Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann
Als Antwort auf: Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann von Arne Hoffmann am 26. November 2002 09:29:34:
Hallo Arne!
"... die glauben, sie würden mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie nur in irgendeiner Weise "hübscher" wären."
Ja, das ist bei Männern genauso, zeigt sich bei ihnen aber auf ganz andere Weise. Männer hoffen, von Frauen mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn sie z.B. ein dickes Auto fahren oder ihr gutes Einkommen mit anderen Status-Symbolen zur Schau stellen.
Nun ist die Frage, ob es mehr Erziehung oder mehr instinktives Verhalten ist, was dafür sorgt, daß sich dieses Phänomen bei Männern und Frauen so unterschiedlich zeigt. Ich denke, es spielt beides eine Rolle, aber wahrscheinlich überwiegt der Faktor der Erziehung.
Der weibliche Körper gilt heute als absolutes Schönheitsideal. Das war nicht immer so. Aber heute ist es eben so. Deshalb halten es viele Männer wahrscheinlich tatsächlich für unnütz, zuviele Gedanken auf ihr Aussehen zu verschwenden. Natürlich achten sie auch darauf, aber es ist ja auch so, daß ein Mann, der zu sehr darauf achtet, bei Frauen doch sehr schnell in den Ruf kommt, womöglich schwul zu sein, und allein deshalb scheuen ja viele Männer davor zurück, sich zu sehr mit ihrem Äußeren zu beschäftigen.
Männer konzentrieren sich dann eben auf andere Bereiche. Sie versuchen z.B., beruflich möglichst viel zu erreichen und ihr Selbstwertgefühl dann aus ihrer beruflichen Stellung zu beziehen. Und wer das nicht kann oder will, der legt sich ein dickes Auto zu.
Bei Frauen sieht das nun ganz anders aus. Zum einen gilt der weibliche Körper eben als Schönheitsideal, wodurch jede Frau sich schon mal generell verpflichtet fühlt, etwas für ihr Aussehen zu tun. Wenn eine Frau das nicht kann oder will, könnte sie sich natürlich auch genau wie viele Männer z.B. auf ihre berufliche Karriere konzentrieren. Und manche Frauen tun das durchaus auch. Aber da gibt es einige Probleme. Zum einen kollidiert der Wunsch nach beruflicher Karriere häufig mit dem Wunsch nach Kindern und Familie. Zum anderen ist es aber schwieriger, an der beruflichen Karriere zu arbeiten als am eigenen Aussehen. Menschen neigen dazu, es sich möglichst einfach zu machen, also wählen viele Frauen dann auch den einfacheren Weg, konzentrieren sich mehr auf ihr Aussehen und versuchen, daraus ihr Selbstwertgefühl zu beziehen. Vor allem dann, wenn sie schon von Natur aus attraktiv sind. Es hat schon seinen Grund, daß beispielsweise Mathematikerinnen selten aussehen wie Jennifer Lopez...
"Wobei sich dann aber wieder die Frage stellt: Warum haben wir momentan mit Ess-Störungen zu kämpfen, die es früher nicht gab?"
Das ist eine gute Frage. Alles, was ich vorher geschrieben habe, war ja früher auch schon so. Da spielt nun wohl der Faktor Medien tatsächlich eine Rolle. Menschen neigen instinktiv dazu, sich bestimmte Normen zu bilden. Diese Normen bilden sie sich aus dem, was sie in ihrer Umwelt als "normal" wahrnehmen. In früheren Zeiten gab es kein Fernsehen, keine Kinos, keine Fotografie und selbst gemalte Bilder konnten sich nur Reiche leisten. Also bildeten die Menschen sich ihre Normen bezüglich des Aussehens einfach nur aus ihrem näheren Umfeld, aus dem sie meist kaum heraus kamen. Die schönste Frau im Dorf galt dann als absolute Traumfrau. Weil man einfach sonst nichts kannte. Und deshalb waren die Schönheitsideale damals wahrscheinlich auch gar nicht so feststehend. Überhaupt heirateten Menschen häufig aus eher wirtschaftlichen bzw. finanziellen Erwägungen heraus. Das Aussehen spielte gar keine so große Rolle. Höchstens insofern, als die Mitgift etwas höher festgelegt werden mußte, wenn eine zukünftige Braut mal nicht so berauschend aussah...
Heute hat sich das alles geändert. Heute sucht man sich den Partner oder die Partnerin weit öfter vor allem nach Äußerlichkeiten aus als in früheren Zeiten. So ist heute der Druck größer, der aktuellen Schönheitsnorm zu entsprechen. Frauen akzeptieren häufig auch Männer als Partner, die weniger gut aussehen. Z.B. wenn sie dafür ein gutes Einkommen vorweisen und damit finanzielle Sicherheit bieten können. Da Frauen umgekehrt nur selten dazu bereit sind, ihre Partner zu ernähren, machen sich Männer in der Hinsicht gar keine Hoffnungen. Und dann bleibt als Auswahlkriterium für die Partnerin neben dem Charakter eben nur noch das Aussehen übrig.
