auch zuhauf abgetrieben haben, als Abtreibung noch verboten war, nur dann eben durch "Engelmacherinnen" oder (versuchsweise)mit Kleiderhaken und so, eben mit wesentlich größerem gesundheitlichen Risiko für sich selbst. Möglicherweise wäre das aber nur als weiterer Beleg für die Bösartigkeit von Frauen ausgelegt worden, die sich nicht mal durch Gesetze vom Massenmord abhalten lassen.

Soweit ich informiert bin, waren die Abtreibungszahlen zum Zeitpunkt des Verbots auch sehr hoch. Dem könnte man allerdings entgegenhalten, dass es heute einen ausgebauten Sozialstaat gibt, der junge Mütter vor dem Verhungern schützt. Und was mache ich mit den Frauen, die nicht aus Angst vor Armut abtreiben, sondern weil sie glauben, dass ein Kind ihre Lebensplanung oder ihre "Karriere" behindern würde?

Die Politikerin Jutta Ditfurth, eine der Mitbegründer der Grünen, wurde meiner Quelle zufolge vor zehn Jahren in der Zeitschrift "Cosmopolitan" (8/1988 S.43) interviewt. Auf die Frage "Sie haben zwei Abtreibungen hinter sich. Halten Sie nichts von Verhütung?" erwiderte sie "Na, hören Sie mal! Ich weiß zu viel über die Gefahren der Pille. Und selbst die ist ja nicht hundertprozentig sicher. Also, ich bin sechsunddreißig, da finde ich zwei Abtreibungen auf ein lustvolles, knapp zwanzigjähriges Geschlechtsleben relativ wenig." Ein anderes Ditfurth-Zitat lautet: "Im Vergleich zu meiner Abtreibung in Frankfurt war die in Holland himmlisch." Ditfurth ist als Tochter von Hoimar von Ditfurth sicher niemand, die ihre diversen Abtreibungen aus finanzieller Not unternehmen musste. Wenn die Abtreibungsgegner hier im Forum den Stellenwert des geborenen und des ungeborenen Lebens miteinander gleichsetzen, dann kann ich verstehen, dass ihnen der Kragen platzt und sie kühne historische Vergleiche anstellen, sobald sie solche Sätze hören. Eine andere Website teilt mir mit, dass in den letzten 20 Jahren zwei Millionen "Kinder" abgetrieben worden seien ...

Für mich ist halt die Frage, inwiefern man geborenes und ungeborenes Leben gleichsetzen kann. Damit habe ich mich aber noch nicht näher beschäftigt.

Arne


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