Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Religion?

Andreas, Saturday, 20.12.2003, 02:12 (vor 8084 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Religion? von Arne Hoffmann am 19. Dezember 2003 22:56:57:

Hi Arne,

Hallo noch mal,
in den letzten Tagen bin ich von einer religionskritischen Zeitschrift gebeten worden, mal wieder einen Artikel zum Thema Männerrechte zu schreiben. Wir wissen aber noch nicht ganz, wie wir das aufziehen sollten. Eine der Fragen, die mir im Laufe unseres Schriftwechsels gestellt wurden, fand ich ganz spannend: "Sind Ihre Forderungen ein Indiz dafür, dass wir tatsächlich in einer vollkommen säkularen Gesellschaft leben, oder könnten Sie sich vorstellen, dass auch Männer in religiös geprägten Gesellschaften ähnliche Forderungen überhaupt stellen müssten?" Nun, wenn ich an die großen Weltreligionen denke, fällt mir in erster Linie Frauenunterdrückung ein.

Das wundert mich überhaupt nicht. Liegt aber meiner Ansicht nach im wesentlichen daran, daß in unseren Medien die Situation der Frauen in den Weltreligionen explizit unter dem Blickwinkel "Unterdrückung" thematisiert wird, die Lebenssituation der Männer hingegen kaum oder überhaupt nicht angesprochen wird. Ich bin kein Experte für Weltreligionen, aber die dortigen Reglementierungen unterwerfen wohl beide Geschlechter bestimmten Beschränkungen und Repressionen. Das gilt für Frauen und für Männer gleichermaßen. Religionen sind auch nicht unbedingt im luftleeren Raum entstanden, sondern meistens Erzeugnisse bestimmter Kulturen und Traditionen, die bereits über festgelegte Rollenbilder verfügen. Werden Frauen in bestimmten Rechten eingeschränkt, so müssen dem Mann zusätzliche Pflichten aufgebürdet werden, damit das System überhaupt noch stabil funktioniert. Darunter leiden dann aber beide: die Frau, weil ihr Rechte genommen werden und der Mann, weil ihm zusätzliche Pflichten aufgebürdet werden. Wenn eine Frau (wie bei den Taliban) das Haus nicht mehr verlassen darf, dann ist der Mann verpflichtet, für den Unterhalt der Familie alleine aufzukommen - was keine kleine Verantwortung ist. Diese Regeln benachteiligen nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Allerdings erkennt unsere feministische Gesellschaft eben nur die Unterdrückung der Frau als eine solche an. Übrigens: selbst in Gesellschaften, die man nicht unbedingt als "säkular" bezeichnen kann, sind oftmals insbesondere Männer staatlicher Willkür ausgesetzt. Man denke nur mal an islamische Staaten. Dort sind Männer nichts anderes als billiges Kanonenfutter für Terroristen und Armeen.

besten Gruß
Andreas


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