Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Geschlechterrollen

Anti-Sexistin, Saturday, 07.02.2004, 17:40 (vor 8034 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Geschlechterrollen von Andreas am 07. Februar 2004 15:00:26:

Hi!

Wenn keine wissenschaftlich neutralen und empirischen Daten zugrunde liegen, dann basiert alles nur auf der persönlichen Meinung Einzelner.

Ich möchte mal wissen, wo es denn in diesem ganzen "Gender"-Bereich überhaupt eine auf wissenschaftlich neutralen und empirischen Daten beruhende Studie gibt. Dieser ganze Bereich ist dermaßen ideologisiert, daß man wohl kaum eine objektive Stellungnahme aus dieser Ecke ernsthaft erwarten kann. Im Grunde geht es nur um Interessen, Privilegien und Macht, aber wohl kaum um echte Fakten oder deren Konsequenzen.

So weit mir bekannt ist, können heute Männer Erziehungsurlaub nehmen und auch im Falle einer Scheidung das Alleinerziehungsrecht beantragen. Die wenigsten tun das. Weshalb?

Tja, woran könnte das wohl liegen? Denke mal darüber nach. Das ist Deine Hausaufgabe für nächste Woche.

Mir selbst ist nur ein Fall aus dem Bekanntenkreis bekannt, der Erziehungsurlaub nahm. Andere Männer, die gerade Väter wurden, lehnten es ab, weil sie selbst monatlich mehr Geld nach Hause brachten als ihre Frauen. Da Du Statistiken ablehnst, ist dies wohl ein Beispiel, was Du eher als wissenschaftlich akzeptieren magst.

Viele Männer haben Angst, den Anschluß und ihre Aufstiegschancen im Beruf zu verpassen, wenn sie nicht präsent am Arbeitsplatz sind. Deshalb kein Erziehungsurlaub.

Ungewollte Schwangerschaft halte ich für einen weiteren Grund.

Alleinerziehend:
aus oben genannten Gründen haben nicht viele Männer Interesse an der Rolle des Alleinerziehenden.

Die Frauen wollen die Kinder mit sich nehmen, möglicherweise auch, weil sie schon meistens den Erziehungsurlaub genommen haben und deshalb auch eine größere Bindung zu den Kindern aufgebaut haben.

Dann noch ein juristischer Grund: Frauen bekommen nach wie vor eher die Kinder zugesprochen als Männer. Wohl auch, weil der Gesetzgeber noch immer alte Mama-Bilder im Kopf hat. Im Grunde ein Verhalten, was auch als sexistisch gegen Frauen angesehen werden kann.

Gender studies sind heute in, was einer Pro-Männer-Bewegung überhaupt nicht widerspricht. Da solltet Ihr Euch vielleicht mal ein paar ideologische Grundlagen holen und dann auf in den gemeinsamen Kampf gegen Sexismus jeglicher Art.

Ich werde mir da sicherlich keine "ideologische Grundlagen" holen. Ich habe nämlich die Schnauze voll von irgendwelchen "Gender-Ideologien" und zwar kräftig. Was wir brauchen, sind weniger Ideologien oder die Wollpullover-Akademiker-Fraktion mit ihren neuen alten Wahnvorstellungen namens "Gender studies", sondern knallharte Fakten und vor allem Rationalität, auf deren Basis man logische Schlußfolgerungen ziehen kann.

Dann viel Glück mit der Logik. Sie scheint hier eher eine Schwäche zu sein. Und der ein oder andere hier sollte ruhig erst mal in die Aggressionsecke und persönlichen Beziehungsfrust von strukturellen und politischen Gegebenheiten trennen.

Es geht doch nicht um "oktroyierte Ideologien". Mir scheint, Ihr diskutiert hier in vielen Dingen einfach hinter dem Mond und solltet Euch mal ein paar Zusatzinfos verschaffen, um mal zu sehen, was eigentlich läuft. Was hier unter dem Stichwort Feminismus so den Headlines zu entnehmen ist, seid Ihr far out.

Du kannst es Dir als Frau auch leisten, in Deiner Gender-Traumwelt zu leben. Für einen Mann allerdings, der mit 35 zu einer kostenlosen Hautkrebsvorsorgeuntersuchung will und dann in der Praxis abgewiesen wird, weil diese Untersuchung nur bei Frauen von der Kasse bezahlt wird, hat das praktische Auswirkungen.

Oh, mir geht es schon auf den Keks, wenn ich keine wohlverdiente Gehaltserhöhung bekomme als Single-Frau ohne Kinder, weil ein Arbeitskollege, der nur im Puff herumhängt, ja irgendwann heiraten und welche machen könnte und deshalb bevorzugt wird.

