Re: @Emmalein
Als Antwort auf: Re: @Emmalein von Garfield am 31. März 2004 15:06:16:
Hi, Garfield,
gut, man könnte ja die Wiedereingliederungsmassnahmen und Beratung in dieser HInsicht geschlechtsneutral formulieren. Ich glaube aber nicht, dass dann ein Run der Männer auf diese Beratungsstellen losginge. De facto ist die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf nun mal momentan eher ein Frauenproblem. (In dem Zusammenhang: Hast Du Dir jemals vorher, bevor Du Kinder hattest (oder auch wenn Du jetzt noch keine hast), Gedanken darum gemacht, wie Du Kind und Karriere vereinbaren kannst? Ich habe dafür für mich schon einen klaren Plan ausgearbeitet, dem mein jetziger Freund auch zustimmt. Aber die konkretisierenden Überlegungen kamen grösstenteils von mir.)
Das stimmt so nicht. Bei Umfragen geben Männer immer wieder an, daß sie sich mehr Zeit für ihre Familien wünschen. Leider können sie sich diese Zeit aber nicht nehmen.
Und genau das liegt eigentlich an den Strukturen, die ich immer wieder hier beklage und von denen behauptet wird, dass sie gar nicht existieren: Strukturen, die die klassische Aufteilung: Mann Beruf- Frau Hausfrau stark begünstigen,steuerrechtlich, scheidungsrechtlich etc.
Als ich von neuen Stellen sprach, dachte ich an neue Stellen für Wiedereingliederungsberatung. Nicht an neue Stellen, die extra für Frauen geschaffen werden.
Das Frauenstudium wurde massivst bekämpft,weil man glaubte, dass es Frauen von ihrem eigentlichen Lebenssinn,dem Bekommen und Erziehen von Kindern, entfernen würde. Ausserdem traute man Frauen nicht die nötige Rationalität zu, um Wissenschaft zu betreiben (Quelle: "Vom Schwachsinn des Weibes, und ähliche Traktate). Das hat sich ja glücklicherweise verändert.
Ich kann dir versichern, daß es eine ganze Menge Frauen gibt, die keineswegs so zart besaitet sind, um sich aus ein paar dummen Witzchen und Bemerkungen etwas zu machen. Und die dann auch sehr gut kontern können. Diese Frauen würde sich davon mit Sicherheit nicht davon abbringen lassen, in einem typischen Männerberuf zu arbeiten, wenn sie das denn wollten.
Ich kenne dennoch andere Beispiele:Polizistinnen, die an den dummen Witzchen der Kollegen fast zerbrochen sind, obwohl sie ihren eigenen Job gut machen und sogar mit hart gesottenen Verbrechern fertig werden konnten, Handwerkerinnen, die total angekotzt nach Hause kommen etc. Ein gutes Kollegium, in dem man positiv aufgenommen wird, hilft viel - ein schlechtes schadet mindestens ebenso viel.
Was zeichnet denn einen typischen Männerberuf aus? Höhere Bezahlung mit Sicherheit nicht, denn es gibt genügend typische Männerberufe, in denen die Bezahlung niedriger ist als z.B. in Büroberufen, in denen viele Frauen arbeiten.
Das habe ich bereits bei Bruno beantwortet.
Typische Männerberufe sind meist Jobs, die körperlich schwer oder schmutzig und teilweise auch gefährlich sind. Oder die gesundheitliche Risiken mit sich bringen (z.B. Staublunge usw.). In den USA hat man mal eine Umfrage nach den unbeliebtesten Jobs gemacht. 9 der 10 dabei am meisten genannten Berufe waren typische Männerberufe.
Frauenberufe sind teilweise körperlich und seelisch genauso hart. Alte Leute, die einem ins Gesicht sch.. (Altenpflegerin), extreme Rückenprobleme wegen ständigen Anhebens von schwergewichtigen Alten (ebenfalls Altenpflegerin), Assistenz bei OPs, Begleitung von Sterbenden (Krankenschwester), Management der Manager (Chefsekretärin) - auch nicht gerade leicht und unangstrengend.
Die Berufe sind aber im Dienstleistungsbereich. Das ist eine der wenigen Branchen, die noch Wachstum zeigen. Daher könnte es auch rühren, dass Frauen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Männer. Dahinter muss also keine systematische Männerbenachteiligung oder bessere Beratung für Männer stecken. Im gewerblich-technischen Bereich hat man viele Tätigkeiten automatisieren können, was im Dienstleistungsbereicht teilweise so nicht möglich ist. Und ausserdem gab es ausländische KOnkurrenz, die viel billiger arbeitete (wie etwa bei den Bergleuten). Wegen eines Haarschnitts werden höchtens grenznahe Leute in ein anderes Land fahren, das lohnt sich noch nicht.
Frauen haben offenbar gerne Jobs, wo sie mit Menschen arbeiten. Die traditionelle Erziehung geht ja auch in die Richtung, Frauen vor allem so etwas schmackhaft zu machen. Aber diese Jobs sind eben teilweise auch nur attraktiv, wenn die Preise für die Dienstleistungen nicht ins Unermessliche steigen. Meine Schwester, ihr Mann und ihre Kinder gehen nicht mehr zum Friseur, weil ihnen das zu teuer geworden ist; sie frisieren sich jetzt selbst mit Haarschneidemaschinen. Gut, Reperaturdienstleistungen im KFZ-Bereich könnten vielleicht auch in Eigenarbeit übenommen werden, aber das ist viel schwerer bei den modernen Autos, weil die sehr kompliziert geworden sind.
