Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Halt!

Bruno, Thursday, 22.04.2004, 15:27 (vor 7960 Tagen) @ Jörg Rupp

Als Antwort auf: Re: Halt! von Jörg Rupp am 21. April 2004 22:24:27:

Hallo Jörg (Rupp)

danke für deine Antwort. Ich möchte betonen, dass man natürlich sehr wohl in einer Partei tätig werden und sich dafür engagieren kann, wenn man ihre Linie nicht mitträg, also in dem Sinne, das man sie zu verbessern versucht. Hier meine Rückantwort:

1. Wehrpflicht:


...Man soll Parteien nicht an ihrem Gerede sondern nach ihren Taten messen. Die Aussage von Frau Beer, dass die Grünen gegen Wehrpflicht wären ist Gerede. Dass die Grünen sich gegen die Abschaffung ja sogar gegen die Aussetzung der Wehrpflicht ausgesprochen haben ist Fakt. Hier noch mal die Fakten:

„Berlin: Mi, 24.03.2004 Redaktionsschluss: 17:00 Uhr (080)
Verteidigungsausschuss
MEHRHEIT LEHNT AUSSETZUNG DER WEHRPFLICHT AB
Berlin: (hib/BOB) Einen Antrag (15/1357), in dem die FDP verlangte, die Bundesregierung solle "unverzüglich" den
Beschluss fassen, die Wehrpflicht auszusetzen, hat der Verteidigungsausschuss am Mittwoch mit den Stimmen von SPD, CDU/CSU und Bündnis 90/Die Grünen abgelehnt.“

...Dass man die Wehrpflicht nicht so einfach abschaffen kann ist mir klar. Die Grünen sind je auch jetzt nur mal 6 Jahre an der Regierung. Da gab es natürlich Wichtigeres zu tun, z.B. männerdiskriminierende Wahlplakate zu entwerfen.

2. Quotenregelung für Frauen

Ich weiß, die grünen Politikerinnen lassen sich natürlich nicht aus Eigennutz sondern rein aus selbstlosen Gründen der Befreiung der Frau auf hohe Posten hochquoten und dieses große Opfer ist diesen auch sehr hoch anzurechnen. Trotzdem: Ich halte die Diskriminierung männlicher Mitbürger für ein genau so großes Menschenrechtsverbrechen wie die Diskriminierung weiblicher Mitbürger.
Außerdem: Der Familienausschuss besteht zu zwei Dritteln aus Frauen.

Kann ich nix zu sagen, außer dass es meine ganz eigene Vorstellung ist, die Familienpolitik aus der Frauenpolitik zu lösen.

...Eben. Schade, dass das deine Partei nicht so sieht. Außerdem zeigt es, denke ich, deutlich, wenn die Grünen trotzdem entgegen dem Bundesgremienbesetzungsgesetz nur Frauen in diesen Ausschuss entsenden, dass deine Vermutung, Frauen würden nur hochgequotet, weil sie unterbesetzt sind, schlicht weg falsch ist.

Es gab/gibt eine Diskriminierung in Hinblick auf Kinder(kriegen), Kinderbetreuung, Berufsjahre, etc.pp.

...ich unterstütze jede Form von Förderung, die sich auf den Ausgleich von Nachteilen im Berufsleben durch Kindererziehung bezieht. Aber diese Förderung sollte für erziehende Männer in gleichen Maße gelten. Und sie darf nicht für Frauen gelten, die sich für einen kinderlosen Lebensweg entschieden haben. Aber genau das tut z.B. das Landesgleichberechtigungsgesetz. Sie fördert Frauen egal ob Erziehungszeiten oder nicht. Die großen Nutznießer der Frauenförderung sind die kinderlosen Frauen und die großen Verlierer sind die erziehenden Männer. Nach diesem Gesetz ist ein Behördenleiter verpflichtet bei der Wahl eines erziehenden Mannes mit zwei Kindern und einer Frau, die sich für einen kinderlosen Lebensweg entschieden hat, bei gleicher Eignung, die Frau zu befördern bzw. einzustellen.

Es ist unmal so, dass Männer gar nciht in den grndschulbereich wolen, es gibt gar keine Konkurrenz, daher macht eine Quotierung auch keinen Sinn - was willste denn machen, die Stellen unbesetzt lassn?

... Für Frauenförderung wird jährlich 300.000.000 Euro ausgegeben um Frauen in männerdominierte Berufsbereiche zu integrieren. Für die Integration der Männer in den Erziehungsbereich gibt es jährlich 0 Euro. Im Gegenteil: Man lässt kaum eine Gelegenheit ungenutzt, männlichen Mitbürgern die Integration in Erziehungsberufe zu erschweren. Siehe z.B. die Ausgrenzung der Jungen am Zukunftstag oder die unglaubliche Situation, dass selbst im Grundschulbereich mit nur 15% Männeranteil Frauenförderung betrieben wird. Deshalb ist deine Argumentation absolut nicht stichhaltig. Fakt ist, dass man den Erziehungsbereich als Frauendomäne beibehalten möchte. Allerdings gilt dies für alle großen Parteien. Es wäre also schon einmal ein guter Schritt, auf eine Frauenförderung in frauendominierten Bereichen zu verzichten.

