Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Sorry, Odin :-)

Rüdiger, Wednesday, 21.01.2004, 01:49 (vor 8052 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Sorry, Odin :-) von Odin am 17. Januar 2004 16:19:07:

Nur einfach soll man es sich auch nicht machen: Kommunismus Scheiße, Kapitalismus gut.

Nö, aber die Lektüre des "Schwarzbuchs des Kommunismus" möchte ich mal empfehlen. Wenige Tage nach der Machtergreifung der Bolschewiki trat die freigewählte Duma zusammen. In der hatten Linksparteien (Menschewiki, Sozialrevolutionäre) eine solide Mehrheit; aber nein, die Bolschewiki waren ja im Alleinbesitz der Wahrheit (prawda) und unfähig zum Kompromiß, unfähig, wirklich auf die Anliegen der einfachen Massen einzugehen, und maßlos überheblich und theoriegläubig. "Eine Verbindung zwischen Diktatur und Kommunismus wäre die schlimmste Wendung, die die Geschichte nehmen könnte" (der Anarchist Bakunin). Genau diese schlimmste Wendung hat die Geschichte genommen. "Der Krieg gegen das eigene Volk beginnt" ist ein Kapitel des "Schwarzbuchs" überschrieben - und nach wenigen Wochen hatten die Kommunisten mehr Tote auf dem Gewissen als das Zarenreich in Jahrzehnten.

Schon vor 1914 hatte die industrielle Entwicklung des Zarenreiches begonnen - was an wirtschaftlicher Entwicklung unter dem Kommunismus geschafft wurde, hätte gewiß auch ein freiheitliches System erreicht, ganz abgesehen davon, daß "wirtschaftliche Entwicklung" niemals die Entschuldigung für derartige Verbrechen gegen die Humanität sein kann. Tut mir leid, aber wenn ich Sätze sehe wie "Rußland verdankt den Kommunisten viel" (und damit nicht Elend und Tod gemeint ist), wird mir ganz anders...

Möchte nicht wissen, wie es ohne den Kommunismus jetzt in Rußland oder China aussehen würde

Na zum Beispiel so wie in Taiwan: Schulen für alle, (relativer) Wohlstand für alle, bei allen Mängeln ein wesentlich höherer Lebensstandard als in der VR China. Vor einigen Jahren war mal ein Bericht in der FAZ über Chinesen, die 1950 in Korea, glaub ich, in südkoreanische Kriegsgefangenschaft gerieten; der eine ließ sich in die VR China entlassen: Resultat: Ein verpfuschtes Leben. Armut und Not, ideologische Drangsalierung in der Kulturrevolution und und und ..... Der andere ging nach Taiwan: Resultat: Dort zahlt sich Arbeit auch aus in ganz normalem "bürgerlichem" Erfolg. Verbittert muß der "Rotchinese" erkennen, daß er durch eine falsche Entscheidung sein ganzes Leben wesentlich härter, schwieriger und fruchtloser gemacht hat als der "Taiwanese".

O D E R bei uns, da durch den Kommunismus die Kapitalisten auch gesehen haben, so gehts nicht, wir müssen unser Volk bei der Stange halten.

Sozialstaat hätt's auch so gegeben, ich glaub diese These nicht, daß das nur wegen des drohenden Kommunismus eingeführt wurde. Ist ja auch viel älter, begann schon unter Bismarck (allerdings wegen der "drohenden Sozialdemokratie", na ja, also doch was dran ;-), wurde ausgebaut in der Weimarer Republik etc.

Herzliche Grüße

Rüdiger


gesamter Thread:

 

powered by my little forum