Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: @Emmalein

Emmalein, Friday, 02.04.2004, 15:00 (vor 7980 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: @Emmalein von Garfield am 01. April 2004 16:23:26:

Hi, Garfield,

lustig, dass Du Dich für meinen persönlichen Lebensentwurf interessierst. Ich würde die Frage Dir auch gerne beantworten, Dich finde ich nämlich recht sympatisch, allerdings weiss ich, dass hier einige schreiben und mitlesen, wo ich mir wünsche, dass sie möglichst wenig Persönliches von mir erfahren. Wenn Du irgendwie eine Möglichkeit hättest, mir eine E-Mail-Addy zukommen zu lassen, würde ich Dir das gern per Mail beantworten. Einige der Schreiberlinge hier machen mir zu viele Sorgen. Ich werde sie nicht mit Namen benennen, ich bin sicher, die Betreffenden wissen selbst, wer gemeint ist. Jörg hat meine Mail-Addy. Frag ihn danach, Du hast meine Genehmigung. Ich möchte sie hier lieber nicht posten, nicht, nach dem, was ich hier teilweise jetzt von den Herren der Schöpfung gehört habe, und was hier unbeanstandet durchgeht.

Gut, dass Du wenigstens mir zustimmst, dass es die von mir beklagten Strukturen wirklich gibt, zumindest, wenn Männer unter ihnen zu leiden haben. Ich behaupte gar nicht, dass Männer mit den Strukturen den Himmel auf Erden haben! Sobald sie versuchen, sich nicht mehr 100%ig systemkonform zu verhalten, also etwa eine Teilzeitstelle anstreben, bekommen sie mit aller Härte die Strukturen genauso zu spüren, wie Frauen, die KInder und Berufstätigkeit vereinbaren möchten. Dass das Ganze nicht so stark beachtet wird, liegt daran, dass Männer seltener Teilzeitstellen anstreben.

Es gibt eine Menge Bücher aus früheren Zeiten, die eindeutig sagen, dass Frauen auch nicht studieren können und es gar nicht erst versuchen sollten. Das letzte Aufbäumen dieser Ideologie gab es im Nationalsozialismus, der ja stark verbunden war mit einem Mutterkult, um für Hitler Söhne als Kanonenfutter zu produzieren. Das klingt menschenverachtend, und menschenveachtend war dieses Regime, nicht nur Frauenverachtend. Männer haben genausoviel Grund, den Nationalsozialismus abzulehnen wie Frauen. Auch Männer, die sich um Männerrechte sorgen. Das Recht, in einem Krieg verheitzt zu werden, halte ich nicht gerade für erstrebenswert.

Es gibt zwar auch männliche Mobbingopfer, aber Frauen in Männerberufen werden signifikant eher Mobbingopfer als Frauen in typischen Frauenberufen. Das war der Punkt, den ich mit meinem Posting herausstellen wollte. MÄnnern in Frauenberufen geht es teilweise im pädagogischen Bereich der Früherziehung traurigerweise ähnlich.

[/link]"Frauenberufe sind teilweise körperlich und seelisch genauso hart."

Deshalb habe ich ja auch geschrieben, daß der Pflegebereich da eine Ausnahme bildet. Aber da ist es dann ja auch so, daß auch Männer als Krankenpfleger arbeiten, und ein guter Teil der anstrengenden Drecksarbeit wird im Pflegebereich durch Zivildienstleistende übernommen, die zu 100% männlich sind. Kranken- bzw. Altenpfleger ist somit eigentlich kein typischer Frauenberuf.

Für mich kennzeichnet einen typischen Frauenberuf, dass da schon seit langer Zeit überwiegend Frauen tätig sind. Trotz der Zivildienstleistenden besteht in der Altenpflege und der Krankenpflege der Hauptanteil der dort arbeitenden Personen aus Frauen.

Friseusenarbeit kann auch gesundheitsschädlich sein, wegen der vielen Farben und Tönungen, mit denen die arbeiten müssen.

Automatische Supermarktkassen sind schon einsatzreif, es ist also nur

noch eine Frage der Zeit, bis sowas massenweise eingeführt wird.

Sie sind aber noch zu teuer, denn die Kassiererinnen im Supermarkt füllen zwischendrin teilweise die Lager auf, machen sauber und zeichnen zwischendurch auch Preise aus, da, wo das noch gemacht wird. Ich habe selbst mal zwei Wochen im Supermarkt als Kassiererin gearbeitet, war aber mir ein zu schlecht bezahlter Job für die Semesterferien, deswegen bin ich in der Fabrik schuften gegangen, da gab es das Doppelte an Geld.

Telefonische Kundenbetreuung erfolgt zunehmend durch Automaten, und im Ruhrgebiet werden bereits vollautomatische unterirdische Transportsysteme getestet.

