Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Es geht also gar nicht um Fakten?

Jolanda, Saturday, 23.10.2004, 07:17 (vor 7776 Tagen) @ Guildo

Als Antwort auf: Re: Es geht also gar nicht um Fakten? von Guildo am 22. Oktober 2004 18:35:22:

Lieber Guildo

Nun ja, hier verschlägt es mir aber auch die Sprache. Nur hier könnte ich dann wieder nicht auf meinen Mund sitzen, das ist manchmal schlimm mit mir.

Ich hatte kürzlich ein Erlebnis im Zug, als ich von Deutschland in die Schweiz fuhr. Der Zug hatte 40 Minuten Verspätung, wegen Personenschaden, klingt so nüchtern, ein Mensch hatte sich unter den Zug geworfen oder es war ein Arbeitsunfall.

Aufjedenfall, es war ein ICE der nach Interlaken fuhr, über Freiburg und Basel. Da wir 40 Minuten Verspätung hatten, wusste natürlich niemand, ob er noch seinen Anschlusszug in der Schweiz erreichen wird.

Und da sass ein Deutscher Geschäftsherr, der wollte nach Bellinzona in der italienischen Schweiz. Er hatte während der Fahrt mit seiner Frau telefoniert und geflucht, weil er nun nicht wisse, wann er in Bellinzona ankomme und den Termin bestimmt nicht mehr einhalten könne.

Aufjedenfall in Basel stieg eine Zugschaffnerin ein. Sie war mollig, hatte die Fingernägel schwarz angemalt, und steckte in ihrer Uniform. Der Herr aus Deutschland fragte sie dann freundlich, ob er den Zug in Olten um 15.30 Uhr noch erreichen würde, sie fauchte ihn regelrecht an und meinte: " es ist ja schon bald 15.30 Uhr sicher erreichen sie den nicht mehr." Dann fragte er sie, wie er denn nach Bellinzona komme, ob er nun nach Interlaken fahren müsse und dort dann umsteigen und nach Bellinzone fahren. Da hat die Schaffnerin die Augenbrauen hochgezogen und in einem ganz schnippischen und hochnäsigen Ton gesagt:" Sicher nicht, über den Brünig, das ist ja ein Riesenumweg, also echt". Und dann hat sie sich abgewandt und ist zu mir gekommen.

Ich habe dann zu ihr gesagt:" Ich möchte Ihnen einfach sagen, dass sie eine ganz inkompetente und unfreundliche Person sind. Wissen Sie, in Deutschland ist das Bahnverkehrsnetz um einiges grösser als in der Schweiz und bei ganz wichtigen Verbindungen, da wartet der Zug eben auch mal länger wegen dem Anschluss. Das war keine dumme Frage von dem Herrn gerade eben, nur dass sie das wissen, hier hat ihre Inkompetenz zugeschlagen. Und wie können sie einem Ausländer so kommen, der Mann kann doch nicht wissen, dass der Weg nach Interlaken über den Brünig führt oder kennen Sie sich in Deutschland so gut aus, wohl nicht, sie wissen ja nicht mal betreffend den Gegebenheiten bei der Bahn bescheid.

Sie wollte mich dann zuerst anfauchen, ich habe ihr dann aber gesagt: Dass es ihr überhaupt nicht zustehen würde hier die Fahrgäste anzugehen oder zu belehren, sie hätte hier ein Dienstleistung zu erbringen und sie soll ihren "Arsch" nun aus dem Abteil schwingen und abzischen.

Ob ihr es glaubt oder nicht, sie hat es getan ;-)

Ich bin dann zum dem Geschäftsherrn gegangen, habe mich für das Benehmen dieser arroganten Pute entschuldigt und ihm gesagt, wie er nach Bellinzone kommt. Er hat gelächelt und gemeint, nun ja, er habe auch gemerkt, dass die wohl nicht gerade ihren besten Tag habe und sich für die Hilfe bedankt.

Manchmal muss man einfach etwas sagen, egal was geschieht. Und bei dieser Unterhaltung hätte ich mich wohl nur schwer zurückhalten können. Mein Mann sagt oft zu mir, ich komme nur an den Elternabend, wenn du nichts sagst...grinst...nun ja, aber Eltern können echt nerven...alle haben das sensibelste Kind und die darf man nicht mal aus Versehen anhusten, schon wird der Lehre getadelt, da kann ich mich auch nie zurückhalten...schlimm mit mir...aber das ist mein italienisches Temperament.

Aber ich finde wirklich...manchmal muss man einfach etwas sagen, gerade bei solchen Unterhaltungen ....und gerade als Frau.

So und nun genug...heute habe ich ja für ein halbes Jahr geschrieben...zuviel Jolanda möchte ich euch allen dann doch nicht zumuten...grinst.

Ein schönes Wochenende.

Herzlicher Gruss
Jolanda


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