Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen?

Garfield, Thursday, 30.10.2003, 16:26 (vor 8134 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? von Lars am 30. Oktober 2003 13:08:31:

Hallo Lars!

Image-Kampagnen für bestimmte Berufe halte ich auch für sinnvoll, nicht nur in Bezug auf die Geschlechterproblematik.

Aber die Zeiten, als manche Berufe für Frauen als ungeeignet galten, sind doch längst vorbei. Sicher findet man immer noch ein paar Leute, die der Meinung sind, daß Frauen irgendetwas grundsätzlich gar nicht könnten, aber die werden doch immer seltener und haben in der Regel sowieso nichts zu entscheiden.

Probleme sehe ich da eigentlich nur noch für Männer, wenn sie in typische Frauenberufe wollen. Z.B. für Männer, die Kindergärtner werden möchten und dann als schwul oder womöglich noch als pädophil angesehen werden. Da muß noch einiges an Aufklärungsarbeit getan werden, aber Quotenregelungen oder irgendwelche Maßnahmen, um männliche Jugendliche davon zu überzeugen, Kindergärtner oder ähnliches zu werden, halte ich da auch für falsch.

Man sollte auf niemanden Druck bei der Berufswahl ausüben. Vom Lehrstellen- und Arbeitsmarkt kommt ohnehin schon genügend Druck, und viele Jugendliche müssen so zwangsläufig ohnehin schon Berufe erlernen, die sie eigentlich gar nicht lernen wollten und die ihnen dann vielleicht auch gar nicht liegen. So ist es denn auch kein Wunder, daß gerade durch die schlechte Lehrstellensituation manche Auszubildenden ihre Lehre abbrechen, obwohl das auf den ersten Blick betrachtet völlig unsinnig erscheint. Da muß man nicht noch einen drauf setzen, finde ich.

Man kann ja ganz neutral über Berufe informieren, aber man sollte die Wünsche der Jugendlichen respektieren und ihnen nach Möglichkeit entgegen kommen.

Man sollte nur darauf hinarbeiten, daß bestimmte Berufe ein besseres Image bekommen und daß niemand, der einen bestimmten Beruf wirklich gern ausüben würde, aufgrund seines Geschlechts daran gehindert wird. Für Frauen sehe ich da aber heute gar keine Probleme mehr.

Außerdem kann es auch kontraproduktiv wirken, wenn man Jugendlichen bestimmte Berufe regelrecht aufdrängen will. In der DDR hat man in den Schulen ganz massiv versucht, Jungen dazu zu bringen, sich für den Dienst als Unteroffiziere oder Offiziere in der Armee zu bewerben. Schon in der ersten Klasse fingen sie damit an. Das war so nervend, daß viele Jungen dann grundsätzlich schon geistig abgeblockt haben, wenn wieder mal die Rede darauf kam. So ein Job als Offizier bei der Armee wurde relativ gut bezahlt, und es kam auch vor, daß Offiziersbewerbern in der Schule mal die eine oder andere Zeugnis-Note nach oben korrigiert wurde, damit sie auch ja die Aufnahmekriterien der Offiziershochschule (und die Lehrer ihren Rekrutierungsplan) erfüllten. So hätte so mancher sich vielleicht freiwillig dafür entschieden - aber weil wir ständig damit genervt wurden, hat sich bei manchen Jungen eine regelrechte Aversion dagegen herausgebildet.

Ich hab mal eine Reportage über einen "Girl's Day" bei den Ford-Werken gesehen. Da standen dann solche "trendig gestylten" Barbie-Püppchen herum und beäugten skeptisch öltriefende Maschinen. Meine Verlobte sagte dazu: "Die glauben doch nicht im Ernst, daß die bei Ford anfangen?" Man sah den Mädels ihr Desinteresse richtig an. Manche haben wahrscheinlich tatsächlich sowas gedacht wie "wieso muß ich denn nun wieder in so eine blöde, ölstinkende Fabrik, ich könnte jetzt so schön zu Hause sitzen und BRAVO-TV und Gute Zeiten-Schlechte Zeiten gucken...".

Freundliche Grüße
von Garfield


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