Re: super Statement! :-) +Anmerkung
Als Antwort auf: super Statement!
+Anmerkung von ideeAlist am 28. Oktober 2003 19:39:14:
Hallo ideeAlist!
Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu. Etwas Positives hat der Feminismus immerhin bewirkt, nämlich, daß zumindest Mädchen heute nicht mehr so stark dem einst typischen Rollenbild entsprechend erzogen werden wie in früheren Zeiten. Und daß nun auch immer mehr Menschen darüber nachdenken, ob es immer noch zeitgemäß ist, Jungen dem althergebrachten Rollenbild entsprechend zu erziehen.
In früheren Zeiten hatte diese Erziehung aber tatsächlich auch ihren Sinn. Damals gab es noch viele Berufe, die wirklich eine hohe Körperkraft erforderten und deshalb Männern vorbehalten waren. Frauen dagegen bekamen üblicherweise die leichteren Tätigkeiten zugewiesen. Auch so lag die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen in früheren Zeiten unter der der Männer. Das lag nicht nur daran, daß deutlich mehr Frauen bei Geburten starben als heute, sondern auch an den damals nun einmal schlechteren Lebens- und Arbeitsbedingungen, denen der weibliche Körper weniger gewachsen war als der männliche. Das sieht man auch auf Bildern aus dem Mittelalter, wo Frauen oft sehr alt aussehen, obwohl viele Menschen aus dem einfachen Volk damals gerade mal etwa 40 Jahre alt wurden.
Die meisten Menschen kamen aber gut mit ihrem Rollenbild zurecht. Problematisch war es nur für Menschen, deren Fähigkeiten den üblichen "Normen" für ihr Geschlecht nicht entsprachen. Das betraf aber Männer und Frauen gleichermaßen, und manchmal waren Männer sogar stärker betroffen. Beispielsweise wurde auf männliche Homosexuelle immer weitaus mehr Druck ausgeübt als auf homosexuelle Frauen. Es gab im Mittelalter übrigens auch Zünfte, die nur Frauen aufnahmen, Männern also den Zutritt verwehrten. Umgekehrt gab es auch Zünfte, die nur Männer aufnahmen. Das hatte dann aber immer auch Gründe. Reine Männer-Zünfte gab es in Berufsfeldern, die hohe Körperkraft erforderten oder wo die Arbeit sehr gesundheitsgefährdend war und deshalb für Frauen (besonders während der Schwangerschaft) als ungeeignet betrachtet wurde. Reine Frauen-Zünfte dagegen gab es vor allem in Berufsfeldern, wo es auf hohe Geschicklichkeit ankam, besonders im Textilbereich. Man sah es dann einfach so, daß Menschen des jeweils anderen Geschlechts diese Arbeiten ohnehin nicht besonders gut ausführen konnten und daß es deshalb wenig Sinn macht, sie dafür anzulernen. Wer den Normen seines Geschlechts dann nicht entsprach, hatte eben Pech.
Was nun die Bildungshürden für Frauen anging: Im frühen Mittelalter nahmen die allermeisten Schulen Jungen und Mädchen auf. Während des Mittelalters, als sich die Berufsfelder immer weiter spezialisierten, führte man höhere Schulen ein, die dann oft nur Jungen aufnahmen. Weil sie für die Berufe, die sie üblicherweise ausübten, nun mehr Bildung brauchten. Aber es gab auch höhere Schulen, die beiden Geschlechtern offen standen oder nur Mädchen aufnahmen.
Es ist ein feministisches Märchen, daß Frauen Bildung verweigert wurde. Tatsächlich wurde es als sehr wichtig betrachtet, daß Frauen - sofern sie keinen eigenen Beruf ausübten - ihre Männer bei deren Beruf unterstützen konnten und dafür auch die erforderliche Bildung bekamen. Bei manchen Berufen - z.B. bei Metzgern oder bei Zöllnern - wurde es als ganz selbstverständlich angesehen, daß ein Ehepaar diesen Beruf gemeinsam ausübte. Wenn für einen Beruf vorher ein Eid abgelegt werden mußte, dann war es häufig üblich, beide Ehepartner dafür zu vereidigen.
