Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nicht nur Kaffeesatzleserei der AG Männer / Piraten

Narrowitsch, Berlin, Monday, 26.07.2010, 16:57 (vor 5649 Tagen) @ Eugen

Es scheint ein Merkmal des gender-mainstreaming zu sein, dass Jeder und
Jede, Befürworter wie Gegner, GM als das ansehen, was sie glauben, was es
ist, oder was sie glauben, dass andere glauben, was es ist, oder was sie
nicht wollen, dass es sei. Das trifft auch auf die obige Deutung zu, die
lediglich eine private Sichtweise wiedergibt, die historisch jedenfalls
nicht legitimiert ist.

Soweit gehe ich 100 % mit.

"Historisch leitet sich die sperrige Bezeichnung aus einer Forderung
des Weltfrauentages in Peking 1995 ab: “mainstreaming a gender perspective
in all policies and programmes”, also etwa: „einen geschlechtersensiblen
Blickwinkel in das politische Handeln einbringen“."
(*)

Selbst als ein Gegner des GM kann ich einen solchen(!) Ansatz nicht
pauschal verurteilen.

Auch das sehe ich genau so und nicht anders.

Man kann nicht alles über einen Kamm scheren, und
wenn es z.B. spezifisch männliche Gesundheitsrisiken gibt, dann ist Männern
nicht geholfen, wenn man ihnen eine pauschale oder sogar defizitäre
Gesundheitspolitk zumutet.

Auch unbedingt richtig.

Das Problem ist nicht GM, sondern seine völlig einseitge Vereinnahmung
durch Politfeministinnen und deren Steigbügelhalter. Es gibt nämlich keine
"gender perspective in all policies and programmes" sondern schlicht
nur Frauenförderprogramme unter diesem Namen, dh. GM wurde zu einer zweiten
Schiene der Frauenförderung gemacht.

Das sehe ich völlig anders. Peking und nachfolgende Veranstaltungen zeigen, dass deren InitiatorInnen das Ziel GM als Ergänzung zur (feministischen)Frauenpolitik verstanden wissen wollten und wollen. Feminismus und GM verhielten sich wie Feuer und Wasser zu einander, jedenfalls dann, wenn Mann die Definition des GM ernst nimmt. Mit anderen Worten: GM war womöglich als propagandistischer Winkelzug gedacht, der eine Art real existierender Feminismus mit nunmehr menschlichem Antlitz in die Welt setzen sollte. Feministinnen haben die Gender-Absichtserklärung nicht vereinnahmt, sondern als "menschelnden" Agitatationsklapperatismus zur Legitimation einseitiger Frauenförderungen auf die Welt losgelassen. Und nicht nur zum Zwecke der Förderung, sondern auch für vorrangig frauenfreundliche, frauenfokussierte Sichtweisen in Politik, Wirtschaft, Medien, Justiz und vor allem in der Bürokratie.

Oder sind mir Dokumente durch die Lappen gegangen, die anderes beweisen?

Im Übrigen halte ich nichts , aber auch gar nichts von gesellschaftlichen Wettkämpfen um beste rhetorische Leistungen, für die Fördertöpfe als Preis winken. Es werden sich immer Gründe für Förderungs- und Forderungsansprüche finden und begründen lassen; wer geschickter formuliert, gewinnt. Auch wenn ein realer Sachbezug fehlt.Auf der Strecke bleiben jedoch alle die Menschen, die aus eigener Kraft und nach eigener Facon nach ihrem Glück streben wollen.

GM entfaltet in meinen Augen nur dort einsichtige Begründungen, also Berechtigungen, wo es um objektiv geschlechtsbezogene Belange geht: Geburt, Vater- und Mutterschaft, Gesundheit, (soziale) Zwangsdienste. Alle anderen Felder gesellschaftlichen Zusammenlebens sollte dem freien Spiel des Lebens überlassen werden, das Gleichberechtigungsgebot des GG garantiert rechtlich den fairen Umgang.

Aber um den geht es bei GM wohl nicht.

Gruß, Eugen

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Im Übrigen halte ich es durchaus für verdienstvoll, wenn die AG Männer der Piraten das Thema auf den Tisch knallt. Und sei es nur, um den vielen Leuten, die nichts wissen, von dem, was in der Realität als GM durchgeht, einen Denkanstoß zu geben. Die etablierten Parteien haben dies - so weit ich weiß- bislang nicht geschafft einen einzigen kritischen Blick auf diesen problematischen Weg der "Gleichstellung" zu wagen.

--
Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-

Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.


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