Wenn es aber für die direkt Betroffenen gar keine Diskriminierung ist, sondern Teil ihres politischen Selbstverständnisses?

...dann ist und bleibt Diskriminierung immer noch verfassungswidrig und jede Partei, insbesondere Regierungsparteien sind verpflichtet, nicht gegen die Verfassung zu verstoßen.

3. Frauenveto

Das Veto gibt es und wird nicht praktiziert.

... Verstehe ich das richtig, dass du meinst, das Veto wäre noch nicht gebraucht worden? Warum schafft man es dann nicht ab?

Darüber hinaus hat die grüne Jugend Ba-Wü bspw. ein Männerveto. Surprise, Surprise.

... da bin ich wirklich überrascht. Und warum mangelt es den erwachsenen Grünen an solchem Empathievermögen?

4. Soweit ich informiert bin, gibt es immer noch die Bestimmung in der Grünen-Satzung, dass ein Mann erst dann reden darf, wenn eine Frau geredet hat (umgekehrt gilt das natürlich nicht ? das wäre frauenfeindlich)

Nein, aber auch Rednerlisten werden gemeinhin aus unterschiedlichen Boxen gelost und Frauen bekommen die ungeraden Plätze. Und? Ich find das nciht tragsch.

...na ja, es ist IMO halt sexistisch.

5. Anfragen zur Problematik der Jungenbildung

Ich halte es für einen sehr schlechten Stil einer demokratisch gewählten Regierungspartei, dass sie sich vor unliebsamer Bürgerkritik durch Ignorierung drückt.

Ich weiß von hier aus der Gegend, dass es den GirlsDay auch für Jungen gibt - dass er noch nciht so heisst, finde ich auch nicht positiv.

...Das jetzt nicht zu den Grünen, sondern allgemein zur Jungendiskriminierung: So weit ich weiß gibt es nur in Brandenburg einen gemeinsamen Zukunftstag. In Baden-Württemberg wurde von der Regierung klar eine Absage an die gleiche Teilhabe der Jungen an der Erweiterung des Berufswahlspektrums auf geschlechtsuntypische Berufsfelder erteilt (dies ist nicht Schuld der Grünen, sondern der CDU). Als Erfolg konnte ich bisher mit meine Mitstreitern und Mitstreiterinnen verbuchen, dass einige Arbeitsagenturen Veranstaltungen am Girls-Day für Jungen anbieten. Immerhin tun das 9 von 22 Arbeitsagenturen im Land. Ein festes Budget für diese Aktionen gibt es im Gegensatz zu den Mädcheninitiativen nicht. Das hängt also von dem Engagement der einzelnen Agenturen ab. Eine einheitliche Koordination gibt es natürlich auch nicht. Ansonsten ist alles, was sich für die Jungen tut, nur auf privates Engagement zurückzuführen.

6. Männer diskriminierendes Wahlplakat der Grünen

Achso, dann reden wir von nem unterschiedlichen Plakat. Welches meintest denn du? Haste nen Link?

...ich muss zugeben, ich wusste nicht, dass die Grünen mehrere Männer diskriminierende Wahlplakate benutzt haben und man deshalb diese verwechseln kann. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Hier der gewünschte Link:
http://www.manndat.de/unwlbr.htm
Extra auf deinen ausdrücklichen Wunsch gesucht und gefunden.

>7. Politik der Grünen

Erdgas, der umweltfreundlichste Energieträger ist am teuersten, Kohle, wird hingegen sogar subventioniert.

Der umweltfreundlicheste Energieträger ist regenerative Energie.

...o.k., ich meinte nur fossile Energieträger. Aber du bist trotzdem der Kritik ausgewichen.

Die Ökosteuer trifft alle, die viel Energie verbrauchen und entlastet den Faktr Arbeit massiv - auch ein immer wieder geforderter Punkt.

... Wieder an der Kritik vorbei geantwortet. Die Ökosteuer trifft die Familien am härtesten, weil sie ihre Kinder herumkutschieren müssen und der Staat dafür kräftig abkassiert.

Und, bezogen auf Baden-Württemberg: Sie sehen als "Umweltpartei" seelenruhig zu, wie nach und nach umweltrelevante Fach- und Überwachungsbehörden personell dezimiert und aufgelöst werden.

Ruhig?

..nein, seelenruhig (im Sinne einer Steigerung von ruhig)! Oder haben sie noch gar nicht mitbekommen, was da geschieht?

Gruß

Bruno

Bleibt mir noch zu sagen: Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt. – Aber das weißt du ja als Grüner.


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