Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Amendt ist schon gut

Maesi, Wednesday, 13.10.2004, 23:09 (vor 7785 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Amendt ist schon gut von Bruno am 13. Oktober 2004 11:55:57:

Hallo Bruno

Amendt ist schon gut. Schon allein, weil er als anerkannter Fachmann von den Antimännerpolitikerinnen nicht einfach ignoriert werden kann.

Ich wollte keinesfalls Prof. Amendts wissenschaftliche Arbeiten kritisieren, die ich fuer sehr wertvoll und wichtig halte.

Und auch Gender Mainstreaming (GM) finde ich ein sehr gutes Mittel für eine gerechte Geschlechterpolitik.

Hier werden wir uns wohl niemals treffen. Die Gruende, weshalb ich GM ablehne, habe ich ja bereits frueher hier im Forum dargelegt; wobei ich mich damals auf grundsaetzliche Einwaende konzentriert habe. In meinem Beitrag in diesem Fred wollte ich staerker auf die wahrscheinliche Entwicklung von GM eingehen.

Dass GM in Deutschland (und auch in der EU insgesamt) von allen Parteien, nicht nur von den Grünen (da allerdings besonders), nur als reines Frauenfördermittel missbraucht ist offensichtlich, aber da kann GM nichts dafür. Daran sind die Schuld, die es nur als solches missbrauchen (die Missbraucherin ist Schuld, nicht das Missbrauchte!).

GM ist ein politisches Instrument. Grundsaetzlich kann man jedes Instrument zum allgemeinen Nutzen oder auch zum allgemeinen Schaden anwenden - ein Messer beispielsweise kann ich gebrauchen, um damit etwas zurechtzuschneiden (z.B. ein Stueck Fleisch, das ich essen will) oder aber auch um jemanden damit zu toeten. Trotzdem gibt es Instrumente, denen der Missbrauch foermlich innewohnt; d.h. wenn sie zur Anwendung kommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie missbraucht werden und erheblichen Schaden verursachen. GM ist IMHO ein solches Instrument. Als eher liberal eingestellter Mensch und Demokrat kraeuseln sich mir die Nackenhaare, wenn staatlich bestellte (und nicht etwa vom Buerger gewaehlte) Leute derart stark in die Muendigkeit und Vertragsfreiheit von Buergern eingreifen koennen - und das aufgrund von Vorgaben, die nicht etwa von demokratisch gewaehlten Repraesentanten verabschiedet wurden sondern von irgendwelchen Experten im Rahmen von 'Gender-studies' erarbeitet wurden. GM ist ein Blankoscheck an die Buerokratie zur Machtausuebung.

Ich habe auf jeden Fall festgestellt, dass die Leute in Erklärungsnot kommen, wenn man bei ihrer Jungen- und Männerdiskriminierung auf GM hinweist.

Zweifellos stimmt das. Dieselben Leute kommen aber auch in Erklaerungsnot, wenn man Maennerfeindlichkeit und -diskriminierung auf der Basis von Menschenrechten oder wissenschaftlichen Erhebungen aufzeigt. Die Crux ist lediglich, dass das bislang nur wenige tun; vorbildlich war in dieser Beziehung Nicks Brief an Amnesty International im Rahmen von deren Kampagne ueber die Frau als Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt, bei der die maennlichen Menschen glatt vergessen wurden. Es ist eben nicht einzusehen, weshalb Beschneidungen nur bei Frauen ein Thema ist, obwohl doch auch massenhaft Maenner mit z.T. aeusserst ueblen Methoden beschnitten werden; Haeusliche Gewalt ist eben kein Problem, in dem Frauen die Opfer und Maenner die Taeter sind, da durch wissenschaftlichen Untersuchungen die geschlechterbezogene Paritaet bei Opfern und Taetern laengst belegt ist usw.

In der Theorie mag GM tatsaechlich dazu dienen, groessere 'Geschlechtergerechtigkeit' (was auch immer dieser Begriff bedeuten mag) herzustellen, in der Praxis wird dieser Ansatz IMHO schnell zur blossen Anspruchsbefriedigungs- und Wunscherfuellungsmaschine degenerieren; ueber Sinn oder Unsinn der vorgebrachten Ansprueche wird sich kaum mehr jemand den Kopf zerbrechen, da man sich ja nur noch auf das rein formalistische Konstrukt des GM sowie den gerade vorherrschenden geschlechtsspezifischen Mainstream zu beziehen braucht.

Gruss

Maesi


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