Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale

Magnus, Tuesday, 21.09.2004, 17:18 (vor 7808 Tagen) @ Guildo

Als Antwort auf: Re: Die Verlierer der Gesellschaft wählten Radikale von Guildo am 21. September 2004 13:06:37:

Hi!

In der Tat: die wesentlichen Thesen der Globalisierung entsprechen der Nr. 3 und der Nr. 4. Im Jahr 2003 gab es ca. 7000 Firmenabwanderungen nach China - nur um das mal zu verdeutlichen. Allein das Kapital, welches letzten Endes immer noch hier erwirtschaftet wird, aber dann ins Ausland abfließt, erzeugt zwangsweise in Krise im eigenen Land.

Allerdings ist dieser Asien Markt auch nicht gesichert. Da die meisten Produktionen in China für den westlichen Markt bestimmt sind, kann hier auf längere Sicht ein Teufelskreis entstehen, weil durch den Abzug der Unternehmen der eigentliche Absatzmarkt zunehmend zunichte gemacht wird. Wer durch Investitionen viel Geld ins Ausland bringt - das Geld von dort aber nicht wieder hierher zurückkommt, verringert die Kaufkraft im Heimatland. Das Geld wird ja schließlich nicht mehr, sondern es wird nur verteilt. Da in China die Menschen 6-7 Tage die Woche mit 10-12 h am Tag arbeiten, 2 Wochen Ferien im Jahr haben, es keine gesetzlichen Krankenversicherungen und auch kein Kündigungsschutz gibt, gibt es nur zwei Möglichkeiten der Firmenabwanderung entgegenzuwirken:
1. Kürzungen des Sozialstaates und Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen -> Verminderung des Lebensstandartes, verminderung der Kaufkraft und entwertung des Absatzmarktes, was wieder eine erneute Abwanderung begünstigt.
2. Verhinderungen der Abwanderung durch Einfuhrzölle, Importbeschränkungen und ähnlichem. Die USA haben z.B. - um IHRE Texttielindustrie zu sichern und im Land zu behalten - eine starke Importbeschränkung für Kleidung aus China eingeführt.

Solange man den Investionsfluss ins Ausland nicht unterbinden kann, wird es weiterhin eine enorme Verschlechterung der einheimischen Wirtschaft geben. Da jetzt Polen zur EU gehört, wird hier vermutlich ähnliches passieren.

Die Tatsache, dass derzeit soviele junge Männer arbeitslos werden liegt daran, dass die Produktionen vorzugsweise nach China oder ins Ausland abwandern und Männer meißt in den Produktionen gearbeitet haben.

Trotzdem: Probleme in China existieren mit Erdölknappheit, Armut der Bauern, dem System, Nahrungsmittelunterproduktion etc., so dass die nächste Krise in Asien vermutlich bevorsteht.

Liest man hingegen Thesen 10 und 11 könnte man meinen, das sind die Positinen der PDS.

Dass die Union nun auch noch von der Position gegen den Türkei-Eintritt abrückt, ist der größte Fehler und führte vermutlich auch zur Protestwahl der NPD.

Warum allerdings die PDS so stark war, wo doch die Brandenburgische Kandidaten sich für eine eventuelle Kriegsreperationsausgleich für Polen aussprach, um auch den Lebensstandard der Polen zu erhöhen, bleibt für mich ein Rätsel. Ist es doch viel wichtiger, erstmal die Probleme im eigenen Land zu lösen - deswegen wäre der Türkeibeitritt ein riesen, wirtschaftlicher Fehler - wie es schon ein wirtschaftlicher Fehler war, Polen u.a. JETZT schon beitreten zu lassen.

SO wird Deutschland jedenfalls nicht seine Probleme lösen können. Was fehlt, ist gesunder Egoismus - und das wird die Menschen weiter in die radikalen Parteien treiben, wenn sie sich von den großen Volksparteien, die offenbar wenig in der Lage sind die volkseigenen Interessen zu vertreten, nicht mehr angesprochen fühlen. Man muss auch ein bißchen Verständnis für die Umstände derer haben, die Angst um ihre Zukunft haben. Politiker haben diese Angst um ihr Gehalt und ihrere gesicherte Rente offenbar nicht, deswegen sind sie auch so eine schlechte Vertretung - wie können sei die Sorgen des Volkes verstehen, wenn sie diese persönlich gar nicht haben müssen?

