Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: super Statement! :-) +Anmerkung

Lars, Wednesday, 29.10.2003, 20:42 (vor 8135 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: super Statement! :-) +Anmerkung von Garfield am 29. Oktober 2003 10:55:50:

Damit wir nicht aneinander vorbeireden: Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in den früheren Jäger- & Sammler- sowie Agrar-Gesellschaften sehe ich genau wie Du als gewissermaßen näturlich, d. h. von der weiblichen Kinder-kriegen-Funktion her naheliegend an; die Rede von "jahrtausende alten Frauenunterdrückung" halte ich daher ebenfalls irreführend.

An Deinem evolutionstheoretischen Erklärungsansatz geistiger Fähigkeiten (in Hinblick auf Berufstätigen HEUTE) finde ich nur einen Punkt überzeugend: den Zusammenhang von Körperkraft, Jagd und räumlichem Vorstellungsvermögen beim (Durchschnitts)Mann.

Den Zusammenhang von Jagd und Geistiges-Neuland-Betreten (= Forschergeist) finde ich jedoch zu assoziativ gedacht, zu weit hergeholt. Denn:

- Sooo viel "intellektueller" als die Höhlen-"Hausarbeit" wird das ständige Mammut-Jagen auch nicht gewesen sein. *g* Bzw.: Genausogut könnte man argumentieren, daß die Frauen aufgrund ihre prähististorischen Höhlen-Verwaltungstätigkeit von der Evolution her die geborenen Organisatorinnen sein müßten, und heute im Grunde die besseren Verwaltungsbeamten oder auch Managerinnen sein müßten!

Meine Erklärung der Unterrepräsentation von Frauen in den kaufmännischen, technischen und (v. a. natur-)wissenschaftlichen Berufen:

- Diese Berufe kamen in größerem Umfang ja im Grunde überhaupt erst im 18./19. Jhdt. auf. Sie wurden damals quasi "automatisch" von Männern übernommen, da sie im Sinne der uralten Teilung häuslich/außerhäuslich ja in den außerhäuslichen Bereich fielen (Diese neuen Berufe wurden ja i. d. R. nicht mehr im Familienbetrieb ausgeübt, sondern bei einer FIRMA oder beim STAAT!)

- Dadurch erhielt die bis dahin gewissermaßen "harmlose" Trennung von häuslich/außerhäuslich aber eine ganz und gar neue und problematische Qualität: Denn die ganze MODERNE WELT, die mit diesen Berufen jetzt entstand, war ihrer Natur nach "außerhäuslich"! Und indem die Frauen aus Gewohnheit bei ihren "häuslichen" Tätigkeiten blieben, rutschten sie in dieser modernen Welt nach und nach in eine Randposition ab.

- Die Folge: Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich immer stärker der Eindruck durch, daß Ökonomie, Technik und (v. a. Natur-)Wissenschaft (und ganz allgemein: Rationalität) per se "männlich" waren. Entsprechend dem damals üblichen Denken im Vernuft-Gefühl-Dualismus waren die Künste dagegen eher "weiblich" (zeitweise der einzige außerhäusliche Bereich, in dem eine Frau Anerkennung finden konnte). Dies fand seinen Niederschlag in Romanen (später Filmen) und der Erziehung - ein selbstverstärkender Kreislauf.

- Heute ist die Trennung hÄuslich=weiblich/außerhäuslich=männlich weitgehend erledigt, d. h. weibliche Erwerbsarbeit ist normal geworden. Aber die Vorstellung, Ökonomie, Technik und (Natur-)Wissenschaft seien ihrem Wesen nach "männlich" , ist tief verankert in unserer Kultur. Frauen studieren zwar mittlerweile häufiger als Männer (was natürlich auch wieder problemtaisch ist), aber eben doch eher Fächer, die als "weiblich" (Sprachen, Musik, Kunst, Pädagogik) oder zumindest als "nicht-ganz-so-extrem-männlich" (Soziologie, Politologie, Geschichte, Philosophie) gelten; aber die reinen "Männer-Fächer" (BWL, Jura, Naturwissenschaften; Ausnahme Medizin) werden immer noch auffalend stark gemieden. Es wirkt halt entmutigend, wenn man aus der Geschichte kaum eine große Unternehmerin, kaum eine Star-Anwältin, kaum eine große Physikerin kennt, dafür aber 1.000 Gerüchte gehört hat, wie "rauh" es in der "Männerwelt" zugehen soll. Und an dieser Stelle haben gruppenspezifische Job-Info-Kampagnen schon einen Sinn.


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