Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Nick: Versuch einer Annäherung

Nick, Tuesday, 21.12.2004, 04:20 (vor 7716 Tagen) @ Thomas Lentze

Als Antwort auf: @Nick: Versuch einer Annäherung von Thomas Lentze am 20. Dezember 2004 14:58:04:

Lieber Thomas,

es geht auf Weihnachten zu und ich habe eigentlich viel zu wenig Zeit, den "Verästelungen" nachzugehen, die sich jetzt vielleicht ergeben mögen. Es geht ja auch um sehr komplexe Fragen, die sowieso nicht diskursiv "abzuschließen" sind. Es sind vielleicht eher nur Anregungen, die ein jeder in seinem eigenen Herzen verarbeiten mag, zustimmend oder ablehnend, je nach dem. Mehr beabsichtige ich eigentlich nicht.

Trotzdem ein paar Stichworte zu dem, was dir unklar blieb (hab Nachsicht, wenn es wieder nicht erschöpfend ist :-)):

Ich bin kein Anarchist. Es bedarf der Gesetze und der Ordnungen, sonst wird das menschliche Zusammenleben zur reinen Hölle. Nur muß diese Ordnung sich eben am Sittengesetz orientieren und darf nicht der (ideologischen) Willkür von Partikularinteressen folgen, die gerade "die Macht haben". Unsittlichen Gesetzen gegenüber fühle ich mich nicht zum Gehorsam verpflichtet, sondern ich wende mich aktiv dagegen und rufe zum Widerstand auf.

Mit "Sittengesetz" meine ich übrigens ausdrücklich nichts von Menschen Erdachtes, sondern die Prinzipien, die als Naturrecht allen Religionen der Welt zugrunde liegen. Forennahes Beispiel wäre z.B. die Unsittlichkeit des Ehebruchs (Vertrauensbruchs in der Liebe), der inzwischen sogar zur "Einkommensquelle" wird für die, die Verrat an der Liebe geübt hat. Das ist in sich pervers!

Es gibt heute zahllose Gesetze und "Gewohnheiten", die zutiefst unsittlich sind, auf vielen Gebieten. Das Mehrheitsprinzip macht es aber möglich, daß auch totale Perversionen als "gut" angesehen werden, auch in grundlegenden Fragen, die eigentlich überhaupt nicht in der Entscheidung des Menschen liegen, sondern die ihm vorgegeben sind.

Indes, wenn wir uns nicht mehr an das allgemeine Sitengesetz halten, dann bricht die Hölle aus, und zwar letztlich für alle. Gleichwohl kann "die Mehrheit" technisch beschließen, daß jetzt die Hölle ausbricht! Und dann bricht sie eben auch aus. Wir erleben gerade den Beginn davon... und klagen natürlich prompt darüber, wie ohnmächtig wir sind. Aber genau in diesem Stil wird es jetzt weitergehen, das ist absehbar. Der Widerstandskampf dagegen braucht also einen ungeheuer langen Atem und klare Visionen und Ideale. Wer die nicht hat, der gibt sowieso bald auf...

Ich kann also weiß Gott bestimmt keine "Gesetze für alle" machen, keine Sorge :-) ...und ich will es auch garnicht. Ich sehe es nur so, daß (zum Beispiel) das Prinzip der Liebe von Mann und Frau natürlich ist und alles, was diese Liebe zerstört, im Prinzip pervers ist. Warum sollte es verkehrt sein, gegen die "Vernutzung" des Menschen durch den Menschen die Stimme zu erheben und darauf hinzuweisen, daß es eigentlich anders gemeint ist und das Glück nicht zu finden ist im "Zulangen" und gegenseitigen Ausnutzen, sondern in der Hingabe und im Vertrauen zueinander? Ich kritisiere die Unterhaltsgesetze zum Beispiel nicht deswegen, weil Männer beim "Zulangen" (radikal!) zu kurz kommen, sondern deswegen, weil sie überhaupt auf dem Prinzip "Zulangen" aufbauen. Das ist also nicht ganz genau dasselbe. Daß ich in der Frage des "Vertrauens" nicht naiv bin, habe ich übrigens hier index.php?id=38146 beschrieben (falls du dir da Sorgen machst :-))

Konkret meine ich einfach folgendes: Vertrauen ist etwas, was man sich persönlich aufbauen muß. Vertrauen und Liebsfähigkeit hängen ab von der persönlichen Reife zweier Menschen. Da ein jeder aber nur einen Menschen unmittelbar beeinflussen kann (nämlich sich selbst), sollte er, möglichst schon in jungen Jahren, genau das machen. Und dann bei der Suche auf eben diese menschliche Qualität beim Anderen achten. That's all! Man erkennt sich dann schon gegenseitig... :-)

Ich spreche mich gegen den Fundamental-Fatalismus aus, der hier von einigen "praktiziert" wird. Die Liebe von Mann und Frau ist dem Wesen nach ganz privat und intim. Das ist ein hoher Wert, der verteidigt werden muß - und nicht von vornherein preisgegeben werden darf! Dieses Forum hier gibt es deshalb, weil von staatlicher Seite massiv und auf vielfältige Art und Weise diese Intimität hintertrieben und zerstört wird. Man kann als Einzelner diesen Terrorabsichten natürlich nicht entfliehen, sondern muß mit den Wirkungen rechnen, auch im eigenen Leben, das ist selbstverständlich richtig und wahr.

