Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Frauen an die Regierung!

Bruno, Saturday, 06.09.2003, 01:49 (vor 8188 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Frauen an die Regierung! von Lars am 05. September 2003 20:08:09:

- Sie werden nun von der GESAMTEN Bevölkerung aufmerksam beobachtet und brauchen Stimmen aus der weiblichen UND männlichen Bevölkerung (ganz anders als die bisherigen partei-internen Frauen-Politikerinnen!)

...das bringt aber nichts. Die Politikerinnen machen vorweg auf gemäßigten Feminismus und wenn die Wahl rum ist packen sie den Hammer aus. Schau dir doch mal die Antworten von Frauenpolitikerinen an, die man bekommt auf Anfragen. Alles halb so schlimm. Da steht dann, sie setzen sich selbstverständlich für Frauen und Männer ein und blablabla.

- Nun, da dem Symbolfeminismus genüge getan ist, werden die WählerINNEN ihre Entscheidung entlang ihrer allgemeinpolitischen Parteienpräferenzen treffen;

...das bringt auch nichts. Wenn Mann nur zwischen Feministin 1 und Feministin 2 wählen kann, wählt Mann halt das kleinere Übel und nach der Wahl? Siehe oben.

- die WählER dagegen wären angesichts der erstmaligen Wahl zwischen zwei Kanzerlerkandidatinnen irritiert bis alarmiert, und werden feministische Untertöne im Wahlkampf nicht mehr so gelassen überhören wie bisher.

...tut mir leid, sehe ich anders. Im Wahlkampf wird die eine Feministin die andere durch besseren und stärkeren Feminismus überzeugen wollen. Denn eins ist uns ja allen klar. Feministische Politik zu betreiben ist heute schick und modern. Sich für Männer einzusetzen ist politischer Selbstmord.

D. h. sowohl Schmidt als auch Merkel werden peinlichst bemüht sein, kein "Männerhasserin"-Image zu kriegen und ggf. sogar feministische Eifererinnen aus den eigenen Reihen zurückpfeiffen! Das gleiche gilt nach der Wahl auch für die Regierungspolitik. Keine Regierungschefin kann es sich leisten von der männlichen Hälfte der Bevölkerung als "Kanzerlin der Frauen" wahrgenommen zu werden.

...Sorry Lars. Aber hier ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Gerne würde ich das auch glauben. Ich bin seit etwa einem dreiviertel Jahr intensiv mit dem Thema beschäftigt und habe schon viel persönliche oder schriftliche Korrespondenz mit Frauenpolitikerinnen bzw. weiblichen Politikerinnen geführt. So traurig es auch ist. Wenn Frauen in einem politischen Amt sind, setzen sie sich vorwiegend nur für Fraueninteressen ein. Egal was für eine Partei man auch nimmt. Die Frauenpolitikerinnen der einzelnen Parteien unterscheiden sich nur darin, wie sie es rüber bringen. Von brutal hart bis charmant sensibel. Aber die Aussage ist immer die gleiche: Wir kümmern uns nur um Frauen. Die Motive sind manchmal so simpel wie schockierend. Da haben manche, wenn man sie aus der Reserve gelockt hat, schon mal zugegeben, dass die Benachteiligungspolitik von Männern aus Gründen des Revanchismusses gerechtfertigt wird ("Jetzt sind wir mal dran"). Aber auch Politikerinnen, die vielleicht Gleichberechtigung wollen, können nicht wie sie wollen. Zum einen kommen sie aus der Frauenpolitik (Frauenunion bei der CDU bzw. ASF bei der SPD; die Grünen sind ohnehin eine Frauenpartei, die mit Männerdiskriminierung explizit Wahlwerbung macht) und sind somit nur auf Benachteiligungsfelder von Frauen sensibilisiert oder die Frauenfrauen der eigenen Partei würde ihr die Hölle heiß machen, wenn sie nicht noch bessere Männerdiskriminierungen durchsetzt.

- Das sind Grundmechanismen der parlamentarischen Demokratie, an denen (solange es das geheime Wahlrecht gibt) keine noch so große feministische Medienmacht etwas ändern kann

...Die Demokratie ist seit der politischen Umsetzung der feministischen Forderungen flöten, z.B. Straffreihheit für Abtreibung (egal ob man dafür oder dagegen ist) ist ein Verstoß gegen das Menschenrecht auf Leben oder die Gleichstellungsgesetze und Gleichberechtigungsgesetze in Bund und Ländern, in denen einseitig nur die Unterrepräsentanz von Frauen nicht jedoch die Unterrepräsentanz von Männern in Behördenbereichen als Benachteiligung definiert wird und mit denen Frauen in gewissem Umfang bevorzugt befördert und eingestellt werden müssen. Diskriminierung und Demokratie. Das geht nicht, auch nicht wenn man es in schöne Worte kleidet.

Meine Theorie: So wie die parlamentarische Demokratie die Frauenemanzipation nach sich gezogen hat, so wird sie langfristig aber auch dem Radikalfeminismus einen Riegel vorschieben.

...Meine Theorie: Die Demokratie ist durch die Einführung des Feminismusses in die Rechtssprechung (auch wenn man es bei uns noch nicht offen ausspricht, dass der Feminismus als Staatszielt gilt) schon dem Untergang geweiht.

Das einzige was helfen kann, ist, dass wir mehr tun und dass es immer mehr werden, die mehr tun. Lauter werden, Vereine (z.B. Vätervereine) unterstützen, Initiativen gründen, an die politische Basis (auf Kreisebene) gehen und dort mit persönlichem Wirken unsere Ideen einbringen, Leserbriefe schreiben usw. Wir können uns nur selbst helfen. Aber wir können es, wenn wir wirklich wollen.

Gruß

Bruno


gesamter Thread:

 

powered by my little forum