Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: kann ich in dieser Form...

Andreas, Saturday, 20.12.2003, 19:30 (vor 8083 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: kann ich in dieser Form... von Lars am 20. Dezember 2003 16:41:39:

Hallo Lars,

Hallo Andreas,
Du übersiehst dabei, daß im Falle der Erwerbslosigkeit oder der kriegsbedingten Erwerbsunfähig des Mannes die Frau in den islamischen Gesellschaften ja genauso arm dran ist wie ihr Mann! (Oder wenn ihr Mann sie verstößt!) Bei den Bettlern in Afganistan handelt es sich zum großen Teil um Kriegerwitwen.

Das ist richtig. Aber diese Kriegerwitwen können wenigstens noch betteln. Ihre Männer hingegen nicht mehr. Die sind tot.

Wenn man außerdem mal bedenkt, daß im islamischen Bereich ja die Mehr-Kinder-Familie die Regel ist, und das Hausfrau&Mutter-sein bei MEHREREN Kindern unter den dortigen Bedingungen ein Full-Time-Job ist, dann bleibt beim Geschlechtervergleich unterm Strich:
- Frau-sein hat genau einen Vorteil, nämlich den, im Kriegsfall nicht an die Front zu müssen (Was nicht vor Bombenangriffen und Versorgungsenpässen schützt!)

Ich sehe das so: mit jeder "Entrechtung" eines Geschlechts müssen dem anderen Geschlecht die Pflichten, die mit diesen Rechten einhergehen, aufgebürdet werden. Wenn man den Mann also dazu verpflichtet, den Unterhalt der Familie zu garantieren, so muß dieser auch dafür arbeiten. Und das ist sicherlich ebenfalls ein Full-Time-Job. Und ich kann mir vorstellen, daß die Arbeitsbedingungen, denen die Männer in diesen Ländern unterworfen sind, nicht unbedingt besser aussehen als die der Frau.

- Dem steht der Nachteil gegenüber, auch in den eigenen vier Wänden (man male sich die psychologische Situation aus!) quasi rechtslos und auf Gedeih und Verderb vom Mann (der die Frau verstoßen kann!) finanziell abhängig sein.

Oh - der Mann ist finanziell auch von seinem Arbeitgeber abhängig und ihm "quasi rechtlos" ausgeliefert, der dies durchaus auszunutzen versteht. Ich möchte nicht in der Haut eines Mannes stecken, der eine Frau und 5 Kinder durchbringen und tagtäglich damit rechnen muß, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Unter dieser psychologischen Belastung möchte ich nicht stehen. Ich habe mal eine Dokumentation aus dem asiatischen Teil Rußlands gesehen. Thema war die zwangsweise Umsiedlung eines mongolischen Dorfes. Dort werden die Rollenverteilungen sehr streng gehandhabt. Die Frauen arbeiten zu Hause (sind aber nicht so stark eingeschränkt wie in islamischen Ländern) und die Männer sorgen draußen für den Unterhalt der Familie. Nach der Umsiedlung hatten die Männer keine Arbeitsplätze mehr und obwohl die russische Lokalregierung Arbeit versprach, hat sie dieses Versprechen nicht eingelöst. Die Männer waren damit ohne Arbeit und da das neue Dorf mitten im Nirgendwo lag, war auch keine Arbeit mehr in Sicht. Die Folge: dieses Gefühl der Hilfslosigkeit und der Umstand, die Familie nicht mehr ernähren zu können, wurde zur psychischen Belastung der Männer. Die Männer fingen an zu trinken und waren am Ende fast alle alkoholabhängig.

Zumindest in Friedenszeiten würde ich in islamischen Gesellschaften niemals mit der Frau tauschen wollen.

Naja, man muß ja nicht gleich alles schwarzmalen. Sicher gibt es auch viele Familien in diesen Ländern, die ein zufriedenes Leben führen. Insgesamt betrachtet würde ich aber sagen, daß es den Männern dort nicht wesentlich besser geht als den Frauen. Von daher wäre es mir egal mit wem ich tauschen muß. :-)

Gruß
Andreas


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