Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Noch'n Nachtrag: "EigentümlichFrei" über die Zerstörung der Familie

Garfield, Monday, 01.09.2003, 14:41 (vor 8193 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Noch'n Nachtrag: "EigentümlichFrei" über die Zerstörung der Familie von Nick am 31. August 2003 13:02:24:

Hallo Nick!

Hm, also das würde ich so auf keinen Fall unterschreiben.

Was mir schon sauer aufgestoßen ist, ist die Formulierung "besonders starrköpfige junge Männer". Letztendlich wird da in dasselbe Horn gestoßen, das auch Radikalfeministinnen gern benutzen, wenn sie aussagen wollen, daß alle Probleme dieser Welt ja nur von Männern herrühren würden.

Ich könnte jetzt den ganzen Text zerpflücken, aber das ist mir zu mühselig. Deshalb greife ich nur mal einen Punkt heraus:

"Der Staat drängt die aus der Knappheit entspringenden Sachzwänge in andere Formen. Und dadurch produziert er andere Lebensstile, eine andere Moral – und andere psychologische Haltungen. Die folgenden Beispiele mögen dies veranschaulichen.

Erbschaftssteuern – zerstören Familienbetriebe und schwächen die Bande zwischen den Generationen. Sie verringern das Interesse der Eltern an einer zielgerichteten beruflichen Ausbildung der Kinder: Statt Wissen zu erwerben, das sich im elterlichen Betrieb verwenden lässt, gehen mehr und mehr Sprösslinge dazu über, eher allgemeingehaltene Studien zu absolvieren. Sie produzieren nicht, sondern konsumieren nur die Freude an der geistigen Anregung – der erste Schritt zum akademischen Proletariat."

Der Zusammenhang zwischen Erbschaftssteuern und Endlos-Studenten will sich mir nicht so recht erschließen. Ich kenne auch jemanden, der ein Unternehmen hat und dessen Sohn sich nicht sonderlich dafür interessiert, sondern lieber immer wieder auf Kosten seines Vaters und der Steuerzahler neue Studiengänge beginnt, von denen einer sinnloser ist als der andere. Momentan studiert er gerade Theologie, soviel ich weiß.

Die Motivation dafür resultiert keineswegs aus Erbschaftssteuern oder irgendeinem anderen staatlichen Druck. Es ist einfach so: Dieser junge Mann ist mit dem Luxus aufgewachsen, den ihm die Arbeit seines Vaters und dessen Mitarbeiter ermöglicht hat. Er hat von der Kindheit an gelernt, daß er für diesen Luxus keinen Finger rühren muß. Wieso also soll er nun anfangen, im Unternehmen seines Vaters zu arbeiten? Wieso soll er überhaupt arbeiten? Wo doch jungen Menschen sogar schon in der Hugo-Boss-Werbung und auch sonst fast überall nahegelegt wird, daß es doch viel schöner und lustiger ist, auf Betten herumzuhüpfen und eine Party nach der anderen zu veranstalten also seriös zu werden und hart zu arbeiten?

Er weiß, daß Papa weiter für seinen Lebensunterhalt sorgen wird, und er weiß auch, daß der Staat ihm vom Erbe später noch genügend lassen wird, um bis an sein Lebensende ohne Arbeit auszukommen. Und daß er zur Leitung des Unternehmens später einfach einen Geschäftsführer einsetzen kann, wie es heute bereits die allermeisten Besitzer von großen Unternehmen tun. Zwar verlangt der dann ein fettes Gehalt und wird schon mal die eine oder andere Million unterschlagen, aber das nimmt man gern in Kauf, wenn man dafür selbst keinen Finger rühren muß. Und falls der Geschäftsführer das Unternehmen in die Pleite führt, dann wird schon noch genügend Geld übrig bleiben, um trotzdem weiter im Luxus leben zu können. Man hat ja schließlich auch noch ein Konto in der Schweiz.

DAS ist die Motivation dieser Kinder reicher Eltern, die jahrzehntelang studieren, nur um nicht als die Faulenzer und Gammler angesehen zu werden, die sie nun einmal sind.

Und wie sollte sich daran etwas ändern, wenn man die Erbschaftssteuern abschaffen würde? Dann wüßten solche Söhne und Töchter reicher Eltern noch sicherer, daß sie sowieso ganz ohne Arbeit bis an ihr Lebensende ausgesorgt haben und würden sich noch seltener darum bemühen, etwas Sinnvolles zu leisten. Und noch mehr Menschen müßten dann für ihren Luxus arbeiten.

Ähnlich wirr sind andere Ansichten, die in diesem Text geäußert werden. Es ist sicher richtig, daß der Staat in manchen Bereichen zuviel reguliert. Aber ganz ohne Regulierungen kann es auch nicht funktionieren. Und es hat auch noch niemals in der Geschichte funktioniert.

Freundliche Grüße
von Garfield


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