Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Entschädigung für den Schaden:

Garfield, Monday, 19.07.2004, 12:00 (vor 7872 Tagen) @ pit b.

Als Antwort auf: Re: Entschädigung für den Schaden: von pit b. am 17. Juli 2004 13:15:33:

Hallo Pit!

"Und auch Verletzungen (Beinbrüche?) in der Grundausbildung, zu der der Staat junge Männer im zuge der Wehrpflicht zwingt, sind keine vorsetzliche
Körperverletzung, sondern in solchen Fällen nur dumme Unfälle."

Und so etwas kommt keineswegs selten vor. In meiner Wehrdienstzeit hat sich ein Soldat aus meiner Kompanie beim Sturmbahn-Lauf das Knie zertrümmert. Es konnte danach nicht mehr voll wiederhergestellt werden, und es hieß sogar, daß er deshalb eventuell seinen Beruf nicht mehr ausüben könne. Der war dann also mit Anfang 20 schon Teil-Invalide.

Einen Soldaten aus einer anderen Kompanie hat es noch schlimmer getroffen: Er war Kradmelder und hatte dann mal bei einem Manöver die Straßen für eine Kolonne von Schützenpanzerwagen zu sichern. An einer Kreuzung hat er sich etwas ungünstig gestellt, ein SPW-Fahrer konnte ihn durch sein kleines Fenster nicht sehen, und so hat der SPW ihn samt Motorrad erfaßt und überrollt. Ich weiß nicht mehr genau, ob er sofort tot war oder erst auf der Intensiv-Station gestorben ist.

Noch ein anderer Soldat hatte bei einem Manöver das Pech, daß dicht neben seinem Gesicht ein Sturmgewehr abgefeuert wurde. Zwar war das nur mit Übungsmunition geladen, aber die hatte vorn ein Plastikteil, das sich beim Schuß zerlegte. Ein Splitter davon hat leider sein Auge getroffen. Ob die Ärzte es retten konnten, habe ich nicht erfahren.

Der Bruder meiner Frau hat sich während seines Grundwehrdienstes eine Thrombose weggeholt. Damit hat er heute noch Probleme.

Das sind nur die Fälle, die ich persönlich während meines Grundwehrdienstes oder aus dem Bekanntenkreis gehört bzw. miterlebt habe.

"Ist das nun ein menschlicher Fehler oder die Auswirkungen langwieriger, gesellschaftlicher und politischer Dogmatisierung?"

Ich glaube, es ist schon sehr lange so, daß es für Männer als selbstverständlich gilt, auch unangenehme Pflichten klaglos zu erfüllen, während bei Frauen die Meßlatte sehr viel niedriger angelegt wird. In früheren Zeiten hatte das eine gewisse Berechtigung. Erstmal weil Frauen durch ihre geringere Körperkraft tatsächlich viele Tätigkeiten nicht so gut ausüben konnten wie Männer. Und auch weil der weibliche Körper entgegen heute weit verbreiteten Behauptungen tatsächlich anfälliger für Infektionen und auch für manche anderen Erkrankungen ist. Und dann natürlich auch, weil die Frauen früher ja sehr viel mehr Zeit für Geburt und Stillen aufwenden mußten als heutzutage, was es nötig machte, daß Männer sie zumindest während dieser Zeit mit allem Lebensnotwendigen versorgten.

So hat man beispielsweise in vielen Handwerksberufen, in denen irgendwelche gesundheitsschädlichen Substanzen verarbeitet wurden, grundsätzlich nur Männer eingestellt. Feministinnen werten das heute gern als Benachteiligung von Frauen, tatsächlich kam darin aber eher das Gegenteil zum Ausdruck: Eine Frau betrachtete man nicht nur als zu verletzlich, sondern oftmals auch als zu wertvoll für gesundheitsgefährliche oder körperlich sehr anspruchsvolle Arbeiten. Sobald die Arbeit durch neue Technologien einfacher und weniger ungesund wurde, stellte man dann bald auch wieder Frauen ein. Martin van Creveld hat dazu in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" viel geschrieben, aber auch Bücher wie "Die Frau im Mittelalter" von Erika Uitz sind da aufschlußreich.

Das Problem heute besteht eben darin, daß es zwar immer weniger gesundheitsschädliche und körperlich sehr schwere Jobs gibt, die alten Normen, Dogmen und Klischees aber weiterhin gelten. So neigen Männer nach wie vor dazu, Frauen alles möglichst einfach zu machen, und Frauen nutzen das natürlich gern aus.

Freundliche Grüße
von Garfield


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