Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: 1 Jahr her - grotesk, absurd, pervers . . .

Max, Saturday, 26.02.2005, 17:43 (vor 7647 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: 1 Jahr her - grotesk, absurd, pervers . . . von Eugen Prinz am 26. Februar 2005 13:46:52:

Hallo Eugen,

Ich war nicht dabei und du wahrscheinlich auch nicht. Nach dem, was bekannt ist, fuhr Einer so vehement und dicht auf, dass Eine sich "zu Tod erschrak".

...nach dem, was bekannt ist, ereignete sich der Vorfall an einem Sonntagmorgen früh um halb sechs auf einer fast leeren und, wenn ich das richtig im Kopf habe, an der Stelle vierspurigen Autobahn (möglich: drei Spuren). Die Sicht war hervorragend, die Strasse trocken und warm. Von "vehement und dicht auffahren" kann nur insofern die Rede sein, als Rolf F. durch das regelwidrige Verhalten der jungen Frau zu einer Notbremsung gezwungen worden war, bei der er zwangsläufig "vehement und dicht auffahren" mußte.

Wenn das alles war, dann langt mir das.

...tja, war´s aber nicht.

Nicht diese Frau musste sich an solchen Verkehrsstil gewöhnen, sondern dieser Fahrer durfte so nicht auffahren. Das erlaubt noch nicht mal die StVO.

...die StVo erlaubt keine Notbremsungen? Und die Frau muß sich nicht daran gewöhnen, daß auf deutschen BAB keine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung gilt? Sagenhafter Standpunkt.

Der Mercedesfahrer kann Fangio, Kling, Moss und Caracciola in einer Person sein. Das konnte sie nicht wissen, und das brauchte sie auch nicht zu interessieren. Sie war nicht auf der Rennbahn.

...sie war auf der Autobahn und für die Benutzung derselben gibt es klare Regeln. Gegen die hat sie verstossen und nicht Rolf F.
Oder ist es neuerdings so, daß wir gerichtlicherseits dafür belangt werden können, daß wir nicht mit dem gesetzwidrigen, sondern mit dem gesetzeskonformen Verhalten der Anderen rechnen? Wozu dann überhaupt noch Verkehrsregeln? Eine Autobahn wird übrigens nicht dadurch schon zur Rennbahn, daß einer mit über 200 km/h darauf fährt. Ein Rennen hat sich Rolf F. mit niemandem geliefert.

Die Straße ist kein Internet-Forum. Sie ist ein Raum ständiger Gefahr.

...darüber hätte sich die junge Frau im Klaren sein können und sich dementsprechend verhalten müssen. Aufmerksamkeit hat auf der Strasse Priorität. Wer beim Fahren pennt, begibt sich in Gefahr. Ich wüßte nicht, wieso derjenige, der das tut, nicht selbst für die Konsequenzen seiner Schlafmützigkeit verantwortlich sein sollte.

Nach einer einfachen physikalischen Gesetzmäßigkeit steigt die Wahrscheinlichkeit für Zusammenstöße mit steigender Geschwindigkeit der Teilchen.

...da nun aber der Sinn einer Autobahn darin besteht, in möglichst kurzer Zeit von hier nach dort zu kommen, gibt es, wie oben schon gesagt, Vorschriften, die den Umgang mit der Geschwindigkeit, aus der die Gefahr resultiert, so regeln, daß sie minimiert wird. Wollten wir die Geschwindigkeit an sich zur Gefahr erklären, dann müßten wir alle parken. Das wäre das sicherste.

Das belegt die Statistik auch eindrucksvoll.

...die Statistik belegt eindrucksvoll, daß die deutschen Autobahnen, auch ohne generelles Tempolimit, die sichersten Fernstrassen der Welt sind - mit den wenigsten Unfällen pro zehntausend gefahrener Kilometer und Fahrer.

Die Straße muss(!) aber prinzipiell allen zu Verfügung stehen, auch den Langsameren, den Alten, den weniger Geschickten, denen die keine Rennfahrerasse sind.

...entschiedener Widerspruch! Gerade weil es um Geschwindigkeiten geht, die schon weit unter den tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten potentiell tödlich sind, kann es nicht angehen, daß die Strasse allen zur Verfügung steht. Es sind gerade die Alten und die Ungeschickten, die bspw. regelmässig zu Geisterfahrern werden und dabei schwerste Unfälle verursachen. Natürlich braucht es keine Rennfahrerasse, um am Strassenverkehr teilzunehmen. Seine fünf Sinne sollte man aber schon noch beisammen haben.

Es geht um Mobilität. Das ist nach Kommunikation eines der wichtigsten Güter. Es kann nicht in Frage kommen, dass dieses Gut "Testfahrern" vorbehalten bleibt, die ihre aggressiven Impulse nicht sublimieren können.

...wer redet denn von sowas? Eine hohe Geschwindigkeit bedeutet keinesfalls in jedem Fall Aggressivität. Die Geschwindigkeit ist völlig wertfrei.

Es gefällt mir auch nicht, wenn Eine vor mir rumtrödelt, dauernd links fährt, an der Ampel nicht in die Gänge kommt - da wird selbst der Buddhist schwer geprüft. Wenn es mir das wert wäre, könnte ich sie anzeigen, Trödeln ist schließlich auch nach der StVO verboten. Aber was solls. Meine Rächerin lebt schon und trödelt morgen vor ihr herum - am Lenkrad klebend, verrutschte Perrücke, mit ´ner Brille wie Colaflaschenböden...

...und gehört wegen potentieller Lebensgefahr genauso aus dem Verkehr gezogen, wie die Schnarchnase, die Dich momentan nervt.

Aber um all´das ging´s mir nicht. Mir ging es darum, daß ein Mann zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist dafür, daß er ohne sein eigenes Zutun Beteiligter an einer brandgefährlichen Situation geworden ist, die für die Verursacherin dieser Situation leider tödlich ausgegangen ist.
Ich wiederhole: Nicht er hat sich durch die hohe Geschwindigkeit, die er zweifellos fuhr, regelwidrig verhalten, sondern das spätere Unfallopfer dadurch, daß es sich ohne Not und regelwidrig in einer Fahrspur aufhielt, in der es in der Situation nichts zu suchen hatte. Hätte die junge Frau sich an die Verkehrsregeln gehalten - es wäre überhaupt nichts passiert. Sie war selbst schuld!
Ich muß mich doch sehr wundern (rhetorischer Kniff: In Wahrheit wundert es mich nicht), daß - warum nur in diesem Fall? - kaum jemand die Verurteilung des unschuldigen Rolf F. bemängelt. Er ist schließlich einzig und allein dafür verurteilt worden, daß nicht sein kann, was nicht sein darf: Nämlich, daß eine junge Frau zum Opfer ihrer eigenen Verantwortungslosigkeit geworden ist.

Gruß - Max


gesamter Thread:

 

powered by my little forum