Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Anklage ist die beste Verteidigung

Lars, Wednesday, 10.09.2003, 17:19 (vor 8184 Tagen) @ Simon

Als Antwort auf: Re: OFFENSIV argumentieren! von Simon am 09. September 2003 17:22:50:

Diese feministischen Falschbehauptungen von den männlichen Privilegien und dem Niederhalten von Frauen müssen zuerst einmal öffentlichkeitswirksam widerlegt werden, bevor positive Forderungen überhaupt Gehör finden.

Hallo Simon,

Du verwechselst da öffentliche Debatten mit einem systematisch vorgehenden sozialwissenschaftlichen Seminar! In öffentlichen Debatten zählen nicht allein logische Argumente, sondern vor allem das "Gesprächsklima".

Und wir haben (zumindest hier und jetzt) ein ganz klar Kläger-freundliches öffentliches Diskussionsklima, d. h. die Masse der Öffentlichkeit ist - grundsätzlich, unabhängig von der Materie -´eher geneigt dem Kläger Glauben zu schenken als dem Angeklagten (nach dem volkstümlichen Motte: "Na, wo Rauch aufsteigt, wird auch irgendwo ein Feuer sein.") Wer sich verteidigt hat in aller Regel die schlechteren Karten und wird schon als halb-schuldig wahrgenommen, egal ob in der Talk-Show oder im Wahlkampf. Absurd, aber so läuft es!

Außerdem:

Wenn Du in einer Polit-Talkrunde gegen eine Feministin antritts und dann erstmal deren Diskriminierungsvorwürfe widerlegen willst, wirst Du 2 Stunden lang nur auf ihre Vorwürfe und Verdächtigungen REAGIEREN, im Mittelpunkt wird 2 Stunden lang mal wieder die Situation DER FRAUEN stehen, und die Frage, wie sehr sie nun tatsächlich diskrimiert werden; selbst wenn es Dir in der Zeit gelingt, alle Anschuldigungen zu widerlegen, hat die Feministin immerhin erreicht, daß die umgekehrte Frage der Diskriminierung von Männern allenfalls ganz indirekt und am Rande zur Sprache kam.

Deshalb sage ich: Anklage ist die beste Verteidigung. Die Femeinistinnen werden einem dann natürlich vorwerfen, zu "jammern". Aber damit tun sie sich in unserer kläger-freundlichen Öffentlichkeit langfristig keinen Gefallen, sie kommen dann rüber wie die "selbstzufriedenen und kritikunfähigen Paschas", von denen sie immer geredet haben. Die von Arne Hoffmann irgendwo unten berichtete empörte Reaktion einer "Allegra"-Leserin (!) auf einen herablassend-zynischen "Allegra"-Kommentar zum Thema Scheidungs-Unrecht, ist ein Beispiel dafür, daß der "Hört-doch-auf-zu.jammern!"-Spott auch nach hinten losgehen kann.

Zum GM selbst:

Nicht alle Männer-Benachteiligungsfelder sind den Feministinnen zu verdanken. Die reine Männerwehrpflicht und die ideologische Überhöhung der Mutter im Sorgerecht reichen viel weiter zurück. Andererseits gibst, bzw. gab es jenseits aller feministischen Polemeik auch ein paar tatsächliche Frauen-Benachteiligungsfelder (etwa die Schwierigkeit, nach der Baby-Pause wieder in den Beruf reinzukommen; hier war die Forderung nach frauengerechteren Regelungen doch nachvollziehbar).

Insofern würde ich schon die Losung ausgeben: Gender-Mainstreaming IN BEIDE RICHTUNGEN.

Gruß
Lars


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