Nun wäre es aber eben auch ein Sieg dieses Terrors, wenn man gewissermaßen vorauseilend verzichtete auf das, was einem erst noch zerstört werden soll. Das kann es also nicht sein, nicht wahr? Also muß jeder nach eigenen Auswegen für's eigene Leben suchen - zumindest derjenige, der nicht den Rest seines ganzen Lebens fortan im (notwendigen und berechtigten) Kampf gegen diesen Wahnsinn aufgehen lassen möchte. Deshalb hilft mein bescheidener Hinweis schon, meine ich, daß man den Absichten anderer Leute durchaus die eigene Gestaltungskraft entgegensetzen kann und darf. Meine These deshalb: wenn sich zwei erwachsene Menschen, die sich im Klaren darüber sind, wo sie leben, einander die Treue versprechen, dann liegt es letztlich allein in ihren (beiden!) Händen, was daraus wird. Zwangsscheidungen von funktionierenden Ehen gegen den Willen der Eheleute sind - jedenfalls soweit mir bekannt ist - bislang noch nicht auf dem Wege der Gesetzgebeung. *Sarkasmus off*

Natürlich, es wird überall viel Propaganda für den Hedonismus gemacht. "Jeder ist sich selbst der Nächste!", heißt es. Das ist grenzenlos dumm! Es ist trotzdem unmöglich, einen Menschen, der das nun mal richtig findet, vom Gegenteil zu überzeugen. Es ist aber genauso richtig, daß ein solcher Mensch leider sein Leben verliert und verspielt. Da man es aber nicht "beweisen" kann, kann man es nur "sagen" und darauf vertrauen, daß die, die empfänglich sind, dadurch bestärkt werden, lieber ihrem Herzen zu folgen, statt dem Gerede "der Leute". Der Segen wendet sich den Lauteren zu, das ist nun mal einfach so und "regelt" die Sache schon von allein. Andere Leute werden immer dagegen schimpfen, das kann man gar nicht verhindern. Will ich auch garnicht... :-)

Politisch wird die Sache dadurch, daß wir inzwischen in einer durch und durch perversen, dekadenten Gesellschaft angekommen sind, die diesen säkularen Partikularhedonismus zur Staatsideologie erhoben hat und dadurch die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens zerstört. Daß das so ist, sieht jeder, der hinsieht, denn die Folgen sind nicht mehr zu leugnen - nur ist es eben vielen inzwischen "egal". Oder es werden "die Anderen" als Täter ausgemacht - allerdings ohne daß man das Prinzip bei sich selber zu ändern bereit ist.

Das alles kann man zwar nicht ändern, denn Weisheit und Einsicht waren noch nie eine Eigenschaft von "Mehrheiten". Der Pöbel hat immer schon dumpf gegrunzt und gejohlt. Heute aber "müssen" alle leider das tun, was die Mehrheit befiehlt, und nicht das, was einsichtig und weise ist. Sagen kann ich deshalb schon: wer Verstand hat, der löse sich besser vom Mainstream und tue sich mit denjenigen zusammen, die die Gesetze ihres Lebens nicht vom Staat oder aus dem Fernseher beziehen. Die "Freiheit" der Narren, ihr Glück "in sich selbst als ihrem Nächsten" zu suchen, wird dadurch ja in keiner Weise geschmälert oder eingeschränkt - weswegen die Notwendigkeit jeder Rechtfertigung logischerweise entfällt... :-)

Deinen Hinweis auf Matth. 4, 5-7 verstehe ich nicht! Nun könnte ich zwar theoretisch anfangen, darüber nachzugrübeln, wie du das wohl gemeint haben könntest... aber ich kenne dich ja schließlich nicht und will dir diese Autorität deshalb nicht zubilligen. Da du aber diese intime Ebene nun mal berührt hast, sage ich dir: Gott kennt mich bis zum Grund. Ich habe überhaupt nichts, das ich vor ihm verbergen will. Also gibt es auch nichts, das ich von ihm "befürchten" müßte. Nein, Thomas, ich mache bestimmt nichts meiner Willkür dienstbar, sondern ich sage einfach frei heraus, was ich zu sagen nötig finde. Das ist alles!

