Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Da ises

Garfield, Thursday, 06.05.2004, 20:30 (vor 7946 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Da ises von Emmalein am 06. Mai 2004 14:38:14:

Hallo Emmalein!

"vom Stil her konnte das ganze aber so verstanden werden - das habe ich kritisiert."

Man kann alles irgendwie anders verstehen als es gemeint ist. So gesehen dürfte man sich überhaupt nicht irgendwie äußern.

"Von mir ist immer wieder gesagt worden, ich sei Feministin."

Ich halte nicht viel davon, Menschen in Schubladen einzuordnen. Wer sich selbst in so eine Schublade setzt, muß eben damit leben, dann darin zu stecken.

Was nun dich angeht: Ich halte dich nicht für eine typische Feministin, und schon gar nicht für eine Radikalfeministin.

"Wenn also das Unterhaltsrecht tatsächlich zu einer extremen Männerarmut führt (gibt es dazu eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen?)"

Ja, ich hatte ja in einem anderen Beitrag auch mal so eine Studie zur Lebenssituation geschiedener Väter erwähnt, die du allerdings nicht akzeptieren wolltest...

"...muss man den Selbstbehalt erhöhen. (Ausserdem sollte, wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, der Ehegattenunterhalt wegfallen, weil er auf einem veralteten Frauenbild beruht, heute kann jede Frau trotz Ehe arbeiten gehen - nur Kinder erschweren die Situation in D leider ziemlich.)Und wenn die Gesundheitsvorsorge für Männer massiv schlechter ist als für Frauen, muss sich das angleichen. Und wenn Männer nicht die gleichen Pflichten, sondern mehr haben in Staatsbürgerlicher Form, wie bei der Wehrpflicht, muss das abgeschafft werden."

Ja, und genau das sind ja auch für viele Leute hier im Forum ganz wesentliche Punkte.

"Nun ja, aber ich schreibe in einem feministischen Forum, das sogar aus dem alten "Emma-Forum" entstanden ist, und zumindest hier immer als feministisches Forum bezeichnet wird (man kann es auch anders sehen), in dem genau so ein Teilnehmer von dem ich hier gerade berichtet habe, existiert und munter seine Beiträge verfasst. Und die Administratrix sieht es als Zeichen ihrer demokratischen Gesinnung an, dass dieser Typ da schreiben darf."

Sicher gibt es sowas auch. Aber nach meinen persönlichen Erfahrungen ist das eine Ausnahme.

"In dem Zusammenhang finde ich es sehr abartig, dass es möglicherweise Teile der Männerbewegung gibt,die Dossiers über Andersdenkende anlegen und da auf einen Zeitpunkt warten, wann sie die nutzen können, um irgendwelche Anzeigen zu erstatten."

"Emmalein, dieser Beitrag stammte von irgendeinem Spinner. Und er wurde hier obndrein auch längst gelöscht. Wieso verallgemeinerst du sowas?"

"Die Formulierung war "möglicherweise" und "einige Teile". Möglicherweise enthält, dass es so nicht unbedingt sein muss. Einige Teile sagt aus, dass nicht alle gemeint sind, also keineswegs verallgemeinert wird. Ich hoffe, das war jetzt eindeutig genug."

Wie kann man etwas, das mit hoher Wahrscheinlicht noch nicht einmal geschehen ist, abartig finden? Übrigens hat es von feministischer Seite immer wieder Denunziationen und auch Anzeigen gegen Männerrechtler gegeben. Ich habe auch schon von Fällen gehört, in denen persönliche Infos, die jemand per Mail geschrieben hatte, in feministischen Foren breitgetreten wurden. Es ist durchaus möglich, daß hinter diesem ominösen Beitrag auch wieder irgendeine fanatische Radikal-Feministin steckte. Ich weiß zwar nicht, wozu sowas gut sein sollte, aber die wirren Gedankengänge solcher Internet-Junkies will ich gar nicht nachvollziehen.

