Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Intelligenz und Toleranz, wiedermal...

Nick, Friday, 19.11.2004, 16:27 (vor 7747 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Intelligenz und Toleranz, wiedermal... von Martin am 19. November 2004 12:43:52:

Hi Martin,

"Dein Vergleich hinkt total, aber das weißt du ja selber."

Diese Behauptung sagt nichts Inhaltliches aus, außer daß du eben "meinst", der Vergleich hinke. Inwiefern tut er das? Hinsichtlich der totalitären Anmaßung, und darauf zielt er ab, ist er erkennbar analog: eine unliebsame Position "gehört draußen gehalten". Nun wiederholst du dies sogar noch einmal ausdrücklich!

"Die Grundlage aller Religionsgemeinschaften ist der - angebliche - Glaube an irgend eine übernatürliche und daher nicht weiter erklärungs- und erforschungsbedürftige Macht, die alles beherrscht und von der alles ausgeht. Das kann man unterstützen oder eben nicht."

Richtig. Das kann man unterstützen oder nicht. Bloß ist das eben nicht die Frage, um die es geht.

"Aber von diesen Grundlagen leiten Kirchenvertreter den Anspruch ab, überall (bei anderen brisanten Theman nämlich auch) mitreden zu müssen."

Das ist unsäglich, Martin! Den Anspruch, mitreden zu 'dürfen', muß niemand irgendwoher 'ableiten', denn er steht so im Grundgesetz drin. Es schließt sich selbst vom Mitreden nur derjenige aus, der diese elementare Grundlage unserer Freiheit in Frage stellt. Und das tust du.

"Dürfen sie natürlich, denn wir haben Meinungsfreiheit."

"Dürfen" sie nun? Oder "dürfen" sie nicht? Du versuchst nämlich im folgenden darzulegen, inwiefern wir eben doch keine Meinungsfreiheit haben:

"Aber sie müssen nicht bei allen öffentlichen Veranstaltungen dazu dabei sein, sondern sie sollten auf ihre Fachgebiete beschränkt werden."

Damit lieferst du den präzisen Beweis dafür, warum mein Vergleich eben nicht hinkt, sondern im Gegenteil haargenau das erfaßt hat, was deine Intention ist: wer seine Meinung sagen will, der soll auf "sein Fachgebiet beschränkt werden" - wobei du selbst, analog zu den Feministinnen in meinem Beispiel, höchstselbst festlegen möchtest, was dieses "Fachgebiet" zu sein habe ("höhere Macht").

"Bei der öffentlichen Meinungsfindung zu aktuellen Sachthemen, die mit höheren Mächten wenig zu tun haben - und das sind die meisten - haben die Kirchen heraus gehalten zu werden, wenn sie sich nicht selber raus halten."

Das ist antidemokratisch bis auf die Knochen - primitivstes Gulag-Denken in Reinklutur!

"Die geben eh zu allem ihren Senf dazu und müssten schon von daher überall dabei sein."

"Öffentliche Meinungsfindung" geschieht in der Demokratie dadurch, daß argumentiert wird, und nicht dadurch, daß der unbequeme "Senf" eliminiert wird. Grauenhafte Ideen, die du hier ganz "unschuldig" darlegst!

"Die "ethische" Position, sofern notwendig - Nachteile der Biotechnologie können rein sachlicher Natur sein, können auch von Wissenschaftlern, Bürgerrechtlern, Politikern etc. vertreten werden, dazu braucht man keine Kirchen."

Du hast dich nie im Leben jemals mit Ethik beschäftigt, Martin. Keine einzige Zeile hast du darüber gelesen, sonst wäre eine solche Unwissenheit nicht möglich. Ethische Fragen sind nicht "sachlicher", sondern prinzipieller Natur und leiten sich vom Naturrecht ab. Sie sind nicht "vielleicht irgendwie" nötig, sondern sie sind die elementarste Grundlage jeder menschlichen Gesellschaft. Du aber legst hier dar, inwiefern man diese Fragen am besten überhaupt nicht diskutieren sollte, sondern nur "die Nachteile"... Von was eigentlich? Für wen? Nach welchen Kriterien? Nur eines weißt du ganz sicher: daß man dabei niemanden "brauchen kann", der nicht deine und Eugens (grauenhaften!) Positionen teilt.

"Und wenn, dann müssten wegen der Religionsfreiheit sowieso alle Kirchen paritätisch vertreten sein."

Es gibt in der öffentlichen Debatte überhaupt keine "Paritäten", sondern jeder legt seine Auffassungen frei und ungehindert dar, wo und wann immer er will. Sogar du, obwohl du von Tuten und Blasen keine Ahnung hast. Die Argumente allein entscheiden dann. Oder eben die Gewalt und der administrative Zwang: Stalinismus eben.

"Bei dem Mitgliederschwund werden die Kirchen einfach viel zu sehr in den Blickpunkt gezerrt."

Vielleicht sollte ich darauf hinweisen, daß über 2/3 der deutschen Bevölkerung Mitglied in einer Kirche sind? Als "Machtausübung" äußert sich das aber garnicht, wie jeder weiß, der in diesem Land lebt. Ein solcher Vorwurf ist deshalb demagogische Hysterie. Aber wenn du (du!) es zu einer Machtfrage - statt einer des Geistes und der Wahrheit - machen wolltest, dann hättest du allenfalls eine "bolschewistische Mehrheit" - das waren auch nur ein paar hundert Leute, die sich in ihrem ZK zur "Mehrheit" erklärt haben und es dann in bekannt beglückender Weise dem russischen Volk beigebracht haben, was das heißt, bis sie in Schimpf und Schande kläglich windselnd in sich zusammengesunken sind.

"Außerdem werden Menschen immer machen, was technisch möglich ist. Das ist ein menschliches Artmerkmal. Eine weltweite Ächtung wird nie durchsetzbar sein."

Und das ist haargenau das, was dabei am Ende rauskommt, wenn Ethik in die Hände von "Wissenschaftlern, Bürgerrechtlern, Politikern etc." gelegt wird: die totale Kapitulation, die ethische Bankrotterklärung, die reiste Hölle! Man wird dann auch mit dir machen, was machbar ist. Und wird auch dich nicht fragen, wie du das findest, Martin.

Die Kirchen sind und bleiben nun mal der "Fels in der Brandung", wie Sven sagte. Das kann und muß man einfach anerkennen, auch wenn man nicht an Gott glaubt. Es hat damit nämlich in der Tat nichts zu tun.

Es bleibt dabei: Haß und Fanatismus machen dich stockblind. Trotzdem darfst du natürlich gerne mit Eugen der Meinung sein, das ich argumentativ am Boden liege. Schließlich herrscht Meinungsfreiheit.

Nick


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