Sexismus trifft - da gebe ich den Maskulinisten Recht - auch Männer. Doch Maskulinismus schreibt genauso wie der Feminismus Geschlechterrollen als gegeben fest, die längst schon Produkte von Machtstrukturen sind und zugleich auch noch ein ganzes Individuum allein auf seine überbetonten Geschlechtseigenschaften festnagelt.

Das solltest Du mir vielleicht mal etwas genauer erklären.

Obwohl eine Definition von Sexismus schon oben im Ausgangsthread steht, hier noch mal extra für Dich:

Sexismus ist die Hervorhebung eines Merkmals und Reduktion eines Menschen auf bestimmte äußerliche Merkmale. Frauen und Technik, Männer als Vergewaltiger etc. Dieser kann z.B. wie hier im Kleinen stattfinden oder eben auch auf politischer Ebene. Insofern ist die Frauenquote (40%? Eigentlich müßten es ja 50 sein....) ebenso sexistisch für Frauen wie Männer. Das Hervorheben eines Merkmals aus einer Gesamtheit von Merkmalen ist immer konstruiert. Genau aufgrund solcher Mechanismen werden Machtverhältnisse aufgebaut und mitunter auch im Alltag die Lebensqualität minimiert. Es kommt einfach zu sehr respektlosem Verhalten und Benehmen gegenüber Menschen, aufgrund solcher Merkmale. Ich finde insgesamt das Geschlecht überhaupt nicht wichtig. Ich finde jeder Mensch hat ein Anrecht auf Respekt und menschenwürdigen Umgang - persönlich wie juristisch.

Ich würde mich selbst nicht als Maskulisten bezeichnen und ich weiß auch nicht, wie dieser Begriff im allgemeinen definiert wird - aber erläutere mir, in welcher Hinsicht der Maskulismus Geschlechterrollen als gegeben festschreibt? Das habe ich nämlich bislang noch nicht erlebt.

Genau das ist doch Sexismus - egal ob gegen Männer, Frauen, Schwule, Lesben oder Neutren - in seinem Grundprinzip. Insofern würde ich den Quatsch mit einer Frauen-/Männerbewegung mal gleich lieber lassen, sondern eine gemeinsame Anti-Sexismus-Bewegung für alle - egal, wie sie geschlechtlich wahrgenommen werden möchten - anzugehen. Denn ob Männer- oder Frauendiskriminierung, der sexistische Mechanismus ist in allen Fällen derselbe.

Da kann ich Dir durchaus folgen, allerdings bist Du hier auch an der falschen Adresse. Ich lebe nach dem Grundsatz: Leben und leben lassen. Du kannst Dich den ganzen Tag über Flugzeuge unterhalten. Und dabei ist mir vollkommen egal, ob Du eine Frau bist oder ein Mann. Ich kann es aber nicht ausstehen, wenn die Vertreter des bundesdeutschen Frauenverherrlichungswahns glauben, eine Art Geschlechter-Apartheidsregime installieren zu müssen, indem sie sogenannte "Frauenrechte" postulieren, die noch über den Menschenrechten stehen sollen.

Das leuchtete mir auch nicht ein und ich fände es sexistisch. Am besten wäre eben - wie ich schon eingangs schrieb - wenn diese MannFrau-Schemata endlich ad acta gelegt würden.

Der Maskulismus ist meiner Ansicht nach nur eine Reaktion auf diese Entwicklung -

Eben. Das ist ja auch okay, sieht man es als anti-sexistische Aktion. Reaktionen finden leider nur innerhalb der vorgegebenen Machtverhältnisse statt, anstelle diese subversiv zu unterwandern.

wobei diese Entwicklung für Männer durchaus auch Vorteile hat: Männer beginnen langsam mal damit, sich mit ihrer Situation in der Gesellschaft und den damit zusammenhängenden Rollenbildern zu beschäftigen.

Wunderbar. Das wurde aber auch mal Zeit. *g*

D.h. ich schätze Deinen Missionierungseifer durchaus, allerdings solltest Du Deine Anti-Sexismus-Theorien zunächst mal den Legionen von Frauenbeauftragten, Frauenwissenschaftlerinnen und Frauenpolitikerinnen in diesem Lande beibringen, bevor Du uns das erzählst. Die dürften nämlich Deinen Theorien eher im Weg stehen als die Maskulisten.

Habe ich schon. Ich habe vorgeschlagen, Männer auf diese Jobs zu setzen und gleichzeitig Männerbeauftragte anzustellen, die auch durch Frauen besetzt werden könnten. Da hing man sich aber wieder an kleinlichen Biologismen auf.

Wenn Ihr die wieder festschreiben mögt, indem ihr Frauen, die Unterhalt für die Kinder einfordern als Abzockerinnen seht oder es Frauen neidet, daß sie vielleicht mal in ein Management Jöbchen kommen (in Deutschland sind nur 5% Frauen im Top-Management z.B.) baut Ihr nur weitere Eskalationsschemata auf, die den Sexismus, gegen den Ihr selbt auch was habt, nicht an der Wurzel packt, sondern selbst wiederholt - und diesmal von der anderen Seite her. Ergebnis würde nur dann wieder ein Feminismus sein, der sich noch weiter radikalisiert und verrennt, woraufhin die Maskulinisten noch weiter abdrehen.

