"Höllisches Patriarchat und himmlisches Matriarchat"
"Höllisches Patriarchat und himmlisches Matriarchat"
Konflikte von Männern mit ihrer Exfrau oder Expartnerin entstehen allerdings nicht nur aufgrund persönlicher Enttäuschungen. Nicht selten besteht der Wunsch, offen oder versteckt Rache am anderen zu üben und dazu auch die Kinder in die eiserne Klammer der Loyalitätsbekundung - für mich und gegen den anderen - zu pressen.[8] Jenseits der zerstörerischen Kampfdynamik zwischen Geschiedenen hat in der öffentlichen Beurteilung von Männern ein Weiteres herausragende Bedeutung angenommen: ein äußerst abschätziges und von bösartiger Häme verzerrtes Männerbild.[9] Wenn wir deshalb über die verzerrte Wahrnehmung von Scheidungsvätern reden, dann kann das nur vor dem Hintergrund der allgemeineren Vorstellungen über die Eigenarten im Arrangement der Geschlechter[10] geschehen. Denn daraus werden auch die nicht weniger abschätzigen Mythen über Scheidungsväter abgeleitet. So können wir die konfliktreichen Erfahrungen von Scheidungsvätern überhaupt nur verstehen, wenn wir sie in ihrer Verschränkung mit den generalisierten Bösartigkeitsmythen lesen.
Diese Mythen wurden vom so genannten Genderfeminismus, dem Nachfolger des "Equityfeminismus", jenseits des wissenschaftlichen Diskurses[11] im Schutzraum abgeschotteter Förderprogramme an Universitäten entwickelt. In den USA haben sie sich zu einer Art feministischen McCarthyismus - einer Generalisierung von Kritikwürdigem mit Mitteln der kollektiven Hysterisierung wie weiland beim Antikommunismus - verdichtet, der eine paranoid gestimmte Verfolgung von Männern an liberalen Universitäten ausgelöst hat.[12] Daraus ist der Mythos von der gewalttätigen Männlichkeit hervorgegangen,[13] dem eine simple Weltsicht zugrunde liegt. Es wird davon ausgegangen, dass das Geschlechterarrangement "prinzipiell, global und immer" einem einzigen Strickmuster folgt. Danach zerfallen komplexe Alltäglichkeiten, wie sie sich innerhalb von Kulturen, sozialen Schichten, Ethnien, Männern wie Frauen entwickelt haben, in einen simplen Gegensatz: Hier das Gute, dort das Böse - das Gute sind die Frauen, das Böse sind die Männer, hier Opfer und dort Täter; friedfertige Frauen, denen kriegslüsterne Männer gegenüberstehen, und Anhängerinnen des Wärmestroms, denen die kalte männliche instrumentelle Vernunft beim Versuch, eine bessere Welt zu schaffen, im Wege steht.[14] Eigentlich sind "alle Männer potenzielle Gewalttäter" und Frauen ihre potenziellen Opfer.[15] Letztlich verheißt das Matriarchat die himmlische und das Patriarchat die höllische Schicksalsmacht.[16]
Auf Geschiedene wird in analoger Weise geblickt: Danach sind "allein erziehende Mütter ... allein gelassen und verarmt, ihnen stehen unterhaltsverweigernde Männern gegenüber, die sich pflichtvergessen jungen Frauen zuwenden". Auch diese Sicht kommt über kindliche Vereinfachungen nicht hinaus: Unverständliches wird durch simple Zuordnungen verständlich gemacht. Letztlich wird die gespaltene Welt der Geschlechter nach dem anatomischen Geschlechtsunterschied erklärt. Es ist also weder die soziale Welt, noch die kulturelle oder psychische in ihrer Vielfalt, die das Geschlechterarrangement in ständiger Bewegung hält, sondern das, was einen Mann und was eine Frau anatomisch schon immer unterschied - ihr Genital, das "wozu sie nichts können".
