Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Da ises

Emmalein, Friday, 07.05.2004, 15:12 (vor 7945 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Da ises von Garfield am 07. Mai 2004 11:47:21:

Hi, Garfield,

"Geld ist mir nicht wirklich wichtig, wenn ich mich verliebe."
Das bedeutet aber eben auch, daß du offensichtlich wenig Wert darauf legst, einen Partner zu haben, der später die Kindererziehung übernimmt. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, daß du einen Partner mit niedrigem Einkommen ablehnen würdest - aber es ist dir eben auch nicht wichtig, so einen Partner zu finden. Offensichtlich bereitet dir also die Vorstellung, daß du vielleicht selbst für die Kinder zu Hause bleiben wirst, gar nicht so ein großes Kopfzerbrechen.

Nein; Du weisst, was wir privat planen, das habe ich Dir schon erzählt. Wir haben das sehr genau durchgesprochen - und ich bin immer Optimistin, was meine Partnerschaften angeht, und glaube, dass sie halten. Wir haben eine Lösung gefunden, mit der wir das Ganze so regeln können, dass es für uns beide zur Zufriedenheit läuft. Das geht aber nur, weil ich ein sehr viel höheres Einkommen haben werde als die Durchschnittsfrau. Ich habe ja eine akademische Ausbildung, das ist ein Unterschied.

"Ich bin also absolut nicht materialistisch bei meiner Partnerwahl vorgegangen, ganz im Gegensatz zu dem ,was meist von vielen Maskulisten über Frauen behauptet wird."
Ich persönlich glaube nicht daran, daß es Frauen, die sich bewußt oder unbewußt Männer mit hohem Einkommen suchen, dabei immer nur direkt um Geld und um Luxus geht. Es gibt zwar solche Frauen, aber ich denke, meist sind andere Gründe da wichtiger.
Die Ernährerfunktion gehört fest zum althergebrachten Männerbild, und deshalb finden Frauen Männer eben "männlicher", wenn sie dieser Funktion möglichst gut gerecht werden. Viele Frauen wünschen sich Männer, zu denen sie "aufschauen" und auf die sie stolz sein können, Männer, um die ihre Freundinnen sie beneiden. Deshalb legen Frauen oft auch Wert darauf, daß ein Mann eine gewisse Intelligenz hat. Dahinter steckt letztendlich auch wieder die Erwartung, daß ein solcher Mann durch seine Fähigkeiten eben ein besserer Ernährer ist.
Viele Frauen legen auch sehr wohl Wert auf einen gewissen gesellschaftlichen Status. Im Gegensatz zu Männern konnten sie einen solchen Status schon immer ohne eigene Leistung einfach nur durch Heirat bekommen. In früheren Zeiten ließ sich die Frau eines Generaldirektors dann auch üblicherweise mit "Frau Generaldirektor" anreden, obwohl sie selbst diese berufliche Stellung ja gar nicht hatte.

Der Status war mir persönlich aber auch eher unwichtig. Es ist einfach so, dass gleich und gleich sich einfach gern gesellt. Es mag arrogant klingen, aber eine akademische Ausbildung merkt frau Männern darin an, dass frau sich mit denen meist anders unterhalten kann. Und das macht mehr Spass, dieser Typ Mann ist spannender.

Und letztendlich bietet ein hohes Einkommen natürlich finanzielle Sicherheit. Selbst wenn eine Frau keinen Wert auf Luxus legt - es ist auch dann ein gutes Gefühl, zu wissen, daß man sich viel leisten kann und zumindest in absehbarer Zeit keine finanziellen Probleme haben wird.

Das kann frau doch auch durch einen eigenen Job erreichen, und die Sicherheit ist viel weniger trügerisch. Eine Frau, die Beamtin wird, hat eine finanzielle Sicherheit, die ihr kein Mann bieten kann. Soll sie doch eher eine Beamtinnenkarriere anstreben als einen Mann heiraten!

Jain. Die Qualifikation spielt schon auch noch eine Rolle.
"Ausserdem gibt es viele Frauen, die gerne etwas machen möchten, was mit Menschen zu tun hat. Das sind aber dann oft Berufe im sozialen Bereich. Dafür ist aber meistens nicht so viel Geld da."
Und was meinst du, wieso vor allem Frauen sich für solche Berufe entscheiden? Wieso Frauen ein niedriges Gehalt weniger abschreckt als Männer?