Vor allem im Handelsbereich war es üblich, daß die Ehefrau einen Händler vertrat, während er auf Reisen war, und üblicherweise hatte sie dafür auch alle Vollmachten. Oft übten Frauen von Händlern auch eigene Berufe aus, und man heiratete ganz bewußt so, daß sich diese Berufe gut ergänzten. Es konnte dann sein, daß der Mann Tücher herstellte und die Frau als Kauffrau die Tücher verkaufte, oder auch umgekehrt. Auch bei Handwerkern war es üblich, daß die Ehefrau im Geschäft mitarbeitete. Oft übernahm sie den Verkauf der von ihrem Mann und seinen Gesellen hergestellten Produkte. Starb der Mann, konnte die Frau seine Werkstatt übernehmen und wurde dafür automatisch Zunftmitglied, ohne dafür eine Aufnahmegebühr entrichten zu müssen. Das alles wäre völlig unmöglich gewesen, wenn man den Frauen Bildung vorenthalten hätte.
Es ist zwar richtig, daß die später gegründeten Universitäten oft keine Frauen aufnahmen. Aber auch da hat es immer wieder Ausnahmen gegeben. Schon im 17./18. Jahrhundert gab es Frauen an Universitäten. Daß das selten vorkam, lag nicht nur an Vorurteilen der Gesellschaft, sondern auch einfach daran, daß viele Frauen einfach kein Interesse am Studium hatten.
Außerdem hatte ein Studium damals nicht dieselbe Bedeutung wie heute. Universtitäten wurden eigentlich nur von Menschen des Mittelstandes besucht. Die oberen 10000 ließen ihre Kinder von Privatlehrern unterrichten. Im einfachen Volk dagegen konnte sich niemand ein Studium leisten, und oft reichte das Geld auch nicht für den Besuch einer ganz normalen Schule. Das betraf Männer und Frauen gleichermaßen. Einfache Bauern konnten in der Regel genauso wenig lesen und schreiben wie ihre Frauen.
Es gab auch lange Zeit keinen Beruf, für den ein Universtitätsstudium vorausgesetzt wurde. Zuerst hat man wohl beim Arztberuf versucht, ein Studium zur Voraussetzung zu machen. Im mittelalterlichen Paris war das zeitweise so. Aber das hat sich für lange Zeit nicht allgemein durchgesetzt, so daß in Deutschland noch im 18. Jahrhundert meist praktisch jeder als Arzt praktizieren konnte.
Auch im wissenschaftlichen Bereich war ein Universitätstudium lange Zeit nicht zwingend nötig. Auch ein Autodidakt wurde im Gegensatz zu heute normalerweise voll anerkannt. Es hat auch immer Männer gegeben, die niemals eine Universität besucht, aber trotzdem Großes für Wissenschaft oder Technik geleistet haben.
Ich halte es jedenfalls für sehr unwahrscheinlich, daß Frauen nur deshalb im wissenschaftlichen Bereich weniger geleistet haben als Männer, weil man ihnen angeblich Bildung verweigert hat. Auch heute, wo Frauen überall nicht nur Türen und Tore weit offen stehen, sondern wo sie überall sogar noch regelrecht hineingeschoben werden, gibt es Studiengänge, in denen man kaum Frauen antrifft. Weil sie sich damit einfach nicht befassen WOLLEN.
Um das zu verstehen, muß man sich wieder die Entwicklungsgeschichte des Menschen ansehen:
Schon immer haben Frauen die Kinder bekommen, und natürlich war das auch schon bei unseren Affen-Vorfahren so. So wurden die Weibchen und später die Frauen immer wieder durch die Kinder am Wohnort festgehalten. Man kann im hochschwangeren Zustand nun einmal schlecht hinter Antilopen hersprinten, und man kann auch nicht ein Kind alle paar Stunden stillen und dann so nebenbei noch Großtaten bei der Jagd vollbringen. So hat es sich automatisch ergeben, daß Männer meist die Tätigkeiten übernahmen, für die man das Lager auch mal für einige Tage oder länger verlassen muß, während die Frauen im Lager blieben und sich dann eben auf Tätigkeiten spezialisierten, die sie dort verrichten konnten.
So kam es, daß Frauen überwiegend in einer Umgebung lebten, die sich kaum veränderte. Männer dagegen waren in der Außenwelt unterwegs, wo es immer wieder Veränderungen gab, und die sie manchmal auch erst einmal neu erkunden mußten. So wurde Frauen während der Evolution eine eher konservative Haltung eingeprägt. Denn eine Frau, die sich am Wohnort total langweilte und viel lieber die Außenwelt erkunden wollte, konnte damit ihre Aufgaben als Mutter schlechter erfüllen als eine Frau, die damit zufrieden war, den ganzen Tag in der Hütte zu sitzen, die dort anfallenden Arbeiten zu verrichten und dabei immer für die Kinder da zu sein. Umgekehrt konnte ein Mann, der lieber zu Hause mit den Kindern spielte, kaum zu großen Jagderfolgen kommen, mit dem Ergebnis, daß seine Familie dann hungerte.
