Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Männertod durch Gender Mainstreaming

Maesi, Saturday, 13.09.2003, 14:22 (vor 8181 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männertod durch Gender Mainstreaming von Lars am 08. September 2003 19:31:23:

Hallo Lars

Ich finde, falsch am "Gender-Mainstreaming"-Konzept ist nicht die Grundidee, alle Systeme auf Diskriminierungspotentiale zu checken; falsch ist nur, daß dies nur, bzw. vorrangig mit Blick auf etwaige Frauendiskrimierung geschehen soll.
Sollten wir nicht anstatt generell die Idee eines Diskriminierungs-Checks abzulehnen, vielmehr die KONSEQUENTE Ausweitung des Gender-Mainstreaming im Sinne eines fäiren Interessen-PLURALISMUS fordern, also die explizite Einbeziehung des Problems des Männerdiskriminierung (mit Männer-Beauftragten ect.)? Wir sollten das Definitionsmonopol der Feministinnen in Gender-Fragen angreifen und dem Thema Gleichstellungspolitik durch OFFENSIVE, POSITIVE Forderungen seine einseitig-feministische Schlagseite nehmen, so daß die Feministinnen in der Öffentlichkeit die unvorteilhafte Rolle der Privilegien-Verteidigerinnen einnehmen müssen!

MalSehen hat ja bereits auf die Schwammigkeit des 'Konzeptes' hingewiesen. Gender-Mainstreaming (GM) geht davon aus, dass Frauen und Maenner jeweils eigene Lebenswirklichkeiten kennen und deshalb jeweils in dessen Licht beurteilt werden muessten. Da stellt sich schon mal die Frage, worin bestehen diese maennlichen und weiblichen Lebenswirklichkeiten und wer setzt die Kriterien dafuer fest? Wie soll man sowas einigermassen plausibel in Gesetzesnormen giessen? Inwieweit besteht dann ueberhaupt noch die Maxime 'vor dem Gesetz sind alle gleich'? Hat womoeglich ein Baecker ebenfalls eine andere Lebenswirklichkeit als ein Bankdirektor oder ein Showmaster? Hat nicht auch der Moslem eine andere Lebenswirklichkeit als ein Christ? Und weshalb sollten die nicht auch jeweils unterschiedlich beurteilt werden? Wir begeben uns da auf das Feld der Beliebigkeit und Willkuer, die gerade im Verhaeltnis zwischen Buerger und Staat ueberhaupt nichts zu suchen haben sollten.

GM geht wesentlich weiter als die konventionellen Gesetzesnormen und versucht nicht bloss irgendwelche vom Gesetzgeber erlassenen Verbote oder Gebote durchzusetzen. Es geht hier vielmehr darum, den Buerger im Sinne einer als 'richtig' postulierten Ideologie zu formen. GM soll uns alle erfassen - auch in unserer Privatsphaere. Etwas salopp formuliert: es handelt sich um eine kollektive (Um-)Erziehungsstrategie, die zugegebenermassen geschickt in wohlklingende Worte gekleidet wurde. Ausserdem sollen die verschiedenartigen Menschen ausschliesslich aus einer einzigen Perspektive heraus, naemlich aus der Geschlechtszugehoerigkeit heraus, beurteilt werden. Es ist eines der typischen Merkmale von totalitaeren Ideologien, dass sie die Welt von einem bestimmten Blickpunkt heraus erklaeren und/oder formen wollen.

Die (wohl feministischen) Autorinnen gehen davon aus, dass bei einer bestimmten Massnahme saemtliche relevanten Konsequenzen (zumindest im Geschlechterbereich) beruecksichtigt und einigermassen sicher quantifiziert werden koennten; das ist jedoch, wissenschaftlich gesehen, reines Wunschdenken. Die auch nur kurzfristigen Konsequenzen einer bestimmten Entscheidung koennen in einem solch komplexen System voller Abhaengigkeiten untereinander unmoeglich ermittelt werden: bereits das (unvermeidliche) geringfuegige Andersinterpretieren von einzelnen Eingangsparametern durch unterschiedliche Personen wuerde haeufig zu gaenzlich anderen Ergebnissen fuehren. Noch schlimmer: bei gleichinterpretierten Eingangsparametern koennte sich, je nach Wahl des zeitlichen Betrachtungshorizonts (1 Monat, 1 Jahr, 1 Jahrzehnt), ein und dieselbe Entscheidung sowohl als richtig als auch falchs entpuppen.

In der Praxis koennte also nicht nach objektiv-wissenschaftlichen Kriterien entschieden werden; der einzelne Konsequenzenpruefer muesste vielmehr subjektiv-intuitiv entscheiden, wodurch wir bei der von mir prognostizierten Willkuer waeren. Ausserdem: selbst wenn flaechendeckend nur oberflaechlich die geschlechterpolitischen Konsequenzen einer jeden relevanten Entscheidung untersucht wuerden, haetten wir es mit einem atemberaubenden, geldverschlingenden Administrationsmoloch zu tun, der saemtliche parkinsonschen Alptraumszenarien von Buerokratie zur Realitaet werden liesse.

Fazit: Frau Braun-Ferenczi hat den totalitaeren Ansatz von GM recht treffend geschildert, ebenso Dr. Michael Bock; dass in der Praxis fast ausschliesslich Frauen in der Geschlechterpolitik taetig sind, verschlimmert dieses Problem lediglich zulasten der 'Maennerseite', es beruehrt aber nicht den 'faulen Kern' des GM. Nein, Lars, der Ansatz ist IMHO schon grundfalshc, indem eine bestimmte Ideologie den Menschen von Staates wegen anerzogen werden soll. Dies widerspricht dem liberalen Gedankengut von Toleranz, auf das die meisten westlichen Demokratien bauen, es liquidiert die Verschiedenartigkeit der Menschen zugunsten eines aufgezwungenen Egalitarismus. Wir haben genuegend Gesetze, die Diskriminierungen (nicht nur aufgrund des Geschlechts) verbieten. Es ist aber nicht einzusehen, dass Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts (und nur diese) mittels GM einen Sonderstatus gegenueber saemtlichen anderen Diskriminierungsformen (z.B. Auslaenderdiskriminierung, Antisemitismus) erhaelt. Beachte bitte, dass meine Kritikpunkte grundsaetzlicher Art sind; welches Geschlecht durch die real existierende GM-Buerokratie bevorzugt wird, ist dabei voellig unerheblich.

Als Lektuere empfehle ich ausserdem Michails treffliche Analyse der Definition von GM innerhalb der EU (siehe Link). Dort sehen wir, dass bereits die Grundlage auf EU-Ebene frauenbevorzugend ist. Da stellt sich die Frage, ob der theoretische Ansatz von GM, den Du als gut erachtest, nicht bloss eine Chimaere ist. Klaere uns doch bitte auf, welchen GM-Ansatz Du meinst, wo man den Text nachlesen kann und welche praktische Bedeutung er hat.

Gruss

Maesi

http://www.maskulist.de/debatte3.htm#debatte3b


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