Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Mal eine Frage an alle Familienbefürworter:

Simon, Wednesday, 21.07.2004, 00:55 (vor 7870 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: Mal eine Frage an alle Familienbefürworter: von Ekki am 20. Juli 2004 19:06:22:

Hallo Ekki,

Du sprichst mir aus der Seele. Das Problem liegt glaube ich wirklich darin, daß Männer sich ihrer eigenen Bedürfnisse oft nicht bewußt sind. Kein Wunder: „männliche“ Bedürfnisse wie Kinderlosigkeit, Unabhängigkeit, Autonomie, Polygamie usw. gelten im öffentlichen Bewußtsein als asozial (siehe die derzeitige Diskussion, wie man Kinderlose am effektivsten steuerlich bestrafen kann) -– „weibliche“ Bedürfnisse hingegen als dem Allgemeinwohl dienend.

Einem Mann, der seine Interessen und Bedürfnisse klar und deutlich artikuliert, schlägt ein eisiger Wind der Verachtung entgegen (Frauen, die bewußt keine Kinder haben und Sex mit mehreren Partnern pflegen, zwar gelegentlich auch, jedoch meist nicht in der Intensität; eher wird deren Emanzipiertheit bewundert), so daß er sie im ersten Schritt nicht zu äußern wagt und sie im zweiten Schritt sogar vor sich selber verleugnet. Bestenfalls tut er sie als Reste eines pubertären Lebensgefühls ab, von dem man(n) sich im Sinne von „Reife“ und „Verantwortung“ verabschieden müsse.

Ich weiß zum Beispiel, daß ich keine Kinder will. Ob ich irgendwann mal welche möchte, weiß ich noch nicht, ich will es jedenfalls nicht ausschließen. Zu meiner Freundin, die Kinder haben möchte – glücklicherweise nicht in den nächsten paar Jahren –, habe ich gesagt: „Wenn wir irgendwann beide berufstätig sind und unser eigenes Geld verdienen, finanziell also voneinander unabhängig sind, und wenn es eine bezahlbare Ganztagsbetreuung von den ersten Lebensmonaten an gibt, so daß nicht der eine zuhause bleiben und der andere ganz allein das Geld für die Familie heranschaffen muß, dann – und nur dann – können wir noch einmal über Kinder reden.“

Im Grunde teilt meine Freundin diese Auffassung. Auch sie ist dafür, daß beide berufstätig sind, auch sie ist für Ganztagsbetreuung im Kinderhort. Und doch ist offensichtlich der Kinderwunsch bei ihr wesentlich stärker ausgeprägt als bei mir. Und ich frage mich wirklich, was passiert, wenn ihr Kinderwunsch noch drängender wird, z.B. wenn sie die wohlbekannte Torschlußpanik verspürt und ich aber immer noch kein Kind will. Heiraten wollen wir übrigens beide nicht.

P.S.: Was Du über den polnischen Augenzwinker-Katholizismus erzählst, kenne ich aus Köln, wo ich ein paar Jahre gelebt habe. Der Kabarettist Jürgen Becker nennt das „Vier-minus-Katholizismus“: der Kölner verhält sich so, daß er gerade eben noch in den Himmel kommt; mit einer Vier minus eben.


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