Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gender-Mainstreaming und Kaffeesatzleserei im Forum der AG Männer / Piraten

Maesi, Tuesday, 27.07.2010, 10:52 (vor 5648 Tagen) @ Eugen

Hallo Eugen

Es scheint ein Merkmal des gender-mainstreaming zu sein, dass Jeder und
Jede, Befürworter wie Gegner, GM als das ansehen, was sie glauben, was es
ist, oder was sie glauben, dass andere glauben, was es ist, oder was sie
nicht wollen, dass es sei.

Ungeachtet aller Privatdefinitionen und -sichtweisen sollte man einfach mal die real existierende Gender Mainstreaming Politik in der EU betrachten, die mit dem Amsterdamer Vertrag erstmals als verpflichtend fuer die EU-Staaten deklariert wurde und seither zuegig als buerokratisches Herrschaftsmittel ausgebaut wurde.

"Historisch leitet sich die sperrige Bezeichnung aus einer Forderung
des Weltfrauentages in Peking 1995 ab: “mainstreaming a gender perspective
in all policies and programmes”, also etwa: „einen geschlechtersensiblen
Blickwinkel in das politische Handeln einbringen“."
(*)

Selbst als ein Gegner des GM kann ich einen solchen(!) Ansatz nicht
pauschal verurteilen. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, und
wenn es z.B. spezifisch männliche Gesundheitsrisiken gibt, dann ist Männern
nicht geholfen, wenn man ihnen eine pauschale oder sogar defizitäre
Gesundheitspolitk zumutet.

Das ist jetzt aber schon ein wenig blauaeugig, Eugen. Es geht nicht einfach darum, 'einen geschlechtersensiblen Blickwinkel in das politische Handeln einzubringen'. Diese entschaerfte Uebersetzung klingt reichlich harmlos, entspricht aber halt nicht der erklaerten politischen Intention von GM.

Vielmehr sollen knallhart die GESAMTE Politik und ALLE Programme, in die die oeffentliche Hand irgendwie involviert ist, der sogenannten 'gender perspective' unterworfen werden. Dieser Ansatz, die gesamte politische Welt aus einem einzigen Blickwinkel (naemlich dem politisch-genderistischen) zu betrachten, ist nichts weniger als totalitaer. Dass die politisch-genderistische Sichtweise (= gender perspective) obendrein von einer vergleichsweise kleinen Anzahl von Pseudowissenschaftlern, die dafuer noch nicht einmal demokratisch legitimiert wurden, definiert wird, macht das ganze noch schlimmer.

Das Problem ist nicht GM, sondern seine völlig einseitge Vereinnahmung
durch Politfeministinnen und deren Steigbügelhalter. Es gibt nämlich keine
"gender perspective in all policies and programmes" sondern schlicht
nur Frauenförderprogramme unter diesem Namen, dh. GM wurde zu einer zweiten
Schiene der Frauenförderung gemacht.

Doch, das Problem ist GM, weil GM totalitaer ist und auf Zwang aufbaut. Dass GM derzeit fast ausschliesslich von Staatsfeministen fuer ihre Ideologie vereinnahmt wird, ist zwar auch ein Problem, aber eben nur ein Sekundaerproblem. Das Hauptproblem ist, dass die Politik als zustaendig erachtet wird, all diese kuenstlich geschaffenen kollektivistischen Geschlechterprobleme zu 'loesen'. Durch eine solche Akkumulierung einer grossen Zahl von politischen Kompetenzen in einer vergleichsweise kleinen Zentralgewalt entsteht ueberhaupt erst eine Diktatur. Wer aber eine Diktatur errichtet, der laedt wiederum jeden potentiellen Despoten ein, die diktatorische Macht an sich zu reissen; so aehnlich wie Kuhfladen unweigerlich Schmeissfliegen anziehen.

Im Grunde genommen geht es immer um dieselben drei Gruppen:

1. Die politisch Maechtigen,

2. deren Klientel, die von ihnen profitiert und

3. dem grossen Rest, der von ersteren beiden ausgebeutet wird.

Das nennt man soziale Umverteilung, und diese erfolgt unter Zwang. GM schliesst sich nahtlos anderen Zwangsumverteilungsideologien an; im GM heisst das Umverteilungsvehikel gender budgeting.

Deswegen wieder mal mein Hinweis:

(*) "Schöne neue durchgegenderte Welt - Anspruch und Realität der
Gender Mainstreaming Ideologie
" in dem Buch "Der Staat als Super Super
Nanny".
Das Buch ist bei der Friedrich Naumann Stiftung erschienen und kann dort
kostenlos bestellt oder als Dokument herunter geladen werden. Hier der
Link:
http://www.freiheit.org/webcom/show_article_bb.php/_c-618/_nr-10380/i.html

Besten Dank fuer den Tip. 'Der Staat als Super Super Nanny', das klingt recht vielversprechend. Du erscheinst ja ebenfalls auf der Liste der Autoren. Selbstverstaendlich reicht es nicht aus GM isoliert zu betrachten. Vielmehr ist GM ein (wenn auch ziemlich wichtiger) Baustein unter mehreren, die insgesamt das Gebaeude des neuen kollektivistischen Totalitarismus bilden. Der Schluessel dazu ist die staatliche Politbuerokratie als zentrale Macht- und Gewaltmonopolistin, die jeden anderen Macht-/Gewaltfaktor auszuschalten sucht und so die Supernanny fuer alle bildet, vergleichbar dem 'Grossen Bruder' aus Orwells Buch 1984.


Gruss

Maesi


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