Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: sehr gut und sehr wahr ?

Eugen Prinz, Tuesday, 12.10.2004, 14:32 (vor 7786 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: sehr gut und sehr wahr! (n/t) von Arne Hoffmann am 12. Oktober 2004 09:15:18:

die eiserne Klammer der Loyalitätsbekundung ... zerstörerischen Kampfdynamik zwischen Geschiedenen ... die Eigenarten im Arrangement der Geschlechter ... in ihrer Verschränkung mit den generalisierten Bösartigkeitsmythen lesen ... im Schutzraum abgeschotteter Förderprogramme an Universitäten...

Na, ich bin nicht ganz so begeistert. Wahr ist es vielleicht, was Amendt schreibt. Aber sehr gut finde ich es nicht. Formal gesehen sollte er weniger "Literatur" produzieren. Das würde seine Elaborate leichter lesbar machen, und sie würden auch außerhalb des "Schutzraumes abgeschotteter Förderprogramme an Universitäten" Gehör und Wirkung finden.

In der Zwischenzeit zerbröckelt diese biologische Sicht von Geschlechteridentität. Allerdings thematisieren das nicht so sehr die Geisteswissenschaften, sondern Politikentwürfe für das zukünftige Europa. Mit der Politik des Gender Mainstreaming wird dem polarisierten Geschlechterverständnis ganz pragmatisch zu Leibe gerückt. Beide Welten, die der Frauen und der Männer, sollen gleichermaßen untersucht und mit Hilfe von Politik verändert werden. Das abwechslungsreiche Verhältnis beider zueinander soll wieder an die Stelle unversöhnlich phantasierter Polarität treten.

...und das ist schon fast zynisch.

Erst haben PolitikerInnen maßgeblich durch männerfeindliche Gesetze dazu beigetragen, dass die Karre so im Dreck steckt. Und nun dienen sie uns ein tolles Instrument an, "mit der Politik des Gender Mainstreaming dem polarisierten Geschlechterverständnis ganz pragmatisch zu Leibe zu rücken." Da kann ich nur lachen. Damit wollen sie noch nicht einmal die Fehler beseitigen, die sie in der Vergangenheit gemacht haben. Sie wollen sie zementieren. Man muss schon sehr naiv sein, um noch Vertrauen in die Politikentwürfe zu haben. Das kommt schließlich drauf an, von welchen Lobbyisten sie stammen, und bislang ist gender-mainstreaming ein reines Frauenförderprogramm.

Auf gender-mainstreaming könnte ich glatt verzichten. Es würde mir reichen, wenn die PolitikerInnen sich mehr um Gerechtigkeit bemühen würden. Was hat z.B. ein Vater von gender-mainstreaming, der seine Tochter seit Jahren nicht mehr gesehen hat, weil seine Ex-Frau ihm den Umgang verwehrt?

Eugen


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