Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Feminismus -> Genderismus -> Relativismus

Nikos, Athen, Friday, 19.06.2009, 04:41 (vor 6130 Tagen) @ Chato
bearbeitet von Nikos, Friday, 19.06.2009, 04:51

Sehr geehrter Herr Nick,

leider weiß ich in der Tat nicht, inwiefern das Christentum die Lösung für unsere gesellschaftliche Alltagsthemen bedeuten kann. Wenn ich an die fast tausendjährige Inquisitionsgeschichte denke, mit allem was sie damals aus dem Leben von einfachen Menschen gemacht hat, dann bin ich sprachlos.

Sicherlich gab es damals eine Kirche, die anders hätte gar nicht agieren können, wäre ihr der eigene Untergang nicht völlig egal. Aber diese spirituelle Rückgang unter allen Mitgliedern der damaligen Gesellschaft, ist, glaube ich, in der Geschichte einmalig.

Man muss auch die Tatbestände in ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Zeit messen. Hier, in Griechenland, jagd ein Kirchenskandal der nächsten. Was sollen heutige Menschen machen? Sollen sie zur Kirche gehen? Nein, sie bleiben davon fern. Natürlich gibt es überall in heutigen Gesellschaft Bereicherung auf Kosten schwächeren, aber von der Kirche erwartet der einfache Mensch doch etwas anderes. Leider kommt aber nichts.

Was man immer wieder sagt, ist dass die Kirche und der Gott zwei verschiedene Sachen sind. Ok, aber auch so zeigt der Mensch kein Verständnis, denn der einfache Mann und die einfache Frau müssen jeden Morgen sechsundfünfzig Jahre lang, in die Früh aufstehen, und Dinge verrichten, die ihnen zwar keinen Spaß aber dafür auch nur wenig Zeit übrig lassen, um die wirklich wichtige Dinge. Der Gott, sofern es ihn gibt, hat sicherlich einen Plan, aber davon merkt keiner was.

Der Gott in jedem einzelnen hingegen, ist immer anwesen, oder ist es der Teufel? Er ist aber da, verlangt nicht noch mehr, ist einfach da und versucht zu lindern, zu helfen, zu lieben, einfach da zu sein. Das aber ist auch der falscher Weg, denn er schaft nichts von dem, was er versucht.

Wie bei allen Sachen, gibt es zur Gottlossigkeit auch eine Ursache. Diese liegt teils in den Menschen, und teils außerhalb. Somit ist der Schritt zur Relativismus ein Berechtigter, denn sonst war und ist immer noch nichts vorhanden. Der Gott ist vielleicht nicht tod, und dieses "vielleicht" zeugt doch schon von Zweifeln. Die Kirche aber ist in allen menschlichen Herzen längst gestorben, und zwar seitdem das Versprochene nicht eingehalten worden ist. Den Menschen wird immer und generell Dummheit und Tendenz zu Manipuliert-Werden unterstellt, doch der Mensch, notgedrungen, muss erfinderisch sein. Dass das Essen notwendig ist, heißt es nicht, man muss es bei McDonalds holen. Und dass der Glaube notwendig ist, heißt es nicht, man muss ihn unbedingt da suchen, wo seine Präsenz am wenigsten zu erwarten ist, in einen Gott, der nichts gibt, aber viel verlangt, zumindest was das Empfinden der Menschen angeht.

Man kann Menschen nicht wegen Gottlosigkeit verurteilen. Eher den Gott wegen weite Distanz zu Menschen. Auch im Islam sind die meisten darüber frustriert, dass sie permanent gesagt bekommen, nicht nur wie sie zu Leben haben, obwohl sie allein die Konsequensen davon tragen, sondern auch, wie und was sie zu glauben haben!

Natürlich glauben alle an etwas, denn so viel ist klar: So lange wir nichts darüber wissen, was im Moment nach dem Ableben auf uns wartet, solange muss man glauben. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass das sich in Zukunft ändert. Auch Atheisten glauben, denn sie wissen nicht, dass es keinen Gott gibt. Auch die Agnostiker schaffen eine neue Religion, die Religion von "ich weiß von nichts". Pustekuchen.

Man ist mehr oder weniger zwangsläufig zu Relativismus gelandet. Man muss ja leben, Kinder machen, arbeiten, arbeiten, arbeiten, krank werden, sterben. Diese Zeit geht nicht einfach vorbei, sie zieht sich unheimlich in die Länge, wenn man nicht am Kloster lebt, es sei auch ein Kloster mitten im eigenen Wohnzimmer. Die Menschen können aber nicht in einem Kloster leben, dafür kann man deshalb keine Klage gegen sie erheben.

Zu Relativismus gibt es eigentlich nur ein einziger Gegengift. Die Werteschaffung. Geht man davon aus, dass eine Religion dafür da ist, um das Leid der Menschen über die Ungewissheit des Geschehens nach dem Tod zu relativieren, dann gibt es eigentlich nur zwei Auswege: Entweder sagt man "alles Relativ, der Schmerz braucht ja nicht weh zu tun", somit wären wir bei der momentanen Situation. Oder aber man sagt "jedes Leid ist wichtig, auch das von eine Ameise", somit wären wir bei den Anfängen eines erbitternen Kampfes gegen Schmerz.

Die Religion, die dieses zum Mittelpunkt ihre Lehre macht, wird entscheident sein, für den Werdegang der Erde. Jeder kann aber behaupten, meine Religion ist die Beste. Deswegen gibt es oder sollte es drei Punkte geben, die die Relevanz einer Religion ausmachen:
1. Die Lehre selbst
2. Dokumentarischer Beweis
3. Tatsächlicher Beweis
wobei letzterer Punkt auch der wichtigster zu sein scheint. Denn was nutzen alle vornehme Weisheiten und Hoffnungen, wenn Menschen in mittelalterliche Zustände leben und sterben müssen. Religion sollte für die Menschen da sein, nicht umgekehrt. Allein deshalb, weil das Potenzial zur Ausnutzung der Gutgläubigkeit dann geringer ist. Aber vorallem deshalb, weil sich zwei Menschen vereinen, ein Mann und eine Frau, und daraus ein neue Mensch erschaffen wird. Allein wegen des Respekts an die Eltern sollte wir ein glückliches Leben führen können, und noch glücklicher in den Tod hineingleiten. Wenn man im Leben leidet, gleicht das eine Ohrfeige an die Eltern im Moment deren Vereinigung.

Dass der Islam eine Antwort für die Zukunft stellt, bezweifele ich stark.

Mit großem Respekt, bitte um Verzeihung für die viele Schreibfehler
Nikos

--
*Es gibt KEINEN Grund für eine Nicht-Feministin, einem Mann, den sie liebt, KEINEN Kaffee zu machen!*


gesamter Thread:

 

powered by my little forum