In der Zwischenzeit zerbröckelt diese biologische Sicht von Geschlechteridentität. Allerdings thematisieren das nicht so sehr die Geisteswissenschaften, sondern Politikentwürfe für das zukünftige Europa. Mit der Politik des Gender Mainstreaming wird dem polarisierten Geschlechterverständnis ganz pragmatisch zu Leibe gerückt. Beide Welten, die der Frauen und der Männer, sollen gleichermaßen untersucht und mit Hilfe von Politik verändert werden. Das abwechslungsreiche Verhältnis beider zueinander soll wieder an die Stelle unversöhnlich phantasierter Polarität treten.
Das hat auch Konsequenzen für die Scheidungsforschung. Sie wird nicht mehr nur aus der Perspektive von Frauen und Kindern betrieben werden (können), welche die Erfahrungen von Männern übergeht. Vielmehr werden Wechselwirkungen zwischen Scheidungspartnern untersucht werden müssen. Statt dem einen die Schuld und dem anderen die Unschuld zuzuschreiben, wird zukünftig zu untersuchen sein, warum es zum Beispiel zwischen mütterlicher Umgangsvereitelung und unzuverlässiger väterlicher Unterhaltszahlungen eine konfliktverschärfende Wechselbeziehung gibt. Beides - vereitelter Umgang und verweigerte Unterhaltszahlung - wird dann als Zeichen für ungelöste Konflikte und fehlende gegenseitige Anerkennung[17] untersucht. Damit eröffnen sich Perspektiven für sinnvolle Sozialpolitik und Konfliktlösung....
von Gerhard Amendt / Aus Politik und Zeitgeschichte (B 19/2004)
Quelle: http://www.vaeter-aktuell.papaserver.de/Vaeterlichkeit_Scheidung_und_Geschlechterkampf.doc
gesamter Thread:
- "Höllisches Patriarchat und himmlisches Matriarchat" -
Sven,
12.10.2004, 11:46
- sehr gut und sehr wahr! (n/t) -
Arne Hoffmann,
12.10.2004, 12:15
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Eugen Prinz,
12.10.2004, 14:32
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Odin,
12.10.2004, 18:03
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Eugen Prinz,
12.10.2004, 21:22
- Re: sehr gut und sehr wahr ? - Odin, 12.10.2004, 22:34
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Eugen Prinz,
12.10.2004, 21:22
- Amendt ist schon gut -
Bruno,
13.10.2004, 14:55
- Re: Amendt ist schon gut - Eugen Prinz, 13.10.2004, 15:16
- Re: Amendt ist schon gut -
Max,
13.10.2004, 18:09
- Re: Und nochwas! -
Max,
13.10.2004, 18:26
- Re: Und nochwas! -
Eugen Prinz,
13.10.2004, 19:04
- Re: Und nochwas! -
Max,
13.10.2004, 23:55
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Max,
14.10.2004, 01:11
- Re: Und nochwas! - Klarstellung - Jolanda, 14.10.2004, 01:27
- Re: Und nochwas! - Klarstellung - Paul, 14.10.2004, 13:18
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Jolanda,
14.10.2004, 16:02
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Monika,
14.10.2004, 16:54
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Odin,
14.10.2004, 19:37
- Re: Und nochwas! - Klarstellung - Monika, 14.10.2004, 20:11
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Odin,
14.10.2004, 19:37
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Peter,
14.10.2004, 17:18
- Re: Und nochwas! - Klarstellung - Jolanda, 14.10.2004, 19:15
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Odin,
14.10.2004, 19:34
- Re: Und nochwas! - Klarstellung - Jolanda, 14.10.2004, 19:48
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Monika,
14.10.2004, 16:54
- Re: Und nochwas! -
Eugen Prinz,
14.10.2004, 02:34
- Re: Und nochwas! -
Max,
15.10.2004, 00:13
- Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Eugen Prinz,
15.10.2004, 14:55
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Jolanda,
15.10.2004, 17:52
- Re: @ Jolanda! -
Monika,
15.10.2004, 18:29
- Re: @ Jolanda! - Jolanda, 16.10.2004, 04:28
- Magenkrämpfe nach einem "Teller Essensreste"... -
Nick,
16.10.2004, 06:11
- Re: Magenkrämpfe nach einem "Teller Essensreste"... - Jolanda, 16.10.2004, 20:53
- Re: @ Jolanda! -
Monika,
15.10.2004, 18:29
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Max,
17.10.2004, 01:05
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Eugen Prinz,
17.10.2004, 16:09
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Monika,
17.10.2004, 17:51
- Subthread gesperrt! - Andreas, 18.10.2004, 04:22
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Monika,
17.10.2004, 17:51
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Eugen Prinz,
17.10.2004, 16:09
- Re: Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Jolanda,
15.10.2004, 17:52
- Ratgeber Herzensfragen. Folge 1: Wie rette ich die Liebe? -
Eugen Prinz,
15.10.2004, 14:55
- Re: Und nochwas! -
Max,
15.10.2004, 00:13
- Re: Und nochwas! - Klarstellung -
Max,
14.10.2004, 01:11
- Re: Und nochwas! -
Max,
13.10.2004, 23:55
- Re: Und nochwas! -
Eugen Prinz,
13.10.2004, 19:04
- Re: Und nochwas! -
Max,
13.10.2004, 18:26
- Re: Amendt ist schon gut -
Maesi,
13.10.2004, 23:09
- Re: Amendt ist schon gut -
Max,
14.10.2004, 00:09
- Re: Amendt ist schon gut -
Maesi,
14.10.2004, 02:40
- Re: Wer zweimal rennt... -
Eugen Prinz,
14.10.2004, 10:40
- Re: Wer zweimal rennt... -
Jolanda,
14.10.2004, 14:31
- Re: Wer zweimal rennt... -
Maesi,
14.10.2004, 23:04
- Re: Wer zweimal rennt... - Jolanda, 15.10.2004, 04:19
- Re: Wer zweimal rennt... -
Maesi,
14.10.2004, 23:04
- Re: Wer zweimal rennt... - Maesi, 14.10.2004, 23:03
- Re: Wer zweimal rennt... -
Jolanda,
14.10.2004, 14:31
- Re: Wer zweimal rennt... -
Eugen Prinz,
14.10.2004, 10:40
- Nicht verstanden? -
michail,
15.10.2004, 10:05
- Re: Nicht verstanden? -
Nick,
15.10.2004, 13:17
- Re: Nicht verstanden? - michail, 15.10.2004, 21:46
- Re: Nicht verstanden? -
Max,
17.10.2004, 00:45
- Re: Nicht verstanden? - michail, 17.10.2004, 09:28
- Re: Nicht verstanden? -
Nick,
15.10.2004, 13:17
- Re: Amendt ist schon gut -
Maesi,
14.10.2004, 02:40
- Re: Amendt ist schon gut -
Max,
14.10.2004, 00:09
- Das Atem-Ministerium -
Nick,
14.10.2004, 00:56
- Re: Das Atem-Ministerium - Jolanda, 14.10.2004, 02:08
- Re: Das Atem-Ministerium - Maesi, 14.10.2004, 02:44
- Re: Das Fuß-Ministerium -
Guildo,
14.10.2004, 02:47
- Das Guillotine-Prinzip -
Nick,
14.10.2004, 08:47
- Re: Das Guillotine-Prinzip -
Maesi,
14.10.2004, 23:00
- Re: Das Guillotine-Prinzip/Bravo Nick, bravo Maesi! - Max, 14.10.2004, 23:53
- Re: Das Guillotine-Prinzip - Nick, 15.10.2004, 13:58
- Re: Das Guillotine-Prinzip -
Maesi,
14.10.2004, 23:00
- Das Guillotine-Prinzip -
Nick,
14.10.2004, 08:47
- Re: Das Atem-Ministerium -
Odin,
14.10.2004, 19:25
- Re: Das Atem-Ministerium - Nick, 15.10.2004, 01:56
- Re: Das Atem-Ministerium - Rüdiger, 15.10.2004, 02:09
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Odin,
12.10.2004, 18:03
- Re: sehr gut und sehr wahr ? -
Eugen Prinz,
12.10.2004, 14:32
- Re: "Höllisches Patriarchat und himmlisches Matriarchat" -
Maesi,
12.10.2004, 22:14
- Uneingeschränkte Zustimmung - Nick, 13.10.2004, 02:01
- sehr gut und sehr wahr! (n/t) -
Arne Hoffmann,
12.10.2004, 12:15