Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann

Garfield, Tuesday, 26.11.2002, 10:41 (vor 8471 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Eine provokante These, wie der F überwunden werden kann von Arne Hoffmann am 25. November 2002 16:00:40:

Hallo Arne!

Hm, aber sind es denn wirklich Nackt-Fotos, Pornos oder Frauen in sexy Kleidung, die Frauen solch ein falsches Schönheitsideal vermitteln?

Erstmal sehen doch Frauen angeblich gar keine Pornos oder Sex-Filme und lesen angeblich auch keine Sex-Zeitschriften. Wenn das wahr wäre, könnten sie doch gar nicht negativ dadurch beeinflusst werden. Außerdem gab es solche Filme und Zeitschriften schon in den 70ern, aber da waren Probleme wie Bulimie meines Wissens nach noch gar kein Thema.

Außerdem sind die Frauen in Pornos oder Sexfilmen gar nicht immer spindeldürr. Denn solche Frauen finden die meisten Männer doch gar nicht wirklich sexuell anziehend. Wenn du Männer auf der Straße nach ihrer Traumfrau fragen würdest, würden bestimmt nur sehr wenige Namen wie Kate Moss nennen. Die Mehrheit würde doch eher Frauen wie Jennifer Lopez, Pamela Anderson oder Cindy Crawford nennen - eben Frauen, die zwar nicht übergewichtig sind, aber eben auch nicht mager. Tatsächlich haben bei einer Umfrage vor einigen Wochen oder Monaten die meisten Männer auch wieder angegeben, daß sie Frauen, die zu dünn sind, nicht erotisch finden.

Von den Männern kommt dieses falsche Schönheitsideal also offensichtlich nicht. Wo sieht man denn nun aber Unmengen von diesen dürren Models? Z.B. in Modezeitschriften, Frauenzeitschriften und entsprechenden Sendungen im Fernsehen. Also eben genau in den Zeitschriften und Fernsehsendungen, die vor allem von Frauen gelesen bzw. gesehen werden.

Nur was kann man dagegen tun? Und würde sich die Problematik wirklich wesentlich ändern, wenn man darauf achten würde, daß solche Models eben nicht mehr aussehen wie KZ-Häftlinge?

Viele Frauen beziehen ihr Selbstwertgefühl offensichtlich viel mehr aus ihrem Aussehen als die meisten Männer. Klar - für viele Männer ist ihr Aussehen auch nicht unwichtig. Aber Männer haben meist noch andere Bereiche, aus denen sie ihr Selbstbewußtsein ziehen. Z.B. Erfolg im Beruf, gutes Einkommen, ein dickes Auto... Frauen scheinen diese anderen Bereiche oft weniger wichtig zu sein - dafür ist ihnen ihr Aussehen umso wichtiger. Man könnte nun darüber diskutieren, woran das liegen mag. Also ob es mehr eine Erziehungssache ist oder ob Frauen eben instinktiv stärker auf ihr Äußeres fixiert sind. Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem.

Fakt ist aber, daß es so ist. Meine Verlobte hat sich damals immer "Die Beauty-Klinik" angesehen, und so hab ich das häufig mitgesehen. Einmal kam da eine junge Frau zum Schönheitschirurgen und beklagte sich über ihre Nase. Mir war absolut nicht klar, was sie an ihrer Nase auszusetzen hatte. Sie hatte ein sehr hübsches Gesicht, und die Nase paßte auch gut dazu. Und mit Sicherheit hat sie noch nie negative Bemerkungen über ihr Aussehen zu hören bekommen. Trotzdem wollte sie unbedingt ihre Nase operiert haben. Der Chirurg sah dafür ebenfalls keine Notwendigkeit und schickte sie wieder nach Hause. Dann ging sie doch tatsächlich nochmal hin und meinte, ihr Busen wäre ihr auch zu klein, und da könne ja nun was gemacht werden... Dann fragte sie der Arzt: "Also, wie soll ich das nun verstehen? Weil Sie ihre Nase nicht operiert bekommen, muß es nun der Busen sein?"

Mag sein, daß das alles nur gestellt war. Aber es gibt doch tatsächlich solche Frauen, die es zu ihrem Hobby gemacht haben, an ihrem Aussehen herumzumanipulieren. Genau wie mancher Mann ständig an seinem Auto herumbastelt und hier einen Spoiler anbaut und dort ein doppeltes Auspuffrohr, lassen die an ihrem Körper herumoperieren und sehen am Ende womöglich im Extremfall so furchtbar aus wie diese Lolo Ferrari (oder wie immer die sich nannte).

Manche Frauen scheuen offenbar das Risiko einer Operation, wollen aber trotzdem ihr Äußeres ändern. Und dann bleibt als einfachste Alternative eben noch, sich schlank zu hungern.

Ich glaube nicht, daß man dieses Problem wirklich dadurch lösen kann, daß man den Frauen weniger dürre Models zeigt. Es ist ähnlich wie bei den Amokläufern: Da wird auch immer behauptet, daß Horrorfilme oder Heavy-Metal-Musik sie zu Morden animiert hätte. Tatsächlich haben solche Irren aber schon völlig harmlose Sachen als Auslöser angegeben, z.B. Beatles-Lieder oder auch Bibel-Verfilmungen. Wer einen Grund für irgendetwas finden möchte, der findet auch einen. Egal wo.

Wenn man den Frauen nun keine dürren Models mehr zeigen und sogar Nackt-Fotos oder sexy Kleidung für Frauen verbieten würde, dann würden sie sich andere Idealbilder suchen. Dann würden sie eben genauso aussehen wollen wie eine Nachbarin oder wie sonst irgendeine Frau aus ihrem Bekanntenkreis und sich entsprechend operieren lassen.

Ich denke, man kann dieses Problem mit Bulimie und unnötigen Schönheits-OPs nur dadurch vielleicht lösen, daß man den davon betroffenen Frauen (und mittlerweile ja auch einigen Männern) klarmacht, daß ihre Probleme vor allem auf psychischer Ebene liegen und deshalb therapeutischer Behandlung bedürfen. Und vor allem müßten Schönheits-Chirurgen mehr Verantwortungsbewußtsein an den Tag legen. Kein Arzt dürfte solche Monster wie Lolo Ferrari erschaffen. Genaugenommen ist das sogar ein krasser Verstoß gegen den hipokratischen Eid. Nur leider sehen ja auch viele Schönheitschirurgen vor allem das Geld, das sie so verdienen können...

Freundliche Grüße
von Garfield



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