Ich gebe zu, daß oftmals etwas zu stark pauschalisiert wird. Ich will mich davon auch überhaupt nicht ausschließen. Allerdings liegen diesen Pauschalisierungen in der Regel auch gewisse Auffälligkeiten zugrunde und eben diese Auffälligkeiten sind es, die hier diskutiert werden. Deine Anti-Sexismus-Theorie würde bedeuten, diese Auffälligkeiten einfach zu leugnen.

Ach ja, wieder dieses sozialpsychologische Ding. Für eigene Fehler, und seien es nur die kleinsten werden äußere Ursachen als Grund angegeben, für die Fehler des Feindbildes innere Böswilligkeit. Na, das ist doch ein echter zivilisatorischer Fortschritt...

Bitte informiere dich. Speziell die Themen »Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht« sind hier oft und gründlich diskutiert worden. Die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, sind wohlbegründet. Nur soviel: Fakt ist, dass Scheidungen in der Hauptsache von Frauen eingereicht werden.

Stimmt. Das ist mir bekannt. Nur den Schluß der Abzockerei vermag ich daraus nicht zu ziehen. Ich schätze mal, da müßte man eher auf den Einzelfall sehen, was ja wohl die Richter schon getan haben.

Das bezweifle ich. Ich glaube schon lange nicht mehr an das deutsche Justiz- und Rechtssystem. Die Richter urteilen hier in der Regel nach dem "Unterleibsrecht" und weniger nach wirklichen Erfordernissen. Der Mann hat überhaupt keine Chance. Und die Frauen wissen das auszunutzen. Das Gesetz nagelt hier dem Mann ein Schild an die Stirn, auf dem steht: "Bitte beute mich finanziell aus". Und faktisch kann dem Vater jederzeit auf Betreiben der Mutter Sorge- und Umgangsrecht entzogen werden. Um das Wohl der Kinder sorgen sich die Richter in diesem Moment sicherlich nicht.

Solche Fälle gibt es durchaus nicht selten, und ich bestreite sie keineswegs. Allerdings widerspricht sie jeglichem Anti-Sexismus. Selbst der Feminismus wollte weg von dem Frau=Mutter-Bild. Mit einer solchen Jurisdiktion wird gerade dieses nur wieder mal bestätigt. Im Übrigen wäre es immer noch zum Wohle der Kinder, wenn sie vernünftige Eltern hätten, die auch untereinander in einer liebevollen Dauerbeziehung leben. Sollte leider doch eine Beziehung nicht lebbar sein, dann sollte es jedenfalls im Interesse beider Eltern sein, für die eigenen Kinder Unterhalt zu zahlen. Die können sich immerhin noch nicht selbst ernähren.

Da stellt sich schon die Frage, ob diese wirklich nicht kleine Anzahl Scheidungswütiger überhaupt etwas davon verstanden hat, was es heißt, solch ein Langzeitprojekt wie Familie auf den Weg zu bringen.
Ich würde doch nicht Kinder bekommen wollen wegen eines Langzeitprojektes. Dazu gehört erst mal eine gute Beziehung. Mir scheint eher, daß viele Beziehungen, die nicht richtig gut sind, Kids als Kitt einsetzen. Genau das ist wohl der falsche Weg. Und wenn ein Part mit der Beziehung unzufrieden ist, kann man ihn nicht auf Langzeitprojekte verpflichten.

Auf solche Risikoprojekte würde ich mich als Mann offengestanden überhaupt nicht mehr einlassen. Irgendjemand aus diesem Forum hat das mal (sinngemäß) hervorragend formuliert:

Mußt Du auch nicht. Wenn Du so ein schlechtes Bild generell von Ehe und Familie hast und potentiell jede Partnerin für eine Abzockerin hältst, hätte eine Frau auch kein großes Vergnügen daran. Das kann nur nach hinter losgehen. Möglicherweise solltest Du da auch für Dich selbst Verantwortung übernehmen in Sachen Verhütung.

Frauen lieben nur sich selbst und ihren Nachwuchs, aber nicht die Männer. Die Männer werden nur für das toleriert, was sie in die Beziehung mit einbringen: Sperma und Geld. Ansonsten werden sie abserviert. Das erklärt auch die hohen Scheidungsraten.

Na, wenn das so ist. Ich erzähl es mal meinem Liebsten, der wird sich echt wundern, weshalb ich ihn schon des öfteren zum Essen eingeladen und die Rechnung bezahlt habe.

Gruß
Andreas

Gruß

Anti-Sexistin


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