Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Erich von Däniken? *g*

Lars, Monday, 22.12.2003, 19:29 (vor 8081 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: kann ich in dieser Form... von Garfield am 22. Dezember 2003 11:37:04:

Also Garfield, daß kommt mir jetzt aber teilweise doch etwas Erich-von-Däniken-mäßig vor.*g*

Nur mal zum Thema "finanzielle Abhängigkeit":
In islamischen Ländern gibt es üblicherweise viele Regeln, um sicherzustellen, daß Frauen in fast jeder Situation von ihren Männern oder Ex-Männern unterhalten werden. Manchmal sind das rein gesellschaftliche Regeln, die vor allem auf dem Koran basieren, häufig sind diese Regeln aber auch in Gesetzesform festgelegt, können also wirklich von den Frauen auch eingeklagt werden.
Es ist auch keineswegs so, daß Frauen ihren Ehe-Männern absolut ausgeliefert sind. In vielen islamischen Ländern darf ein Mann seiner Frau gegenüber beispielsweise nicht grundlos gewalttätig werden. Schlägt er sie ohne Grund oder zu brutal, kann sie sich von ihm scheiden lassen und er hat ihr dann Unterhalt zu zahlen.

Ok, ich hab auch schon mal gehört, daß es im Koran Hinweise gibt, daß die männliche Autorität im Hause nicht in Willkür und Gewaltexsesse ausarten darf. Der Punkt ist nur: Die Frau muß die entsprechende Anklage dort doch einem 100% männlichen Gericht vorlegen! Und Du selber führst unten - nur für die Frauen - ins Felde, wie wichtig auch informelle Machtstrukturen sein können!

Darüber hinaus ist ein Vater üblicherweise auch dazu verpflichtet, seine unverheirateten Töchter zu ernähren. Erst mit einer Heirat geht diese Verpflichtung an den Ehemann über.
Umgekehrt gilt das alles selbstverständlich nicht. Ein Mann hat kein Recht darauf, von seiner Frau ernährt zu werden. Ein Mann hat auch kein Recht darauf, von seinem Vater (und schon gar nicht von seiner Mutter) unterhalten zu werden. Es ist in vielen Ländern zwar üblich, daß der Vater dem Sohn ein Haus baut oder kauft, aber das ist schon so ziemlich alles, was ein Mann dort an Unterstützung beanspruchen kann.

Jetzt stellst Du doch das Problem auf den Kopf: Zumindest in der TRADITIONELLEN islamischen Gesellschaft ist der Versorgungsanspruch der Frau die notwendige Konsequenz daraus, daß sie nicht geschäftsfähig, daß sie also unmündig ist - nicht umgekehrt! Das ist so ähnlich wie in der europäischen mittelalterlichen Grundherrschaft: Der Grundherr war guter Christ angehalten, die, Bauern die als Mehr-oder-weniger-Hörige für ihn arbeiteten, wenn diese alt oder krank wurden, nicht verhungern oder erfrieren zu lassen. Aber dieser "Schutz"-Aspekt änderte nichts daran, daß die Stellung des Grundherren in diesem System natürlich die komfortablere war.

Ich habe auch noch nie davon gehört, daß es in islamischen Ländern irgendein Gesetz gibt, das Frauen verbietet, ihre Männer zu schlagen. Das war in Europa früher ganz genauso. Da gab es zwar Gesetze, die festlegten, womit und wie intensiv ein Mann seine Frau züchtigen durfte. Umgekehrt war jedoch gar nichts gesetzlich festgelegt. Wenn also ein Mann mit einem Knüppel, der die gesetzlich festgelegte Dicke überschritt, auf seine Frau einprügelte, konnte sie ihn dafür verklagen. Umgekehrt konnte sie auch mit einem dicken Feldstein auf ihn einschlagen - solange sie ihn damit nicht umbrachte, war das völlig in Ordnung.

Aber das sagt doch nur aus, daß der Fall, daß die Frau den Mann körperlich züchtigt für die - in den besprochenen Fällen ja durchweg männlichen! - Richter und Herrscher völlig außerhalb des vorstellbaren lag!

Und nicht nur das: Wenn er das irgendjemandem erzählte, mußte er noch damit rechnen, dafür bestraft zu werden, daß seine Frau ihn geschlagen hat. In Frankreich beispielsweise konnte ein Mann in dem Fall umgekehrt auf einen Esel gebunden und dann unter dem Spott seiner Mitbürger durch den Ort getrieben werden. In anderen Gegenden zog man Männern, die von ihren Frauen geschlagen wurden, Frauenkleider an und setzte sie dann so dem Spott ihrer werten Mitmenschen aus. Wer hatte da denn wirklich alle Freiheiten und Rechte?

Solche Spott-Aktionen waren für die Betroffenen natürlich eine böse Sache, aber die Botschaft war im damaligen Kontext: "Schwächling, kannst Du nicht mal Deine Frau züchtigen?!"

Im Übrigen hatten die Frauen schon immer bestimmte Strategien, um ihre Männer dazu zu bringen, alles zu tun, was sie wollten.

Wenn Du nun INFORMELLE Macht ins Spiel bringst, mußt Du aber berücksichtigen, daß Männer solche Strategien ebenfalls entwickelt haben werden.

Aber zurück zum Islam:
im Iran gibt es mittlerweile sogar mehr weibliche als männliche Studenten).

Wie bitte? Ist das offiziell?


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