Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Staatsgläubigkeit

Bero, Thursday, 24.03.2011, 17:16 (vor 5413 Tagen) @ Garfield

Da muss ich dir entschieden widersprechen, Garfield. Meine Wahrnehmung ist eine ganz andere.

Nehmen wir mal die Deutsche Post: Ist da irgendetwas billiger geworden?
Wenn ja, dann wurde dafür etwas Anderes umso mehr verteuert. Insgesamt
sind die Preise fröhlich gestiegen. Und wie sieht es mit dem Service aus?
Die Schlangen in den Postfilialen sind eher länger als kürzer geworden.

Primäre Aufgabe der Post ist der schnelle und zuverlässige Transport von Gütern. Seit der Privatisierung haben wir hier den Standard E+1. Das ist es, was mich als Postkunde vor allem interessiert.
Die Preise sind gestiegen, richtig. Übrigens unter staatlicher Kontrolle, womit dein Wettern gegen die Privatisierung der Post ziemlich absurd dasteht. Höhere Preise bedeuten vermutlich, dass die vorherigen, von Beamten willkürlich festgelegten, nicht kostendeckend waren. Bezahlt haben wir die Differenz trotzdem mit.

Läden, aber da stehen dann oft nur Aushilfen am Schalter. Meist
Hausfrauen, die gar nicht wissen, was sie da tun. Mein Schwager wollte
neulich mal einen internationalen Antwortschein an so einem Schalter kaufen
und kam mit einem Formular für Auslandsüberweisungen nach Hause...

Kann ich nicht bestätigen. Meine Erfahrung in den ausgelagerten Postfilialen ist, dass die Kompetenz der Mitarbeiter erstaunlich gut ist, gerade bei etwas exotischeren, nicht alltäglichen Leistungen. Ich bin etwas erstaunt, dass die Erfahrungen so unterschiedlich sind.
Beispiel Telekom: ist dieses immer noch nicht voll privatisierte Unternehmen im Vergleich mit seinen Mitbewerbern (etwa vodafone, O2, Kabelbetreiber) eher für bessere oder schlechtere Effizienz und Service bekannt?

So ist das eben, wenn man alles privatisiert und dann das Profitinteresse
im Vordergrund steht. Da wird am Personal gespart und damit zwangsläufig
auch am Service, und an der Wartung auch.

Ich weiss nicht, ob du das Kostenmanagement bei Behörden kennst? Es ist ein Graus. Für jeden noch so kleinen Scheiss Kostenplanung, Anträge ausfüllen und wenn nichts vorgesehen ist, gibt es eben nichts. "Das benötigen wir aber unbedingt!" ist da kein Argument. Das ist in der Privatwirtschaft deutlich flexibler.
Im übrigen werden auch Staatsbetriebe heute in der Regel wie Privatfirmen geführt, nur dass der Staat eben die Anteile hält.

steht. Irgendein Politiker soll ja kein Kernkraftwerk leiten. Es würde
völlig reichen, wenn man dafür sorgt, daß die Anlagen von kompetentem
Personal bedient werden und daß man dieses Personal nicht ohne Rücksicht
auf Verluste zu Kostensenkungen drängt.

Wie gesagt, du scheinst dir da einige Illusionen über die Abläufe in staatlichen Betrieben zu machen. Von dem Schlendrian und der Schlamperei dort ganz zu schweigen.
Weisst du übrigens, welche Gründe zur Entwicklung des schon im Konzept irrsinnig gefährlichen RBMK-Reaktortyps geführt haben? Es waren (neben ein parr anderen) vor allem Rentabilitätsgründe, dieser Typ ist eben preisgünstig im Bau und im Betrieb. Und das geschah merkwürdigerweise in einem System, in dem alles staatlich war und es nach deiner Theorie keine Nachklässigkeiten aus Kostengründen geben dürfte. Im bösen Kapitalismus mit privaten Kraftwerken sind solche gefährlichen Murkskonzepte offensichtlich nicht durchgesetzt worden. Kannst du dir das erklären?
Gegenargument: ein Privatunternehmen hat naturgemäss jedes erdenkliche Interesse an zuverlässiger Sicherheit. Denn eine Havarie schadet dem Unternehmen ganz direkt, durch Kosten und Imageverlust, bis zum Ruin bei der Grössenordnung wie jetzt in Fukushima. Das staatliche Töpfchen für die Beseitigung von Katastrophenfolgen dagegen wird nie leer, ganz egal, wie viel verbraucht wird. Es wäre etwas ganz Neues, dass ausgerechnet das die Motivation zu zuverlässigem, vorausschauenden Handeln erhöhen würde.
Die Erfahrungen mit staatlichem Wirtschaften, ob im ehemals "Realexistierenden" oder in kapitalistischen Staaten, sind insgesamt grottenschlecht. Deine (typisch deutsche, seit Kaisers Zeiten) Staatsgläubigkeit hat recht wenig reale Grundlage


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