Keine Ahnung. Da könnte man mehrere Hypothesen aufstellen:

1. Es könnte sein, dass die Frauen einfach von der sozialen Sache begeistert sind, dass sie einfach sagen: Hey, diese Sache macht mir Spass, also mach ich die. Die Erziehung von Mädchen im traditionellen Stil war ja auch eine, die eher zu einer Arbeit im sozialen Bereich passte (Puppenspiel, Nähen, Häkeln, Stricken lernen, Kochen lernen, Haushaltsführung - das alles hat mehr mit anderen Menschen als mit Technik zu tun). Und ein wenig gibt es ja bei Frauen auch noch das Ideal, dass sie etwas für andere tun sollen, selbstlos sein sollen. Das gilt für Männer im klischeehaften Sinn weniger, die sollen sich vor allem durchsetzen können. Das passt weniger zu sozialen Tätigkeiten.

2. Es könnte sein, dass manche Frauen es einkalkulieren, irgendwann zu heiraten und dadurch finanzielle Defizite auszugleichen Ist aber eine ziemlich dumme Rechnung anhand der Destabilität von Beziehungen heute. (Ich erlebe gerade eine Scheidung life mit - aber Du kannst Dir sicher sein, finanzielle Gründe hatte diese Scheidung nicht, finanziell stünden sich beide, sowohl sie als auch er, bedeutend besser, wenn sie zusammenblieben).

"Das Problem: Die höchste Fruchtbarkeit bei Frauen liegt nun mal bei Mitte 20. Danach nimmt die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, rapide ab."
Aber im Alter um die 30 klappt das meist schon noch!

Nicht mehr ganz so gut, dazu habe ich neulich einen Artikel in der Zeit gelesen.

"Die meisten, die heute dabei sind, mussten warten, bis die Kinder 10 oder 12 Jahre waren! 10 oder 12 Jahre machen einen Riesenbatzen an Rentenzahlungen aus."
Ja, aber Männer kommen durch Wehr- oder Zivildienst und Zeiten von Arbeitslosigkeit heute immer öfter auch locker auf 10 Jahre, in denen sie nur geringe oder gar keine Rentenbeiträge zahlen konnten!

Wehr- oder Zivildienst dauern höchstens 2 bis 3 Jahre. Arbeitslosigkeit trifft vielleicht Männer häufiger als Frauen, aber bei diesen Statistiken fallen einige Frauen ja auch als "schwer vermittelbar" raus, weil sie Alleinerziehende mit Kindern sind. Von daher weiss ich nicht genau, ob die Statistiken wirklich so stimmen. So kann die Arbeitslosigkeit hier nicht zählen.

Außerdem sind die Frauen, die nur mal 10 Jahre für Kinder beruflich aussetzen mußten, ja gar nicht das Problem. Wenn sie ansonsten auf Vollzeit gearbeitet haben, kriegen sie ja trotzdem noch eine passable Rente. Problematisch ist das vor allem für diejenigen, die fast ständig Hausfrauen waren und maximal noch auf Teilzeit gearbeitet haben. Und die können sich nicht einfach damit herausreden, daß sie ja nur für die Kinder ihre Karriere aufgeben mußten.

Es ist nicht so einfach, nach 10 Jahren Pause wieder in denselben Job einzusteigen, wo Du vorher warst. Meist kriegst Du nur etwas Niedrigqualifizierteres, weil Du den Arbeitgebern halt zu lange raus bist. Und das schmälert dann schon die Rente, weil Du nicht mehr auf demselben level arbeitest. Ich kann deswegen nur jeder Frau raten, so schnell wie möglich wieder in einen Job einzusteigen. Sonst wird es sehr schwierig.

"Doktorarbeiten müssen immer veröffentlicht werden, das ist das Wesen einer Doktorarbeit. Es gibt kleine Verlage, die sich sogar auf die Veröffentlichung von Doktorarbeiten spezialisiert haben."
Ja, aber was nützt es denn, wenn so ein kleiner Verlag ein paar hundert Exemplare einer Doktorarbeit veröffentlicht, die dann in irgendwelchen Archiven und Fachbibliotheken verschwinden? So kriegen sie vielleicht mal einige Fachleute zu lesen, aber die Öffentlichkeit bekommt davon kaum etwas mit. Das ist doch keine wirkliche Veröffentlichung.

Nun ja, wenn Du besagtem Freund dazu rätst, darüber zu schreiben, dann könntest Du ja auch zumindest in diesem Forumsrahmen Werbung für das Buch machen.. Bei dem Buch von Arne Hoffmann und mir hat das ja auch funktioniert.

Es grüsst
das Emmalein


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