Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Ist Feminismus bei den jungen Frauen der "Fun-Generation" tatsächlich out?

Lars, Wednesday, 09.07.2003, 17:59 (vor 8246 Tagen)

In den späten 80ern und den frühen 90ern sah es doch überall so aus, als stoße der Feminismus bei Frauen, die nach 1965 geboren waren, nicht mehr auf Interesse. Die genossen einfach die Möglichkeiten, die ihnen ihre liberalen 68er-Mütter (und -Väter!) geschaffen hatten, waren "froh, daß ich ein Mädchen bin" und wollten sozusagen nichts zu tun haben mit prüden, sauertöpfischen und schlecht angezogenen Bewegungs-Frauen in den Wechseljahren. Die damals naheliegende Zukunftsprognose war doch die, daß der Femininismus von der Bildfläche verschwindet und sich in der Gesellschaft eine unverkrampfte Geschlechter-Balance einpendelt.

Heute aber glaube ich, daß dieser Eindruck oberflächlich war: Die jungen Frauen der Nach-"Emma"-Generation sind bloß weniger politisch interessiert und mehr Spaß-orientiert (wie die jetzige junge Generation ja insgesamt), d. h. sie haben kein Bock auf Manifeste-lesen und im-Regen-demosntrieren, lassen sich gerne in sexy Kleidung anhimmeln und würden einen Brad Pitt nicht von der Bettkante stoßen. ABER: Die feministischen Medienklischees, sie seien die besseren Menschen, alles müsse von der weiblichen Perspektive aus beurteilt werden und die ganze Welt müsse sich um sie drehen haben (freilich ohne die politische Rethorik) haben sie 100&ig verinnerlicht. Ich hab das im Bekanntenkreis erlebt. Da gaben Frauen, die ich beisher für ganz normal gehalten habe, so ganz nebenbei Dinge zum Besten wie "Männer haben ja nunmal das höhere Aggressionspotential", "Männer sind ja oft weniger beziehungsfähig", "sie können Streßsituationen schlechter bewältigen", "sexuelle Perversionen treten zu 99% bei Männern auf" ect ect. die ganze Palette eben.

Mir scheint, da verbindet sich der neue, unpolitische "Girl-Power"-Feminismus mit dem uralten Prinzessinnen-Gehabe. Und aus dieser gemengelage heraus sind solche Frauen dann, wenn sie an die Uni kommen aufeinmal auch wieder überraschend empfänglich für feministisches Vokabular (solange daraus für sie kein Politik- und Theorie-Aufwand erwächst, versteht sich *g*)

Zumindest hat ein typisches Partygirl aus meinem Bekanntenkreis, seitdem sie Journalistik studiert (wegen Lifestylemagaziene), auf einmal das ganze "Sexismus"-Gefluche drauf. (Aber wehe, ein Typ beachtet sie auf der Party nicht, dann schmollt sie den ganzen Abend...)


gesamter Thread:

 

powered by my little forum