Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das Guillotine-Prinzip

Maesi, Thursday, 14.10.2004, 23:00 (vor 7784 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Das Guillotine-Prinzip von Nick am 14. Oktober 2004 05:47:45:

Hallo Nick

"Vive la liberté!" Genau so haben die Jakobiner (gewissermaßen die 'Stalinisten' der französischen Revolution) die "Freiheit" seinerzeit schon gemeint. Und genau so hat sich das bis heute in den Vorstellungen jedweder "aufstrebender" Politiker (z.B. der GrünInnen) gehalten und wird immer wieder neu ausprobiert.

Die urspruenglichen Ideale 'Freiheit, Gleichheit, Bruederlichkeit' gerieten unter den Jakobinern ziemlich rasch in Vergessenheit, wobei Bruederlichkeit in der Franzoesischen Revolution ohnehin nie besondere Bedeutung hatte - gerade dieses Ideal haette aber die Massenmorde verhindert. Die Schreckensherrschaft des Konvents (bzw. des dort dominierenden Wohlfahrtsausschusses) ist ein geradezu klassisches Beispiel dafuer, wie schnell Idealisten (denn das war Robespierre bis zu seinem Ende auf der Guillotine) zu ueblen Diktatoren degenerieren koennen, wenn sie ihre Ideale ohne Ruecksicht auf Verluste durchsetzen wollen. Doktrinaerer Idealismus gepaart mit Masslosigkeit ist IMHO die schlimmstmoegliche Kombination.

Und immer wieder neu jubelt das Volk - wie gehabt - solange, bis es merkt, daß das wieder einmal den Kopf kostet. Wenn der dann abgeschnitten ist, muß natürlich erst ein neuer nachwachsen. Und der muß dann mit dem ganzen Lernen wieder von vorne beginnen. Also eigentlich ein ziemlich hoffnungsloses Scheißspiel, im Grunde, wenn man mit dem Metzger paktiert und dabei partout darauf besteht, immer alle Erfahrungen höchstpersönlich selber machen zu wollen. Vielleicht doch ein Grund, sich auf die Suche zu machen nach tieferliegenden, erprobteren Begründungen von 'Freiheit'?

Freiheit kann nie fuer sich allein existieren, Freiheit ist immer gekoppelt an Verantwortung. Wer frei ist, etwas zu tun oder zu unterlassen, ist auch verantwortlich fuer sein Tun oder Nichttun. Durch Entkoppelung von Freiheit und Verantwortung pervertiert Freiheit. Den grossen Geistern der Aufklaerung war dieser existentielle Zusammenhang stets bewusst. Und hier orte ich in der Tat ein grosses Manko in der heutigen Sozialisierung von Menschen, ihnen wird dieser Zusammenhang viel zuwenig vor Augen gefuehrt. Geniessen, ohne die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu tragen - eine sehr schaedliche Einstellung und eines wahrhaft emanzipierten Menschen unwuerdig.

Noch ein paar Worte zur Gleichheit: Menschen sind nicht gleich, weder im aeusseren Erscheinungsbild, in der Denkweise noch im Charakter. Die von der feministischen Gleichberechtigungsszene immer wieder geforderte 'Chancengleichheit' ist ein Ding der Unmoeglichkeit; deshalb sollte man mit diesem Begriff sehr sorgfaeltig und restriktiv umgehen. Chancengleichheit kann es bestenfalls im statistischen Sinne geben, d.h. dass innerhalb einer grossen Zahl von Menschen mit annaehernd gleichen Faehigkeiten und Voraussetzungen auch annaehernd Chancengleichheit herrschen sollte. Gleichstellungsfanatiker haben die prinzipielle Unmoeglichkeit von Chancengleichheit als individuelles Recht (insbesondere bei nichtgleichen Faehigkeiten und Voraussetzungen) bis heute nicht begriffen; festgestellte Ungleichheiten (z.B. unterschiedlich hohe Gehaelter, unterschiedliche Geschlechterverteilungen in Aemtern oder Toppositionen) werden generell als Makel empfunden und als Folge von Diskriminierung deklariert, ohne deren wirklichen Gruende rational ausreichend abzuklaeren. GM ist die Methode, mit der all diese Unterschiede zu beseitigen sind: mittels Ungleichbehandlung sollen alle im Sinne des Mainstreams gleichgeschaltet werden.

Terror kommt IMMER unter der schrillen Losung von Freiheit und Gleichheit daher.

Die Neigung zur Ausuebung von Terror ist etwas, das nach meiner Ueberzeugung in den weitaus meisten Menschen NICHT steckt. Die Mehrzahl der Menschen muss also mit moralisch hochstehenden und/oder emotional aufgeladenen Begriffen erst dazu gebracht werden, Terrorakte zu verueben oder wenigstens zu dulden. Freiheit und Gleichheit eignen sich (neben den Schlagworten 'Frieden' und 'Sicherheit') hervorragend dazu. Ist der Terror erst einmal installiert und hat den entsprechenden Gegenterror ausgeloest, gesellt sich auch 'Vergeltung' ins Schlagwortrepertoire.

Der Rest ist nur eine Frage der passenden Guillotine, öffentlich auf dem Marktplatz aufgestellt...

Panem et circenses! Bereits die alten Roemer erkannten sehr genau, was das Volk will. Das Leiden oder Ungeschick von (anderen) Menschen waren schon immer Renner in der Volksbelustigung.

Gruss

Maesi


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