Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: TOLERANZ - was ist das eigentlich?

Rüdiger, Thursday, 28.10.2004, 21:38 (vor 7770 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Re: TOLERANZ - was ist das eigentlich? von Nick am 28. Oktober 2004 06:36:46:

"Anfangs forderte das Christentum religiöse Toleranz von den "Heiden", kaum aber war die christliche Religion im Römischen Reich Staatsreligion geworden, wollte man von Toleranz nichts mehr wissen, und die Verfolgung der Nichtchristen begann ...."
Die Christen forderten v.a. erst mal, daß sie nicht mehr zur allgemeinen Belustigung in Arenen gepfählt und den Löwen vorgeworfen werden. Wenn man das schon Toleranz nennen will, daß das bitte unterbleibt, naja... Sie selbst haben diese grausamen Veranstaltungen in Rom aber beendet und eben nicht auf ihre Gegner angewandt. Daß auch ein christlich gewordenes Imperium aber selbstverständlich Realpolitik betrieben hat und betreiben mußte, ist für mich eine so offenkundige Selbstverständlichkeit,

Ah so, Realpolitik nennt man das, wenn man nichtchristliche Heiligtümer schleift, die Athener Akademie schließt, die olympischen Spiele beendet, Juden und andere Nichtchristen durch immer diskriminierendere Vorschriften ins gesellschaftliche und finanzielle Abseits drängt? Und das alles ohne Not, NICHTS zwang die Christen dazu - außer der allen drei "Hochreligionen" offenbar anhaftende Fimmel, die alleinseligmachende Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Da steckt schon der Kern zur Intoleranz drin; Andersgläubige werden dann zunächst als verstockt, später direkt als bösartig (=bekämpfenswürdig) angesehen. Es ist schon erschreckend, wenn man mal in die griechischen und lateinischen Kirchenväter hineinliest. Da wird der andersdenkende Christ nicht etwa als irrender Bruder in Christo behandelt, sondern dermaßen beschimpft, als sei er die Ausgeburt der Hölle. Da hört man in der Ferne schon die Scheiterhaufen des Mittelalters knistern ...

Ach ja, zum Vergleich: Schwuler Lehrer - Nonne als Lehrerin: Schwulsein ist keine Religion und keine politische Überzeugung, wird auch nicht durch bestimmte Kleidungsstücke kundgetan (na ja, käme der Herr Lehrer als Transvestit aufgedreßt zum Unterricht, gäb's vielleicht schon Ärger ...). Eine politische Überzeugung dürfen Lehrer haben, aber nicht mit Partei-Ansteckknopf zum Unterricht kommen. Eine Nonne dürfte wohl unterrichten, aber nur wenn sie ihre religiöse Kleidung zum Unterricht gegen normale vertauscht, das "Religionssymbol" also vorübergehend ablegt. Was daran auszusetzen?

Gruß, Rüdiger


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