Magnus

"12 Thesen zum Globalismus
These 1: Globalismus ist der Versuch, Staaten zu entmachten
Globalismus ist das Bestreben, staatliche Souveränität durch Zerstörung staatlicher Steuerungsmechanismen zu zerstören. Maßgebliche Entscheidungen, die Ausdruck staatlicher Souveränität sind, können nicht mehr getroffen werden, da sie die Wirtschaft eines globalisierten Staates nachhaltig schädigen würden. Globalisierung ist der Prozeß, dessen sich die Globalisten zur Durchsetzung ihrer Ziele bedienen.
These 2: Globalismus ist kein Verteilungskonflikt zwischen Nord und Süd
Die Auswirkungen des Globalismus sind nicht lokal beschränkbar, sie sind global. Lediglich die Fortschritte, die die mit dem Globalismus verbundenen Entdemokratisierungs-, Naturzerstörungs-, Entrechtungs- und Verelendungstendenzen in einzelnen Regionen der Erde gemacht haben, sind gegenwärtig noch unterschiedlich. Auf der Südhalbkugel lassen sich die Auswirkungen des Globalismus, die auch die Nordhalbkugel treffen werden, besonders deutlich beobachten.
These 3: Globalisierung schafft Arbeitslosigkeit
Ziel eines Staates ist es, Vollbeschäftigung zu schaffen. Ziel eines Unternehmens ist es, möglichst große Profite zu erwirtschaften. Globalisierung drängt den Einfluß des Staates zunehmend zurück. An seine Stelle treten die Interessen der Kapitalisten. Diese haben Interesse an einem lokalen Überangebot an Arbeitskräften, da dies die Lohnkosten senkt und sie so auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig bleiben und ihre Profite maximieren. Aus diesem Grunde werden weltweit Migrationswellen in Gang gesetzt.
These 4: Globalisierung bedingt Sozialabbau
Durch den grenzenlosen Wettbewerb steigt der Druck auf die Staaten, ihr Sozialsystem zu beseitigen, um so global "wettbewerbsfähiger" zu sein. Infrastrukturelle Vorteile können diesen Druck mildern, aber nicht beseitigen. Die Entwicklungen in der BRD auf diesem Sektor sind auch eine Folge der Globalisierungspolitik der herrschenden Parteien. Statt eines Wachstums des sozialen Wohlstandes schafft diese Politik Massenarmut.
These 5: Globalisierung zerstört die Natur
Der "Kostendruck", den die Globalisierung in allen Bereichen verursacht, wirkt sich auch bei Maßnahmen der Erhaltung der menschlichen Lebensumwelt aus. Wieder stehen sich staatliches Interesse, die Bewahrung der Natur und Volksgesundheit durch Naturschutzmaßnahmen, und wirtschaftliches Interesse, Erlangung von "Wettbewerbsvorteilen" durch Einsparen von Naturschutzmaßnahmen, diametral gegenüber.
These 6: Globalisierung zerstört die menschliche Kultur
Die von den Globalisten hervorgerufenen Migrationsströme führen ebenso wie die Uniformität der Märkte, ihrer Produkte und ihrer Kommunikation, zur Zerstörung gewachsener Sprachen und Kulturen. Brauchtum, Traditionen und Werte werden vom Uniformitätsdruck des globalen "Marktes" überrollt. Die Vielfalt menschlichen Daseins wird vernichtet.
These 7: Keine Globalisierung ohne Lohndumping
Volkswirtschaften, die im schrankenlosen Wettbewerb mit Staaten stehen, deren Bevölkerung durch Kapitalisten brutal ausgebeutet werden, verspüren einen enormen Druck, das eigene Lohnniveau zu senken. Der lange anhaltende Stillstand in der Reallohnentwicklung in der BRD hat auch hierin seine Ursache.
These 8: Globalisierung ist undemokratisch
Die Staatsgewalt muß Ausdruck des Volkswillens sein. Globalisierung verdrängt Staatsgewalt durch Marktgewalt und Kapitalistenherrschaft. Aus Demokratie wird Oligarchie, aus Mitbestimmung wird medial diktierte Fremdbestimmung.
These 9: Globalisierung schafft gesellschaftliche Entsolidarisierung
Globalisierung ist ohne äußere militärische Gewaltanwendung undurchführbar. Sozialabbau, Lohndumping, Steuererhöhungen, Kapitalflucht und Migarationswellen können gegen einen geschlossenen Volkswillen nicht durchgesetzt werden. Globalisierung benötigt daher die totale Atomisierung der Gesellschaft, den schrankenlosen Individualismus.
These 10: Globalismus ist Imperialismus
Während die klassischen Formen des Fremdherrschaftsstrebens sich militärischer Machtmittel bedienten, um den Unterworfenen ihren Willen aufzuzwingen, bedienen sich die Globalisten der modernsten Methoden psychologischer Kriegführung. Die Kontrolle der Wirtschaft verleiht ihnen auch Herrschaft über die Kommunikationskanäle. Tributleistungen werden als Standortstärkung vermarktet.
These 11: Hauptträger des Imperialismus sind die USA
In letzter Konsequenz können auch Globalisierer nicht auf eine militärische Untermauerung ihrer Herrschaftsansprüche verzichten. Sie sind stets bestrebt, Staaten, die eine "Bedrohung" der Interessen der Globalisierer darstellen könnten, als "Schurkenstaaten" zu diffamieren und zu unterwerfen. Eine reale Bedrohung stellen nach Auffassung der Globalisierer Staaten dar, die dem Spekulationskapital Hindernisse in den Weg legen, die Kapitalbesitzer an Lohndumping, Sozialabbau und Naturzerstörung zu hindern versuchen, die sich gegen die Verschiebung von Arbeitskräften wehren, die sich gegen eine Ausbeutung ihrer Rohstoffreserven zur Wehr setzen und die flankierende Maßnahmen zur Durchsetzung dieser Politik behindern. Hauptträger des militärischen Globalisierungsimperialismus sind die USA und die ihr hörige NATO, auf wirtschaftlicher Ebene hat in Europa die EU diese Rolle inne.
These 12: Es gibt keine gerechte Globalisierung
Aus den oben genannten Gründen kann es keine "gerechte Globalisierung" geben. Globalisierung ist immer ungerecht, da sie die Interessen weniger Kapitalbesitzer über die Interessen gewachsener Völker stellt."
Jede These beschreibt genau das, was wir momentan in Deutschland erleben. Ich bin sicher, hätte eine der großen Volksparteien diese Thesen in ihr Parteiprogramm aufgenommen, es gebe keine Arbeitslosigkeit und Armut und die NPD wär wieder der "Dritte-Reich-Nostalgie-Verein" mit einigen hundert Wählern.
Ich will hier weder Wahlkampf für die NPD machen, noch habe ich diese Partei gewählt. Aber ich bin seit drei Monaten arbeitslos, mit viel Glück kann ich vielleicht einen Job zur Hälfte meines vorherigen Lohnes ergattern. Wenn sich in einem Jahr nichts ändert, wer weiß? Vielleicht werde ich dann auch primitiv!
Gruß von Guildo


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