Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Globalisierung unvermeidlich?

Paul, Wednesday, 22.09.2004, 23:12 (vor 7806 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Globalisierung unvermeidlich? von Rüdiger am 22. September 2004 18:55:32:

Hi Rüdiger,

Du hast natürlich recht, es gab bisher auch immer wieder politische Bemühungen, die den Prozess der "Globalisierung" (bzw. hier im speziellen den Freihandel) zu erleichtern. Das ganze passierte sicherlich zu einem gewissen Teil aus (fehlgeleitetem) Idealismus, weil man tatsächlich dachte, damit etwas Gutes zu tun. Daß es sich bei der zugrundliegendem Denke, der neoklassischen Ökonomie, um ein _in sich geschlossenes Wahnsystem_ handelt, welches mit der Realität so gut wie nichts zu tun hat - was soll man dazu sagen, es ist nicht das erste Mal, das sich Ideologien erst viel zu spät als Fahrkarte in die Katastrophe herausstellen.

Allerdings sollte man auch nicht vergessen, daß hinter vielen dieser vordergründig politischen Entscheidungen nichts anderes als Druck durch mächtige Lobbies steht. Und diese Lobbies vertreten zwar nicht nur Einzelunternehmen, sie kriegen aber nur solange Unterstützung, solange jedes einzelne Unternehmen _für sich_ Vorteile aus der Lobbyarbeit ziehen zu können glaubt. Und in diesem Moment greift eben das spieltheoretische Dilemma wieder, daß man aus Eigennutz eine Politik forciert, die letztendlich für alle langfristig fatal ist. In deinem letzten Absatz zeigst Du ja sehr deutlich, daß in dieser Zwickmühle eben nicht nur große Unternehmer, sondern eigentlich jeder drin steckt, der eine wirtschaftliche Entscheidung treffen muss - sogar jeder einzelne Konsument. Niemand würde klaren Verstandes aber deswegen z.B. auf die Idee kommen, daß es eine "Verschwörung von Konsumenten" gibt, nur noch billige Importware zu kaufen und damit den Binnenmarkt zu schwächen.

Die Feindbilder, egal wie diese geartet sind, verstellen letztendlich nur den Blick auf wirklich funktionierende Lösungen, weil sie das Problem immer bei in einem bestimmten Teilnehmer des Wirtschaftssystems vermuten. Das ist aber m.E. nicht der Fall - der Problem liegt IM System selbst, bzw. in den Wechselwirkungen zwischen allen Teilnehmern. Die Politik, die Gewerkschaften, die Unternehmerverbände - die können sich noch Ewigkeiten gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, ohne dass dies _irgendetwas_ ändert. Und selbst wenn sich die alle zusammensetzen würden, bringt dies auch nur was, wenn diese Kooperation international erfolgt - was leider wohl erst einmal eine Wunschvorstellung bleiben wird. Vielleicht muß es tatsächlich erst zu einer wirklich großen Krise kommen, bevor man aufwacht.

Gruss,
Paul


gesamter Thread:

 

powered by my little forum