Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
Nick sagt dazu:
Zitat: "Da Beziehungen zwischen Mann und Frau zunehmend freigesetzt werden von der Aufgabe, die materielle Grundlage für eine gemeinsame Kinderaufzucht zu bieten, sollen sie heute nur noch dem seelischen und auch sexuellen Wohlbefinden der Partner dienen."
So, so. "Sollen sie"...
Tun sie aber nicht. Komisch, oder?
Ob da vielleicht wieder mal am Prinzip was verkehrt ist?
Zuerst und sowieso und überhaupt: wozu braucht's eigentlich Kinderaufzucht?
Reicht doch, daß man selber aufgezogen wurde... und ein Peter Pan geblieben ist.
Sexuelle Befreiung hieß das alles mal. Und genau das ist es ja auch geworden - die Befreiung von der Sexualität nämlich.
Die gibt es jetzt nämlich nur noch auf dem Freien Markt. Als Ware. Zu ortsübliche Preisen. Nach Angebot und Nachfrage.
Umsonst ist da nichts mehr - schließlich hat man ja nichts zu verschenken auf einem Freien Markt.
So stöhnt man denn über die viel zu hohen Preise - und darüber, daß man sich nicht mehr leisten kann, was früher mal Liebe hieß.
Ist Liebe nicht... Seelisches Wohlbefinden, daß sich durch die Tatsache ergibt, mit einem Menschen zusammen ist, der passt? Und ist demnach nicht Liebe ebenfalls etwas, das immer noch gefragt ist? Nicht zwingend, aber immerhin als Möglichkeit? Und vieleicht hilft die Analogie: Ist Abschaffung der Wehrpicht Gleichzusetzen mit der Abschaffung der Bundeswehr?
Dein Diskurs ist tatsächlich freiheitsfeindlich und reaktionär. Denn ein Ende des sozialen Zwangs zur Beziehung, des Zwangs zur Kinderproduktion und Aufzucht ist eben nicht das Ende selbiger Phänomene, sondern die Eröffnung der Wahl: Beziehung oder nicht? Kinder oder nicht?
Da wollte man "die Freiheit", hat dafür sogar alles eingerissen, was man vorfand - und hat nun den Freien Markt dafür bekommen.
Jetzt merkt man auf einmal und wundert sich, daß alles, was früher mal umsonst war, heute was kostet.
Daß es sogar ausgesprochen teuer geworden ist. Eigentlich unbezahlbar.
Echt geil! Wirklich! Ein echter Sieg eben, ein Fortschritt. Es geht ja bekanntlich immer nur nach vorne...
Die Verpflichtung zur Rechtfertigung dafür liegt bei den Apologeten der Sexuellen Revolution.
Eure leuchtenden Versprechungen sind zu ihrem eigenen Gegenteil mutiet. Warum? Woran liegt das?
Die Liebe habt ihr abgeschafft: "kleinbürgerlich und unfrei" sei das! Was habt ihr stattdessen hervorgebracht?
Falsch. Erst die Freiheit ermöglicht Liebe. Die "gute" alte Zeit der Vernunftsehe, der arrangierten Partnerschaften, sie ist vorbei. Erst die Freiheit keine Beziehung zu führen macht es möglich eine Beziehung zu führen, die auf Liebe gründet, nicht auf den Zwängen, die Butler zutreffend als Zwangsheterosexuell beschrieb (und die schließen auch Singles aus). Menschen die sich nicht aneinander Ketten bleiben nur aus Liebe zueinander zusammen. Wer über die große Anzahl Singles lästert, die hohe Zahl von trennungen... Ja, daß ist ein Produkt der Freiheit. Aber: Die Gegenidee ist zusammenzubleiben ohne Rücksicht auf das eigene Leid und das des Partners. Wer Liebe so versteht, wird nie glücklich werden.
"In [den Industriegesellschaften] kennen die äußeren Möglichkeiten, Bedürfnisse zu befriedigen, kaum noch Grenzen. Von den Menschen wird geradezu gefordert, Bedürfnisse zu haben und als Konsumenten auszuleben. Dem werde auch die Sexualität unterworfen: Das Bedürfnis darf nicht versiegen, und wenn es versiegt, gilt dies als Leiden. Sex diene in der Erlebniskultur dazu, Erregungen und Empfindungen zu suchen und einzusammeln. Die alte Metapher vom mächtigen Trieb habe als Metapher der Sexualität ausgedient. An ihre Stelle setzt Schmidt die Metapher des designten Verlangens."
"Designtes Verlangen". So ist es wohl. Die Gesellschaft bestimmt, was mir gefällt.
Foucault. Es gibt keine ursprüngliche Sexualität. Sexualität als Identität zu betrachten, ist ein Prozess in dem Macht eine Person kreiert. Das wiederum unterscheidet die Erlebniskultur nicht von den kulturellen Konstellationen zuvor. Und auch dein Diskurs zielt auf die Regulierung und Erzeugung von bestimmten Sexualitäten. Und wie diejenigen, die du kritisierst führtst du ihn als Befreiungsdiskurs.
