Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Da ises

Garfield, Friday, 07.05.2004, 16:35 (vor 7945 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Da ises von Emmalein am 07. Mai 2004 12:12:40:

Hallo Emmalein!

"Ich habe ja eine akademische Ausbildung, das ist ein Unterschied."

Und damit bist du schon mal keine Durchschnittsfrau, kannst also auch nicht einfach so von dir auf andere schließen.

"Der Status war mir persönlich aber auch eher unwichtig."

Wenn du sowieso schon überwiegend in "akademischen" Kreisen verkehrst, war das für dich ja auch nie ein Problem, da akademische Berufe oft einen hohen Status in der Gesellschaft haben.

Nehmen wir aber mal an, du hättest einen Mann kennen und lieben gelernt, der z.B. Müllmann wäre. Selbst wenn du damit erstmal kein Problem hättest - glaubst du wirklich, daß es dir gar nichts ausmachen würde, wenn Verwandte und Freunde sich darüber lustig machen? Wenn sie dir ständig zu verstehen geben, daß dein Partner ein Versager wäre?

"Das kann frau doch auch durch einen eigenen Job erreichen, und die Sicherheit ist viel weniger trügerisch."

Da gibt es aber ein Problem: Dafür muß frau etwas tun, und wenn sie Kinder möchte, dann möchte sie natürlich auch Zeit für ihre Kinder haben. Diese Zeit muß dann zwangsläufig vom Beruf abgehen, und wenn sie weniger oder gar nicht mehr beruflich arbeiten kann, verdient sie auch weniger oder gar nichts mehr. Dann ist es sehr praktisch, wenn der Partner gut verdient.

"Soll sie doch eher eine Beamtinnenkarriere anstreben als einen Mann heiraten!"

Menschen machen es sich aber gern einfach. Und durch Heirat zu Geld zu kommen, ist nun einmal einfacher als selbst dafür zu arbeiten. Viele Männer würden es sich auch gern so einfach machen - nur haben sie kaum Gelegenheit dazu.

"Es könnte sein, dass die Frauen einfach von der sozialen Sache begeistert sind, dass sie einfach sagen: Hey, diese Sache macht mir Spass, also mach ich die."

Ja ja, aber wieso entscheiden sich Frauen lieber für Berufe, die ihnen Spaß machen, während Männer sich eher für Berufe entscheiden, mit denen sie viel verdienen und dafür auch darauf verzichten, einen Beruf auszuüben, der ihnen wirklich Spaß macht?

"Arbeitslosigkeit trifft vielleicht Männer häufiger als Frauen, aber bei diesen Statistiken fallen einige Frauen ja auch als "schwer vermittelbar" raus, weil sie Alleinerziehende mit Kindern sind."

Na ja, aber die berücksichtigst du ja schon, wenn du schreibst, daß solche Frauen später weniger Rente bekommen! Es ist doch völlig egal, wieso jemand beruflich aussetzt - das wirkt sich immer negativ auf die Rente aus. Und zwar auch bei Männern. Auch viele Männer fallen aus der Arbeitslosenstatistik raus. Z.B. Obdachlose. Die weit überwiegende Mehrheit davon ist männlich.

"Es ist nicht so einfach, nach 10 Jahren Pause wieder in denselben Job einzusteigen, wo Du vorher warst. Meist kriegst Du nur etwas Niedrigqualifizierteres, weil Du den Arbeitgebern halt zu lange raus bist."

Klar, aber erstens bekommen Frauen in der Situation zusätzliche Unterstützung vom Arbeitsamt (die Männer nicht bekommen) und zweitens haben sie es generell leichter, nach Kinderbetreuungszeiten wieder in den Beruf zurück zu kehren. Das gilt bei ihnen nämlich als normal, während es bei Männern als Zeichen für geringes berufliches Engagement gilt. Selbst Frauen, die gar nicht wirklich gezwungen waren, für ihre Kinder ihren Beruf aufzugeben, finden immer Verständnis, wenn sie behaupten, daß es so gewesen wäre. Wenn ein Mann dagegen mehrere Jahre arbeitslos war, dann ist es für ihn auch sehr schwierig, wieder einen Job zu finden, und er muß hohe Gehaltseinbußen hinnehmen. Die sollen übrigens höher sein als die Gehaltseinbußen bei Frauen, die nach Kinderbetreuungszeiten in den Beruf zurück kehren.

"Und das schmälert dann schon die Rente, weil Du nicht mehr auf demselben level arbeitest. Ich kann deswegen nur jeder Frau raten, so schnell wie möglich wieder in einen Job einzusteigen. Sonst wird es sehr schwierig."

Ja, dazu würde ich auch raten. Aber viele sehen das Problem erst, wenn es akut wird, wenn sie also ihre mickrigen Renten bekommen. Manche Frauen in West-Deutschland regen sich ja auch darüber auf, daß die ostdeutschen Frauen im Durchschnitt höhere Renten bekommen und übersehen dabei geflissentlich, daß diese Frauen für ihre Renten auch jahrzehntelang auf Vollzeit gearbeitet haben, während sie selbst es sich als Hausfrauen, maximal noch mit einem Teilzeitjob oder womöglich mit einem nicht angemeldeten und damit rentenversicherungslosen Putz-Job, bequem gemacht haben.

"Nun ja, wenn Du besagtem Freund dazu rätst, darüber zu schreiben, dann könntest Du ja auch zumindest in diesem Forumsrahmen Werbung für das Buch machen."

Ja, das könnte ich - wenn ich jemanden kennen würde, der promovieren möchte. Leider kenne ich aber niemanden. Dafür mache ich Werbung für Arnes Buch, wo immer sich eine Gelegenheit dafür ergibt. :-) Hast du es mittlerweile ganz gelesen? Und wenn ja: Bist du immer noch so skeptisch?

Freundliche Grüße
von Garfield


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