Die Art von "religiöser Angst", an die du appellierst, ist mir im übrigen vollkommen fremd. Das sage ich jetzt auch in Richtung Carlos, der seit Jahren immer wieder mit seinen(!) Zweifeln an mir(!) daherkommt. Das ist in sich sehr komisch, finde ich... :-)) Was soll ich denn dazu bloß sagen? Wer denkt denn da über wen nach? Und warum eigentlich? Woher will er denn wissen, ob es überhaupt der Richtige ist, über den er da nachdenkt? Ich bin ratlos und mir fällt ehrlich nichts Gescheites als Antwort ein. Tut mir Leid, Carlos, du wirst dich bestimmt wieder arg darüber ärgern und mir vielleicht viele, harte Vorwürfe machen. Aber ich weiß es eben nun mal nicht besser. Das kannst du auch nicht ändern... :-)

"Das Reich Gottes ist mitten unter uns" - das ist ganz biblisch und im Grunde sowas von normal, das sollte keinen Menschen sonderlich wundern, der von sich selbst sagt, daß er diesen Glauben teilt. Es ist ja kein "Privatreich" für jemand Speziellen (für mich etwa), sondern es steht jedem offen, der "hineinwill". Und zwar ganz unmittelbar, hier und jetzt, nicht erst "dereinst". Freilich gibt es dabei eine Reihenfolge: erst die Armen, dann das Kamel, und dann die Reichen. Das ist einfach so meine reale Erfahrung, was soll ich also sonst sagen? Aber mehr darüber zu reden verträgt diese Forum glaube ich nicht. Deshalb belassen wir es mal am besten dabei.

Zurück in die "Dieseitigkeit"... :-) Mit der Transparenz in unserem Staat ist es schlecht bestellt, das ist sehr wahr. Die Machtfuzzis sind fest entschlossen, sich ihre eitlen Selbstinszenierungen nicht mehr vom Volk versauen zu lassen. Wo kämen wir denn da auch hin! Ekliges Beispiel gestern bei der Christiansen gesehen: Schily wird (zum Thema Türkei und EU) vorgehalten, die deutsche Außen- und Europapolitik werde immer "wilhelminischer" und in diesem Sinne größenwahnsinnig. Was tut der Knylch? Er bläst sich auf wie ein Ochsenfrosch und donnert wie Göttervater Zeus in die Runde, wie "abwegig" solche Ideen doch wohl seien. Abwegig... Ende der Durchsage! Kein Argument, keine inhaltliche Stellungnahme, keine Begründung. "Die Regierung beschimpft das Volk und verbittet sich schärfstens unbotmäßige Einmischungen!" Unglaublich!

Das ist natürlich wieder nur so eine kleine Anekdote, aber sie kennzeichnet die vorherrschende Geisteshaltung: die vom aufgeblasenen Gurkenkönig "Zeus", aber auch die vom "Volk" - denn allen war zwar klar, wie berechtigt und ungemein treffsicher der Vergleich ist. Jeder hat genau gesehen, wie der amtierende Innen-Zeus durch sein protziges Gehabe exakt das illustrierte, was er sich verbat. Zum Lachen war das! Aber trotzdem haben alle vor diesem albernen und inhaltsleeren Gedröhne gekuscht, als seien sie Schulkinder. Man will es sich eben nicht "mit der Macht" verderben.

Ich befürchte leider, daß das alles immer schlimmer werden wird, auch eingedenk des europäischen "Superstaates", der sich als totalität-bürokratische Krake abzuzeichnen beginnt, ganz im Sinne der "Brave New World". Ich sehe wenig Möglichkeiten, dagegen unmittelbar viel zu unternehmen. Und warum? Die Unterwürfigkeit ist zu lukrativ! Es müßten viel mehr Menschen entschlossen sein, kompromißlos dagegen anzutreten und den radikalen Primat der Sittlichkeit zu verteidigen. Leider wissen heute viele schon garnicht mehr, was mit diesem Begriff überhaupt gemeint ist. Die denken, sittlich sei das, was sie gut finden...

Die Kraft der Korruption, des "divide et impera" ist zu mächtig. Die Mehrheit läßt sich gerne kaufen und wendet sich mit Häme und Spott gegen die "Barbaren", die die 'Sinnerfüllung' durch die Banalität eines vulgären, primitiven Materialismus abweisen. Man kann zur Zeit wohl nichts anderes tun, als in die "Wildnis" zu ziehen und seinen Prinzipien treu zu bleiben. Und vielleicht dem Einen oder Anderen davon zu erzählen, daß es diese Wildnis tatsächlich gibt - "mitten unter uns": der Mensch ist und bleibt frei! Diese persönliche Möglichkeit steht jedem offen, auch unter komplizierten Bedingungen. Man könnte sogar sagen, daß sie sich gerade dann besonders bewährt... :-))

Wer davon berührt ist, der wandert vielleicht dahin aus. Oder auch nicht. Jeder ist, wie gesagt, ganz frei und muß selbst zusehen.

Herzliche Grüße
vom Nick

P.S.:
Ich bin übrigens ein ziemlich alter Hase und schreibe hier bestimmt nicht wegen eines jugendlichen "Mitteilungsdranges". Da irrst du dich... :-))
Ich setz einfach nur ein paar Zeichen. Warum nicht auch hier? Vielleicht nutzt es ja jemandem.


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