Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Abgrenzung Zivilisten

Garfield, Thursday, 23.10.2003, 22:39 (vor 8141 Tagen) @ Der Eman(n)ze

Als Antwort auf: Re: Abgrenzung Zivilisten von Der Eman(n)ze am 22. Oktober 2003 23:50:42:

Hallo Eman(n)ze!

"Eine Frau mit Kind im Arm wird jedoch kaum zu Kriegshandlungen bereit sein, sie ist vielmehr damit beschäftigt, sich und ihr Kind vor Kriegshandlungen zu schützen. Sie ist definitiv Zivilist."

Und wie sieht es mit einem Mann mit Kind auf dem Arm aus? In Ex-Jugoslawien hat es immer wieder Massenmorde nur an Männern gegeben. Diese Männer waren oft gar keine Soldaten, sondern eben auch nur Zivilisten. Das wurde in den Nachrichten nie explizit erwähnt - da war dann immer nur die Rede von Leichen, die in Massengräbern gefunden worden waren. Männer sind als Opfer eben nicht erwähnenswert - und genau DA liegt das Problem.

Frauen werden dafür umso mehr erwähnt. Während der Kriege in Ex-Jugoslawien wurden immer wieder Berichte über angebliche Massenvergewaltigungen an Frauen gebracht. Diese Massenvergewaltigungen hat es nie gegeben. Sicher gab es Vergewaltigungen, aber die waren nie organisiert, was aber trotzdem immer wieder behauptet wurde. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen konnten jedenfalls auf entsprechende Anfragen nicht bestätigen, daß in jugoslawischen Flüchtlingslagern Unmengen von vergewaltigten Frauen saßen.

Vermutlich wurden diese Gerüchte von den Anführern der dort kämpfenden Kriegsparteien in die Welt gesetzt, um die Männer dazu zu animieren, noch eifriger in den Kampf zu ziehen. Die männlichen Beschützerinstinkte wirken da wahre Wunder. Das wurde in Kriegen schon immer ausgenutzt. Im Ersten Weltkrieg beispielsweise verbreitete man in Frankreich, England und den USA auch Märchen über die brutalen deutschen "Hunnen", die angeblich vor allem deshalb in den Krieg zogen, um französische Frauen - bevorzugt Nonnen - in Massen zu schänden...

Tatsächlich standen Frauen auch in Kriegen häufig mehr unter Schutz als Männer. In früheren Zeiten zogen auch immer viele Frauen als Marketenderinnen, Prostituierte, Köchinnen, Näherinnen usw. mit Armeen mit, aber wenn es zu Kampfhandlungen kam, tat man alles, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen. Es gab sogar Fälle, in denen Frauen ungehindert und unbehelligt jederzeit die feindlichen Linien überqueren konnten.

Wenn man Frauen schon mal in Kampftruppen steckte, dann wurden Deserteurinnen in der Regel nicht bestraft. Man ließ sie einfach laufen, während Männer im selben Fall ganz selbstverständlich erschossen wurden.

Und wenn Frauen kämpften, dann kam es häufig vor, daß ihre männlichen Gegner sie verschonten. Im zweiten Weltkrieg gab es in der sowjetischen Luftwaffe auch weibliche Jagdflieger. Als einige von ihnen gegen Kriegsende mit männlichen Piloten aus Rumänien zusammen trafen, gegen die sie kurz vorher noch gekämpft hatten, erzählten ihnen die Rumänen, daß sie einige von ihnen schon manchmal beinahe abgeschossen hätten. Sie hatte im letzten Moment noch die Finger vom Auslöser der MGs genommen, weil sie sahen, daß es Frauen waren, die im gegnerischen Flugzeug saßen.

Bei Einsätzen gegen die RAF mußte deutschen Polizisten eigens eingeschärft werden, zuerst auf die weiblichen Terroristen zu schießen. Die hatten umgekehrt nämlich keine Hemmungen und eröffneten oft zuerst das Feuer auf die Polizei.

Frauen standen also immer unter Schutz und hatten auch in Kriegszeiten ein deutlich geringeres Risiko zu tragen.

Dieser Schutz für Frauen bröckelte erst mit Einführung moderner Massenmord-Methoden wie z.B. Flächenbombardements, bei denen die Soldaten ihre Opfer nicht sehen. Erst jetzt gab es in Kriegen auch viele weibliche Opfer.

In vielen kleineren Kriegen ist es aber bis heute so geblieben, daß es vor allem Männer sind, die dort massakriert werden. Frauen werden zwar in Kriegszeiten häufiger vergewaltigt, aber auch das bleibt Männern durchaus nicht erspart, wie schon Lawrence von Arabien im Ersten Weltkrieg in türkischer Gefangenschaft erfahren mußte.

Es gibt also absolut keinen Grund, Frauen als Opfer immer wieder hervorzuheben.

Freundliche Grüße
von Garfield


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