"Männerorientiert soll die Gesellschaft ja gar nicht unbedingt sein, sondern patriarchial orientiert. Sprich: An einer bestimmten Vorstellung von Mann und Frau orientiert. An bestimmten Rollenbildern, die inzwischen teilweise überkommen sind, aber dennoch von vielen Teilen der Gesellschaft liebevoll gepflegt werden;-)."

Jetzt verfällst du wieder in typisch feministisches Verhalten, indem du das Wort "patriarchal" verwendest. Dieses Wort ist gerade bei Radikalfeministinnen außerordentlich beliebt, weil es mittlerweile eine Doppelbedeutung hat. Da ist zum einen die ursprüngliche Bedeutung, also "altväterlich" bzw. "altmodisch". Dann gibt es aber noch die zweite, neue Bedeutung, also eben soviel wie "männerorientiert" oder "von Männern bestimmt". Diese Doppelbedeutung ermöglicht es Feministinnen, alle möglichen Behauptungen aufzustellen und Diskussionen darüber anschließend auszuweichen. Wenn eine Feministin beispielsweise sagt, daß unsere Gesellschaft patriarchal wäre, dann meint sie damit nicht, daß sie altmodische Werte hat, sondern sie meint, daß sie von Männern bestimmt wird. So wird das dann im Allgemeinen auch verstanden. Wenn nun ein Mann dagegen argumentiert, weicht die Feministin einfach auf die ältere Bedeutung des Wortes aus und behauptet, sie hätte damit gemeint, daß eben viele altmodische Vorstellungen in unserer Gesellschaft noch existieren. So können Feministinnen auch prima das "Patriarchat" für sämtliche Mißstände verantwortlich machen. Sie schieben damit die Verantwortung für diese Mißstände auf die Männer ab, wenn aber jemand dagegen argumentiert, weichen sie genauso aus und tun so, als hätten sie das ja ganz anders gemeint.

Wieso haben viele Feministinnen so etwas nötig? Wieso scheuen sie vor offenen Diskussionen zurück? Wieso gehen manche Feministinnen sogar so weit, Logik als "patriarchal" zu bezeichnen?

"Auch Männer können Probleme mit den alten überkommenen patriarchialen Rollenvorstellungen haben, vor allem in Bereichen, die als von der Frau beherrscht angesehen wurden (wie etwa Kinderbetreuung)."

Nicht nur dort. Die Wehrpflicht für Männer verdanken wir auch diesen alten Rollenbildern, und das Militär ist ja nun gerade kein Bereich, der traditionell von Frauen beherrscht wird. Diese alten Rollenbilder wurden aber weniger von Frauen oder Männern geprägt, sondern vor allem durch die Verhältnisse in früheren Zeiten.

"Ich habe mir meine Partner nie nach Verdienst ausgewählt."

Das bedeutet aber auch, daß du dir nicht bewußt einen Partner gesucht hast, der weniger verdient als du und so dann mit einem eventuellen Kind zu Hause bleiben wird. Warum nicht?

"Da gibt es also genug Leute. Deswegen sind die Gehälter in akkademischen Bereichen, in denen es auch viele Frauen gibt, nicht so exorbitant hoch."

Und was meinst du, wieso viele Frauen nicht viel Neigung zeigen, in einen Beruf zu gehen, der sehr gut bezahlt wird?

"Die Kinder brauchen aber gerade dann intensive Betreuung, wenn die Kinderlosen mit ihrer Karriere richtig durchstarten können. Die Frauen, die zu Hause bleiben, haben einen Riesen-Karrierenachteil."

Ja, nur wieso müssen denn manche Frauen unbedingt mit Anfang 20 oder womöglich noch früher schwanger werden? Es ist doch heute gar kein Problem, mit Ende 20 oder Anfang 30 ein Kind zur Welt zu bringen. Dann hat eine Frau Ausbildung und/oder Studium längst fertig und auch schon mehrere Jahre Berufserfahrung, und der Karriere-Nachteil verringert sich erheblich.

