Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Eva - Von einen Wahl-Polen

Paul, Wednesday, 06.10.2004, 16:30 (vor 7792 Tagen) @ Ekki

Als Antwort auf: @Eva - Von einen Wahl-Polen von Ekki am 06. Oktober 2004 12:12:26:

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1) Nicht nur von dem Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Deutschland, dem CDU-Abgebordneten Friedbert Pflüger, sondern von allen, die Polen wirklich kennen und nicht nur anderleuts Vorurteile wiederkäuen, wird das Wort von der "polnischen Wirtschaft" mit Empörung zurückgewiesen.[/i][/u] Die Polen sind zig-mal fortschrittsfreudiger und arbeitsamer als die Deutschen, sie verdienen viel weniger, aber sie jammern auch viel weniger als die Dumm-Dumpf-Deutschen, denen schon bei einer Rückkehr zu einer Regel-Arbeitszeit von 40 Stunden der Hut hochgeht. Das ist in Polen eher die Mindest-Arbeitszeit. Zitat aus einem SPIEGEL-Gespräch mit Friedrich Merz: "Es kommen jetzt Länder in die EU, die finden die 35-Stunden-Woche so toll, daß sie gleich zwei davon pro Woche machen."[/i][/u] Schafft ihr da in Germania erst mal den scheiß Ladenschluß ab (den es in Polen nicht gibt), dann können wir weiterreden.

Hi Ekki,

es ist ja soooo modern, immer auf die dummen, dumpfen Deutschen zu schimpfen. Ich kann es nicht mehr hören. Das ist genau derselbe Dreck wie Feminismus, bloss aus anderer Richtung. Jetzt kenne ich Polen nicht, aber einige andere Länder recht gut, so z.B. die USA, weil ich mit denen geschäftlich einiges zu tun habe, bzw. auch mehrere Leute kenne, die dort ein Firma führen. Und ich kann dir sagen: dort ist ziemlich wenig besser, aber sehr vieles noch sehr viel schlechter. Die Bürokratie ist _mindestens_ genauso schlimm wie hier, und es kann dir ohne Probleme passieren, daß du mal ein paar Wochen auf einen Telefonanschluß wartest, weil sich zwei rivalisierende Telefonanbieter auf Deine Kosten im Kriegszustand befinden. Gut ausgebildete Handwerker findest Du entweder gar nicht, oder sie sind exorbitant teuer. Die Arbeitsmoral lässt ebenfalls deutlich zu wünschen übrig. Freiberufler in den USA glänzen gerne durch vollkommen unprognostizierbare Perioden absoluter Nicht-Erreichbarkeit und der durchschnittliche Bürohengst lässt um 17 Uhr alles stehen und liegen.

Wenn ich bei Gesprächen mit Leuten, die in USA leben, hin und wieder mal erwähne, wie hierzulange beklagt wird wie schlecht alles wäre, wie bürokratisch und wie "faul" die Deutschen doch seien, liegen diese meistens mit einem Lachanfall auf dem Boden.

Und nochmal zum Thema Polen: Die Produktivität pro Arbeitsstunde ist dort halb so hoch wie bei uns. Es ist ja wohl klar, daß sie deshalb weniger verdienen und mehr arbeiten. Das hat aber nichts mit Bescheidenheit oder irgendeineiner anderen Tugendhaftigkeit zu tun, sondern einfach mit den Gesetzen des Marktes. Ich habs schonmal gesagt, und wiederhole es gerne immer mal wieder: Die Arbeitszeit alleine sagt GAR NICHTS aus, wenn man sie nicht im Kontext sieht.

Ich diskutiere über das Thema gerne weiter, aufgrund dem fehlenden Bezug zum Forenthema und mit Rücksicht auf Andreas allerdings im "Neben den Geschlechtern"-Forum.

Gruss,
Paul


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