Bei der Jagd - vor allem in einer fremden Umgebung - können aber immer wieder unvorhersehbare Dinge passieren. Man kann dort nichts einfach nach Schema F erledigen. So mußten Männer immer fähig sein, geistig eingefahrene Gleise zu verlassen und flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren. Für Frauen dagegen war das weniger wichtig. In ihrer üblichen Umgebung änderte sich nie sonderlich viel, und für sie war Schema F sogar wichtig, weil man nun einmal Arbeiten schneller erledigen kann, wenn man sie immer gleich erledigt und die dazu nötigen Bewegungsabläufe dabei so lange übt, bis man sie im Schlaf beherrscht. Das geht aber eben nur, wenn die Umwelt immer gleich bleibt.
Was hat das nun mit Wissenschaft zu tun? Nun, um dort etwas zu leisten, braucht man erstmal eine gewisse Intelligenz. Die muß aber gar nicht unbedingt so hoch sein, wie viele glauben. Viel wichtiger ist eine andere Voraussetzung: Man muß fähig sein, gedanklich Neuland zu betreten. Sonst wird man nie etwas Neues entdecken. Offenbar sind Männer eher dazu fähig als Frauen, weil sie über hunderttausende von Jahren hinweg immer diejenigen waren, die neue Jagdgebiete erkundet haben und dabei immer auf bisher unbekannte Ereignisse gefaßt sein mußten. Und genau deshalb fällt es ihnen auch rein geistig leichter, Neuland zu betreten und etwas Neues zu erfinden.
Wie dem auch sei: Frauen hätten sich nicht jahrtausendelang von den Männern unterdrücken lassen. Was heute als "Unterdrückung" bezeichnet wird, war nichts weiter als die früher übliche Rollenverteilung, mit denen die meisten Menschen auch gut zurecht kamen und die sie deshalb nicht als Unterdrückung empfunden haben. Auch Männer haben die Tatsache, daß sie verpflichtet waren, Frau und Kinder zu ernähren, nicht als Ausbeutung aufgefaßt. Vieles war früher härter als heute - aber das betraf Männer und Frauen gleichermaßen.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Der Eman(n)ze,
28.10.2003, 12:23
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 13:59
- So isses :-) - Nick, 28.10.2003, 15:33
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen - Lars, 28.10.2003, 16:10
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Lars,
28.10.2003, 15:36
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 16:26
- @Garfield: Zustimmung. / ist auch meine Antwort o.T. - Der Eman(n)ze, 28.10.2003, 17:29
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Lars,
28.10.2003, 19:04
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 20:52
- super Statement! :-) +Anmerkung -
ideeAlist,
28.10.2003, 21:39
- Re: super Statement! :-) +Anmerkung -
Garfield,
29.10.2003, 12:55
- Re: super Statement! :-) +Anmerkung -
Lars,
29.10.2003, 20:42
- gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Der Eman(n)ze,
29.10.2003, 23:22
- Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Lars,
30.10.2003, 15:08
- Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Garfield,
30.10.2003, 16:26
- mit der Anektote hast Du's auf den Punkt gebracht :-) - Der Eman(n)ze, 30.10.2003, 17:34
- Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Garfield,
30.10.2003, 16:26
- Re: gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Lars,
30.10.2003, 15:08
- Re: super Statement! :-) +Anmerkung - Garfield, 30.10.2003, 12:05
- gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen? -
Der Eman(n)ze,
29.10.2003, 23:22
- Re: super Statement! :-) +Anmerkung -
Lars,
29.10.2003, 20:42
- Re: super Statement! :-) +Anmerkung -
Garfield,
29.10.2003, 12:55
- super Statement! :-) +Anmerkung -
ideeAlist,
28.10.2003, 21:39
- nix Zufall -
ideeAlist,
28.10.2003, 21:52
- Hinweis - Jörg , 28.10.2003, 23:13
- Re: nix Zufall - Odin, 29.10.2003, 02:04
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 20:52
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 16:26
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Odin,
28.10.2003, 16:32
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Nick,
28.10.2003, 16:46
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Odin,
28.10.2003, 18:34
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Nick,
28.10.2003, 18:44
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen - Odin, 28.10.2003, 20:05
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Nick,
28.10.2003, 18:44
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Odin,
28.10.2003, 18:34
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Nick,
28.10.2003, 16:46
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen - Bruno, 29.10.2003, 13:54
- Re: Probleme mit dem Begriff "Maskulismus" & Ableitungen -
Garfield,
28.10.2003, 13:59