Ich persönlich kenne eine Frau, die ganz bewußt nur deshalb schwanger geworden ist, damit sie sich den Streß mit Schule und Ausbildung nicht antun muß. Ihren Schulabschluß hat sie bis heute nicht nachgeholt. In ihrem Heimatland ist es so, daß eine Frau nach einer Geburt zwei Jahre lang eine Art Gehalt vom Staat bekommt (dafür gibt es dort kein Kindergeld, glaube ich). Pünktlich nach Ablauf dieser zwei Jahre wurde sie prompt gleich wieder schwanger. Rate mal, wieso!

Irgendwann kommen solche Frauen nun einmal an den Punkt, an dem sie erkennen, daß sie sich damit vieles verbaut haben. Andere Frauen, die sich in Ausbildung und Beruf mehr ins Zeug gelegt haben, verdienen gutes Geld, während sie selbst von ihren Partnern ernährt werden oder womöglich von Sozialhilfe leben. Es ist nur menschlich, die Schuld daran nicht bei sich selbst zu suchen, sondern bei anderen. Und dann, wenn man erkennt, daß man wohl auch kaum Rente kriegen wird, eine volle Rente für ein paar Jahre Kindererziehungszeit zu verlangen.

"Die Kindererziehung wird nur sehr geringfügig in der Rente mit berücksichtigt..."

Unternehmen müssen ja während des Erziehungsurlaubs das Gehalt zumindest zum Teil weiter zahlen. Dafür werden dann doch sicher auch Rentenbeiträge gezahlt. Und für die Riesterrente zählen bei Frauen Kinder auch mit.

"Wenn sich jemand für das Thema interessiert, dann kann er dazu eine wissenschaftliche Untersuchung durchführen."

Ja, Emmalein, wahrscheinlich haben das sogar schon enige Leute getan, vor allem im Rahmen von Doktor-Arbeiten. Und wir wissen davon nur deshalb nichts, weil diese Studien niemals veröffentlich worden sind. Weil Probleme von Männern in unserer Gesellschaft nach wie vor zweitranging sind. Männer haben ihre Probleme gefälligst selbst zu lösen. Das gilt so schon seit Jahrtausenden.

Und irgendwelche Institute machen nur Studien, wenn sie dafür bezahlt werden. Da Männerprobleme in unserer Gesellschaft aber weitgehend uninteressant sind, zahlt niemand dafür. So einfach ist das im angeblichen Patriarchat.

"Das Rentenrecht orientiert sich an der ununterbrochenen Erwerbsbiografie, die überwiegend Männer haben..."

Mittlerweile haben sie die keineswegs mehr so häufig. Das Rentenrecht orientiert sich vor allem an der Tatsache, daß für Renten Beiträge gezahlt werden müssen. Und das kann nun einmal effektiv nur jemand tun, der erwerbstätig ist. Für Männer, die lange arbeitslos waren, ist das auch ein Problem.

"...die Sprache (wenn man die als Recht sieht) orientiert sich an der männlichen Form als Norm..."

Nicht immer. DIE Sprache beispielsweise ist weiblich! :-) Hast du schon einmal Beschwerden von Männern darüber gehört? DIE Beschwerde ist übrigens auch weiblich... Wieso eigentlich? :-)

"das Scheidungsrecht verwendet Vokabeln, die eher aus männlicher Sicht Sinn machen (SorgeRECHT, aber UnterhaltsPFLICHT, als ob die Sorge nicht auch mit vielen Pflichten verbunden wäre!)"

Viele Frauen sehen das Sorgerecht aber durchaus als Recht an, für das sie mit Händen und Füßen und allen nur erdenklichen Mitteln kämpfen.

Ich wünsche dir viel Spaß am Wochenende!

Freundliche Grüße
von Garfield


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