Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Nicht nur Kaffeesatzleserei - CEDAW als Einnahme des GMs für feministische Zwecke

Leser, Wednesday, 28.07.2010, 01:09 (vor 5647 Tagen) @ Eugen
bearbeitet von Leser, Wednesday, 28.07.2010, 01:15

Hallo Eugen,

der dichtet sich einfach etwas zusammen. Nicht mal die ethymologische
Deutung daran stimmt.

Theoretisch ja, allerdings scheint die "gefühlte Realität" doch anders auszusehen.

Ich gebe dir generell und eingeschränkt -und theoretisch- recht. Die Frage ist allerding, warum und weshalb sich solche Gedanken überhaupt in den Köpfen festsetzen. Gefühlte Geschlechtsumwandlung, Ungleichbehandlung, einseitige Diskriminierung? Das alles mag seine Ursprünge in "kritischen" Artikeln wie seinerzeit im Spiegel über Dissenz e.V. haben und seine Verbreitung, andererseits vielleicht auch an einem (in meinen Augen) zurecht gefühltem Unbehagen liegen. Auch mir geht es so und daher nachstehendes mal meine Gedanken als Erläuterung dazu:

Gender Mainstreaming wird, wie du ja auch schreibst, als neue únd okkupierte Maßnahme zur Frauenförderung betrachtet und meiner Meinung nach auch lobbyistisch genauso benutzt, wie von Manndat und dir angeprangert. Hängen bleiben aber aus solchen Artikeln wie im Spiegel meist plakative Dinge, z.B.,sich als Junge vorstellen zu müssen "eine Clitoris zu haben". Mithin also eine geistige Kastration, was ich vice versa übrigens genauso schlimm empfinden würde. Damit mischt sich gefühltes Unbehagen mit medialer Beeinflussung und (zum Glück nur z.T.) mit eigenem Erlebten. Und somit ist man dann schnell bei diesem zitierten Punkt, über den ich heute Nacht lange nachgedacht habe.

Die Frage ist doch: Warum kommen solche Gedanken in den Kopf.
Meine Antwort dazu: Weil es so (un)gewollt zu sein scheint, was meint, das dieses Unbehagen natürliche Abwehrreflexe auslöst. Das gleicht doch auf gewisse Art und Weise dem, was Jungs an Schulen erleben, wenn sie Schmetterlinge statt Ritterburgen ausmalen müssen; mal so als Analogie und Bezug zur vollzogenen Realität hier im Land. Der Gedanke und die Bewertung eines Einheitsgeschlechtes wird doch auch vom affektiven Begriffsinhalt des Wortes bestimmt und damit unterschiedlich besetzt sein - das Gefühl (im Kontext Frauen sind die besseren ...) und die Umsetzung via 90 Prozent Erzieherinnen lassen mir ein Bild erscheinen, das in diesem Zusammenhang recht plastisch erscheint. "Einheitsgeschlecht" ist vielleicht der falsche Begriff.Vielleicht trifft "Umerziehung" unter der Prämisse, dass eine Gruppe bestimmt, in welche Richtung diese zu gehen hat, das Ganze eventuell besser.

"Geschlechtsumwandlung" rein garnichts zu tun hat. Gender mainstreaming
wird hier als Handlungsanweisung beschrieben und eingefordert, zur
Legitimierung einer geschlechtsspezifische Maßnahme, zugunsten von Frauen,
versteht sich.

Danke - und das ist doch eine Schnittstelle, falls du meinem ersten Absatz etwas zustimmen kannst. Es ist eine feministische Vereinnahmung eines an sich positiven Ansatzes. Und die Tatsache, dass eine Frauenkonferenz in Peking das beschlossen hat (unter, wenn man dem Web trauen kann: recht dubiosen Umständen), gibt doch in meinen Augen genau denen "recht", die (m) dieses dumpfe Gefühl haben, dass hier ein Geschlecht in Richtung eines anderen, nämlich in die Direktion (f), die es besetzten haben "umerzogen", neu sozialisiert werden soll. Und ganz ehrlich, ich werde dieses Gefühl auch nicht los, wenn ich sehe, was da an Schulen, in Kindergärten und den Medien nebst solchen NGOs und CEDAWs und -Derivaten so abläuft. Es ist ein unglaublich komplexes Thema und für viele "liefert" es auch ein Gefühl von Machtlosigkeit.

Platt gesagt: Eine an sich ehrenwerte Idee - ideologisch besetzt - und eine allen übergestülpte dazu, per Gesetz, Uno, EU, Medien usw. Natürlich in wunderbarer Verpackung einer schönen neuen Welt - ok, war jetzt sehr platt.

Wenn man sich damit begnügt, das festzustellen, dann hat man immerhin
einen Handlungsansatz aus männlicher Sicht. Wenn man GM aber als den
Versuch der Geschlechtsumwandlung oder ähnliches beschreibt, dann hält man
nur heiße Luft in der Hand.

Ja, danke, denn jetzt kann ich deinen Ansatz von gestern nachvollziehen. Wenn ich es richtig verstanden habe, gehst du von der Okkupation des Begriffs durch die Feministinnen (oder sonstwas aus der Ecke) aus - und die "Genderisten" vermeintlich vom kommunistisch ausgeprägten Einheitsmenschen unter weiblicher Vorherschaft. Nun, ich hoffe, die meisten Kritiker sehen es so: Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte mit (wertfrei) einer Tendenz zu einer Seite. Solche Dinge, wie "Elter" statt Vater und Mutter, wie unlängst in Bern verordnet sind für mich ungute Zeichen und lösen mehr als nur Unbehagen aus. Mir machen solche Tendenzen Angst und zeigen, wie sehr eine bestimmte Thematik, ideologisch oder aus anderen Gründen besetzt, zu einer Indoktrinierung gelangen, die denen, die die KinderInnen der Revolution waren, am Ende ebenso schaden werden. Aber das führt jetzt zu weit.

Vielleicht konnte ich meine Gedankengänge zu diesem komplexen Sachverhalt auch rüberbringen, Eugen. Ich bin kein Gegner, von niemandem, der an den aktuellen Zuständen etwas ändern will - ganz im Gegenteil. Wir sollten uns alle irgendwo finden und gemeinsam den kleinsten (besser noch: größten) gemeinsamen Nenner finden - besser jedenfalls, als den Teiler.

Gruß, Eugen

Einen herzlichen zurück

Leser


gesamter Thread:

 

powered by my little forum