Auf Frauen wirken diese Normen also immer noch stärker. Zwar wird mit steigenden weiblichen Ansprüchen langsam der Druck auf Männer auch größer, aber sehr wesentlich geändert hat sich diese Situation (noch) nicht.
Fatal ist nun aber, daß die Normen heute nicht mehr "lokal" für ein begrenztes Gebiet gebildet werden, sondern durch die Möglichkeiten der modernen Medien "global". Man sieht heute nicht mehr nur die Menschen aus dem eigenen Dorf und vielleicht noch aus der nächsten Stadt, sondern man hat Vergleichsmöglichkeiten in der ganzen Welt, also unter Milliarden von Menschen. Es werden Miß-Wahlen veranstaltet, es gibt Top-Models und prominente Schauspielerinnen oder Sängerinnen... Überall bekommt man die Schönsten der Schönen zu sehen und schon schiebt sich die Meßlatte ganz gewaltig nach oben. Mit der Dorfschönheit konnte frau in früheren Zeiten oft noch ganz gut mithalten, aber bei "Miß-World" wird es heute schon schwierig...
Nun könnte man ja einwenden, daß es diese modernen Medien doch schon seit Jahrzehnten gibt und daß es vor 30 Jahren aber noch nicht solche Probleme mit Bulimie usw. gab.
Wenn man sich aber die Frauen ansieht, die z.B. in den 40er Jahren gefeierte Stars waren, dann stellt man fest, daß die eigentlich oft noch relativ normal aussahen. Es gab früher noch nicht so strenge Auswahlkriterien wie heute. Besonders deutlich wird das im Musikgeschäft. Wie war das denn noch in den 70ern? Da schrieb jemand Lieder und spielte in einer Band. Man tingelte durch Clubs, und wenn man professionell genug war, schickte man mal ein Demo-Band an irgendeine Plattenfirma. Wenn man Glück hatte, hörte sich jemand dieses Band an, fand es toll, man wurde zum Vorspielen eingeladen und bekam einen Plattenvertrag.
Das alles gibt es so heute nicht mehr. Heute werden Lieder im Studio vorproduziert, und dann sucht man sich dazu Leute, die gut aussehen, gut tanzen und gut singen können. Die Selektion erfolgt oftmals genau in dieser Reihenfolge. In der 70er Jahren haben die Pointer Sisters noch einen Plattenvertrag bekommen. Das wäre heute nicht mehr möglich. Und wenn die noch so gut singen könnten - die würde jeder Produzent maximal noch als Witznummer engagieren und sobald wie möglich wieder abservieren.
Wer nicht übermäßig gut aussieht, kommt heute nur noch über Beziehungen ins Fernsehen, auf die Bühne oder ins Studio. Das fing so erst in den 80er Jahren an und ist bis heute immer extremer geworden.
Und so wurden eben auch die Normen in Bezug auf das Aussehen immer weiter nach oben geschraubt. Zunächst bei den Frauen, mittlerweile aber auch bei den Männern, was zur Folge hat, daß die weiblichen Ansprüche ans Aussehen mittlerweile auch steigen und auch Männer in der Hinsicht mehr unter Druck geraten. Männliche Strip-Gruppen wie die Chippendales gibt es ja auch noch nicht lange.
Was kann man nun aber dagegenm tun? Man kann sehr attraktiven Menschen schlecht öffentliche Auftritte verbieten. Allein schon deshalb, weil sich der Begriff der Attraktivität nicht in Paragraphen zwängen läßt.
Man kann nur darauf hinarbeiten, die Menschen davon abzubringen, ihre Ansprüche an das eigene Aussehen und an das Aussehen anderer Menschen zu sehr auf Grundlage dessen festzulegen, was sie in den Medien sehen.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Damian,
23.11.2002, 22:39
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Jörg,
23.11.2002, 23:27
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Damian, 24.11.2002, 13:47
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Stefan G., 23.11.2002, 23:30
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Manfred, 24.11.2002, 01:25
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Jolanda,
24.11.2002, 03:45
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Damian, 24.11.2002, 13:58
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Markus,
24.11.2002, 06:09
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Damian, 24.11.2002, 13:23
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Oberkellner,
24.11.2002, 11:56
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Damian, 24.11.2002, 13:17
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Odin, 24.11.2002, 18:12
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Arne Hoffmann,
24.11.2002, 21:38
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Jolanda, 25.11.2002, 03:20
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Garfield,
25.11.2002, 14:16
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Damian,
25.11.2002, 16:38
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Garfield, 25.11.2002, 18:29
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Arne Hoffmann,
25.11.2002, 18:00
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Jolanda, 25.11.2002, 18:24
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Garfield,
26.11.2002, 10:41
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Arne Hoffmann,
26.11.2002, 11:29
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Garfield, 26.11.2002, 12:35
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Arne Hoffmann,
26.11.2002, 11:29
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Damian,
25.11.2002, 16:38
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Markus,
25.11.2002, 18:33
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Norbert, 27.11.2002, 00:20
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann - Maesi, 30.11.2002, 15:09
- Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann -
Jörg,
23.11.2002, 23:27