Nun, in dem Bereich arbeiten ja auch kaum Frauen. Pflegearbeit ist bis jetzt noch nicht durch Pflegeroboter zu leisten. Friseusen können wegen der Kreativität des Beufs auch noch lange nicht ersetzt werden. Im Bereich Banken, Versicherungen und Post werden noch viele Menschen arbeitslos werden, das ist mir auch klar. Aber ich bin jetzt eher von den Pflegeberufen ausgegangen. Und im pädagogischen Bereich kann man auch keine Lernroboter einsetzen, ist ja mit dem programmierten Lernen mal versucht worden, ist aber kläglich gescheitert. Fernlehrgänge werden sich für Studirende in vielen Bereichen allerdings als Alternative zu teuren Studiengängen an der Uni durchsetzen, wenn die allgemeinen Studiengebühren kommen, und die werden kommen, davon bin ich überzeugt. Möglicherweise wird dann auch an Universitäten Personal abgebaut werden müssen.

Büros gibt es eigentlich vor allem nur noch deshalb, weil die Finanzämter nun einmal verlangen, das Belege auf Papier aufbewahrt werden müssen. Wenn es da demnächst vielleicht auch Vereinfachungen gibt, dann wird das der Startschuß für massiven Arbeitskräfteabbau bei Bürotätigkeiten sein.

So einfach geht das auch nicht. Bestimmte verwalterische Dinge müssen nun mal von jemandem erledigt werden, es geht nicht alles automatisiert. Und ich fand es auch immer schöner, wenn Briefe individueller und weniger automatisiert gehandhabt wurden, nur um ein Beispiel zu nennen.

Buchhaltung, Rechnungsversand, Mahnwesen usw. wird dann vollautomatisch durch Computer abgewickelt werden.

Wird es ja heute schon zum grössten Teil. Ich hab mal in der ZV-Abteilung einer grossen deutschen Bank gearbeitet. Da ist fast alles voll durchautomatisiert, bis auf einige Kleinigkeiten.

Da kommt noch einiges auf uns zu, und zwar auch auf diejenigen von uns, die das Glück haben werden, ihre Jobs (oder auch ihre Unternehmen) zu behalten. Denn je mehr Menschen chancenlos im Regen stehen, umso stärker wird die Kriminalität ansteigen. Ich denke, schon in 20 Jahren werden viele Deutsche über die Probleme, die wir hier diskutieren, nur noch müde lachen können und sich wünschen, daß sie diese Sorgen noch hätten.

versuchen dann eben, diesen gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden.

"Auch wenn man tough sein muss, um einen Führungsposten zu besetzen, können einem Menschen schon die abschätzigen Blicke aus der Nachbarschaft und das abfällige Raunen von "Karrierefrau" hinter dem Rücken, zusammen damit, immer als dafür verantwortlich zu gelten, wenn das Kind schulische oder andere Probleme hat, gewaltig zusetzen."
Ja, es gibt Leute, die so reden. Vor allem die Vollblut-Hausfrauen. Aber es ist heute so, daß für Frauen verschiedene Lebensalternativen gesellschaftlich akzeptiert werden, und Vollzeitarbeit gehört dazu. Die meisten Menschen akzeptieren das, und für jeden Mitmenschen, der da vielleicht mal eine blöde Bemerkung macht, findet frau einen anderen, der sie bewundert. Ein Hausmann dagegen wird kaum irgendwo Bewunderung und Anerkennung finden.

Hausfrauen bekommen die ja auch nicht, oder nur in irgendwelchen Seifenopern. Das ist also kein männerpolitisches Problem, sondern ein strukturelles: Das was Geld bringt,bringt Prestige. Hausarbeit bringt kein Gld,darum auch kein Prestige.

Du sagst, Du betreibst keine private Rentenvorsorge? DAs macht mir bei der aktuellen demographischen Entwicklung aber arge Sorgen.

Machen wir einen Deal: Du lässt Dich bei Banken/Versicherungen/Vermögensberatungen oder so beraten, ob nicht doch für Dich irgendeine Altersvorsorge privat drin ist, und ich lese das Buch von Arne Hoffmann von vorne bis hinten durch, auch wenn es mir absolut nicht schmeckt.

Warum ich das möchte? Ich habe davon zwar gar nichts, aber ich finde Dich sympatisch. Und ich möchte nicht so gern, dass Du, wenn Du alt und grau bist, im Regen stehst. Doch genau das wirst Du, wenn Du jetzt keine private Altersvorsorge betreibst. Das staatliche System wird in ein paar Jahren auf eine Grundrente zurückgefahren werden, die in der Nähe des Sozialhilfesatzes liegt, für jeden von uns. Vertrau mir da, ich weiss ,wovon ich rede.

Es grüsst freundlich
das Emmalein


gesamter Thread:

 

powered by my little forum