Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gegen den Wohlfahrtstaat wollte ich damit eigentlich nichts gesagt haben!

Lars, Thursday, 10.07.2003, 01:40 (vor 8246 Tagen) @ gaehn

Als Antwort auf: Re: Ist Feminismus bei den jungen Frauen der "Fun-Generation" tatsächlich out? von gaehn am 09. Juli 2003 19:11:25:

das problem was du ansprichst, ist etwas was vor allem mit der moderne und den wohlfahrtsstaaten zu tun hat. quoten etc. sind nichts weiter als die auswüchse einer unnatürlichen entwicklung (und damit meine ich eigentlich alle quoten). das ganze führt aber letzten endes in den untergang des wohlfahrtsstaates, weil kein staat dadurch überlebt das schwache künstlich zu stärken und das starke künstlich zu schwächen.

Schöne Grüße,
Manfred

Moment: Als Überleitung zu einer allgemeinen Kritik am Wohlfahrtsstaat wollte ich mein Posting NICHT verstanden wissen!

MIR ging es um die selbstgefällige "Ich-gehöre-dem-besseren-Geschlecht-an"-Haltung vieler junger Frauen.

Mit dem Wohlfahrtstaat hat das erstmal gar nichts zu tun. Viele gut situierte Feministinnen teilen in Fragen der Sozialpolitik - solange es eben nicht um das eine Thema Männer vs. Frauen geht - doch selber die schicke neoliberale "Jeder-muß-selber-sehen-wo-er-bleibt!"-Haltung und interessieren sich besipielsweise überhaupt nicht für die Belange von Arbeitnehmerinnen im unteren Lohnspektrum oder Sozialhilfeempfängerinnen.

Ich selber finde, daß der Wohlfahrtsstaat durchaus notwendig ist, um gegenüber dem freien Spiel der Marktkräfte für einen gewissen sozialen Ausgleich zu sorgen, und daß er gegen die derzeitige neoliberale Demontage verteidigt werden sollte. Insbesondere finde ich die sozialdarwinistische Argumentation, Staaten dürften, wenn sie "am Leben" bleiben wollten, die Schwachen nicht künstlich stärken, bedenklich. Ist es nicht vielmehr so, daß sich Staaten nur dadurch legitimieren können?

(Und ich bin auch nicht in jeder Situation gegen Quoten: In den 70er Jahren, als Politik noch ein reiner Männerbetrieb war, in dem Frauen sich - warum auch immer - überhaupt nicht behaupten konnten, war die Forderung nach einer Mindestrepräsentation (natürlich nicht 50:50!) in der Politik, um den Frauen eine öffentliche Stimme zu geben und jungen Politikerinnen in spe ein paar Vorbilder zu geben, ZUNÄCHST sinnvoll. Das Problem ist nur, daß im Zuge der immer weitergehenden Integration von Frauen in Politik und Wirtschaft die Quoten nicht als überholtes Provisorium ad acta gelegt, sondern im Gegenteil immer weitergehende Quoten und zwar auf Dauer gefordert und durchgesetzt wurden.)


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