Das ist also mit "Freiheit" gemeint? Faszinierend!
Das kommt eben davon, wenn man sich von Anderen "befreien" läßt.
Brave Sklaven haben allerdings noch stets ihre Sklaverei bejubelt.
Immerhin darf man ja hoffen, daß sie manchmal auch ein wenig abwirft.
Es wäre lohnend, sehr sorgfältig über die Bedeutung von "Freiheit" nachzudenken.[/i]
Das stimmt...
Aber möglicherweise denkt der Mensch ja nur, daß er denken könne?
Vielleicht tut er in Wahrheit meistens viel lieber das, was man ihm sagt?
Die Arroganz eines Sklaven besteht nicht darin, daß er stolz wäre auf sich selbst.
Der Sklave ist stolz auf seinen Gebieter! Er selbst, weiß er, ist hilflos ohne dessen "Slogans für Alle".
Deswegen haben sie auch für alle zu gelten. So entstehen Moden und Ideologien.
Nicht zu vergessen: Kirchen und Konfessionen.
Und koste es ihn auch sein Leben: nie wird der Sklave seinem Herrn zu widersprechen wagen!
Die Stabilität jeder Sklaverei beruht darauf, daß sie von den Sklaven verteidigt wird.
Dafür darf der Sklave "Erregungen und Empfindungen einsammeln".
Sogar zum Sonderpreis. Täglich neu. Als freier Marktteilnehmer.
Ganz einsam - und nur solange er bezahlen kann, natürlich.
Gratulation!
Sagt der Nick
(bekanntermaßen "sexualfeindlicher Klerikalfaschist"
)
P.S.: Der Inhalt der heutigen "Geistes"-"Wissenschaft" scheint es übrigens geworden zu sein, sich selbst beim Verrücktwerden sorgfältig zuzuschauen.
Ja, denn wenn du schon intensiv über Freiheit nachdenkst, solltest du auch den Begriff der "Narrenfreiheit" nicht vernachlässigen. Vieleicht ist es die einzige.
Nein, denn eine psychische Störung ist nur bei Leidensdruck gegeben. Wer leidet (OK, Deleuze möchte zumindest Leiden, aber es geht ihnen dabei prächtig)?
susu
gesamter Thread:
- Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Nick,
28.12.2004, 11:55
- mein Senf -
ein weiterer Andreas,
28.12.2004, 12:32
- Verhandlungsmoral -
Arne Hoffmann,
28.12.2004, 14:05
- Re: Verhandlungsmoral -
Max,
28.12.2004, 14:56
- Re: Verhandlungsmoral - Arne Hoffmann, 28.12.2004, 17:39
- Re: Verhandlungsmoral - Ekki, 29.12.2004, 10:17
- Re: Verhandlungsmoral - Nick, 28.12.2004, 16:07
- Re: Verhandlungsmoral -
Max,
28.12.2004, 14:56
- Verhandlungsmoral -
Arne Hoffmann,
28.12.2004, 14:05
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
ein weiterer Andreas,
28.12.2004, 12:41
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Paul,
28.12.2004, 19:38
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat - Garfield, 28.12.2004, 20:40
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
ein weiterer Andreas,
28.12.2004, 21:59
- Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum -
Paul,
28.12.2004, 22:25
- Re: Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum - ein weiterer Andreas, 28.12.2004, 22:40
- Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum -
Paul,
28.12.2004, 22:25
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Guildo,
29.12.2004, 00:04
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat - Sven74, 29.12.2004, 01:46
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Paul,
28.12.2004, 19:38
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat - Guildo, 29.12.2004, 00:22
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
susu,
29.12.2004, 01:15
- Re: Die Mordernisierung - @Susu - Standing ovations! -
Ekki,
29.12.2004, 10:24
- Re: Die Mordernisierung - @Susu - Sitting ovulations! - Max, 29.12.2004, 10:33
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Max,
29.12.2004, 11:03
- Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle -
Ekki,
30.12.2004, 00:15
- Re: Die Mordernisierung ... @Ekki und alle - susu, 30.12.2004, 00:54
- Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle - Max, 30.12.2004, 01:28
- Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle -
Ekki,
30.12.2004, 00:15
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Nick,
30.12.2004, 12:43
- Meisterhaft ! Unbedingt lesenswert ! (n/t) - T.Lentze, 30.12.2004, 14:18
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Simon,
30.12.2004, 17:37
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Nick,
30.12.2004, 19:09
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Simon,
31.12.2004, 16:54
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat - Max, 31.12.2004, 19:12
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat - Nick, 31.12.2004, 19:45
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Simon,
31.12.2004, 16:54
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat -
Nick,
30.12.2004, 19:09
- Re: Die Mordernisierung - @Susu - Standing ovations! -
Ekki,
29.12.2004, 10:24
- Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - APPLAUS! Klasse, Nick! (n/t) - Max, 29.12.2004, 11:07
- mein Senf -
ein weiterer Andreas,
28.12.2004, 12:32