Ich sprach nicht von gleicher Qualifikation, aber Männer wählen eher den Sekundarstufen- als den Primarstufenbereich zum Unterrichten. Und da verdient man auch mehr, sehr viel mehr, obwohl die Regelstudienzeit nur 2 Semester höher liegt (Grund- und Hauptschullehrer 6 Semester, Wirtschaftspädagogen 8 semester, zumindest an unserer Uni).
Du hast geschrieben, daß Frauen seltener Professuren erlangen als Männer. Manche Unis veranstalten aber regelrechte Eiertänze, um weibliche Professoren zu bekommen. Wenn sie welche finden, kommt es häufig vor, daß die dann schon nach kurzer Zeit einfach wieder aus dem Job aussteigen.
Das Problem ist, dass bei den Kindern die Männer nicht mitziehen wie die Frauen. Theoretisch sind viele MÄnner bereit,den Hausmann zu spielen, aber wenn es praktisch konkret wird, möchten sie doch lieber ein eigenes Einkommen und den besseren Status. DAnn steht frau wieder mit dem Problem da, wohin mit den Kindern? Und Führungsstellen sind eben sehr schwer mit einer guten Versorgung der Kinder zu vereinbaren, vor allem hier in Deutschland. Wer da als Frau die KInder nicht versorgt, sondern sie in fremde Hände gibt, gilt schnell als RAbenmutter. Auch wenn man tough sein muss, um einen Führungsposten zu besetzen, können einem Menschen schon die abschätzigen Blicke aus der Nachbarschaft und das abfällige Raunen von "Karrierefrau" hinter dem Rücken, zusammen damit, immer als dafür verantwortlich zu gelten, wenn das Kind schulische oder andere Probleme hat, gewaltig zusetzen. Da müsste sich hier in D mal eine andere Geisteshaltung etablieren. Aber da war der NS verdammt erfolgreich mit seinem Mutterkult.
Noch Ende der 1980er wurde mit der Ernährerpflicht von vielen männlichen Arbeitgebern das Abschieben der Frauen in die Leichtlohngruppen begründet. Das steht in einem Politikbuch, das aus der Zeit stammt und einen Arbeitgeber im Original zitiert. Wenn sich da also die Arbeitgeber geändert haben, kann das noch nicht lange her sein.
Zusätzlich würde ein Mann ebenfalls Witwer-Rente bekommen, wenn die Frau ununterbrochen berufstätig gewesen wäre und wenn er sie überleben würde.Das passiert aber de facto eher selten. Das ist also keine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts. Und heute muss ich für eine private Rentenversicherung sehr viel mehr auf den Tisch des Hauses blättern als ein Mann. Da wird der unterschiedlichen Lebenserwartung wirklich zu Genüge Rechnung getragen.
Man kann aber an der Lebenserwartung der Männer nichts ändern, das können nur die Männer selbst, indem sie gesünder leben. An der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf kann man aber eine Menge ändern ,was unsere Nachbarländer sehr deutlich zeigen.
Mit dem Geld in weiblicher Hand: Das ist in deutschen traditionellen Ehen so: Die Frau verwaltet die gesamten Ausgaben. Macht in gewisser Weise auch Sinn, sie hat ja den Überblick, ob Hänschen neue Schuhe braucht, ob Klärchen auf Klassenfahrt fährt, was Kartoffeln und Möhren gerade kosten und ob Bohnen zur Zeit gerade billiger sind als KOhlrabi. In traditionellen Ehen sind das Detailfragen, mit denen sich MÄnner nicht beschäftigen, die aber für eine gute Verwaltung des Budgets ganz wichtige sind.
Werden die Ehen aber durch Scheidung beendet, steht den Frauen das Geld der gemeinsamen Eheleute nicht mehr zur Verfügung. Das bekommen sie höchstens im Todesfalle, wenn der Ehemann das nicht an andere verschenkt oder vererbt hat. Für einen Scheidungsprozess kann eine Frau also nicht das gemeinsame Geld verwenden; bis zur Scheidung muss sie bereits ein Jahr lang getrennt von Tisch und Bett von ihrem Ehemann gelebt haben. So leicht ist es also nicht, zu sagen, die Frauen haben das Geld, darum werden Männer bei der Scheidung immer ausgebeutet.
Ich werde darüber nachdenken,das Buch als Ganzes zu lesen. Wenn ich allerdings merke, es ist es nicht wert, werde ich es nach ein paar Seiten wieder weglegen, wie beim ersten Mal.
Es grüsst freundlich
das Emmalein
gesamter Thread:
- @Emmalein -
Garfield,
30.03.2004, 21:43
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
31.03.2004, 11:51
- Re: @Emmalein -
Garfield,
31.03.2004, 14:05
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
31.03.2004, 16:24
- Re: @Emmalein -
Garfield,
31.03.2004, 18:06
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 17:21
- Re: @Emmalein -
Garfield,
01.04.2004, 19:23
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
02.04.2004, 15:00
- Re: @Emmalein -
Garfield,
02.04.2004, 18:04
- Re: @Emmalein - Emmalein, 02.04.2004, 19:09
- Re: @Emmalein -
Garfield,
02.04.2004, 18:04
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
02.04.2004, 15:00
- Re: @Emmalein -
Garfield,
01.04.2004, 19:23
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 17:21
- Re: @Emmalein - reinecke54, 31.03.2004, 20:34
- Re: @Emmalein -
Bruno,
01.04.2004, 15:59
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 16:42
- Re: @Emmalein -
Jörg,
01.04.2004, 17:30
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 17:51
- Re: @Emmalein -
Max,
01.04.2004, 18:10
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 18:20
- Re: sag mal -
Mic,
01.04.2004, 19:25
- Re: sag mal - Emmalein, 01.04.2004, 19:30
- Re: sag mal -
Mic,
01.04.2004, 19:25
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 18:20
- Re: @Emmalein: Zurückreizen! -
Ferdi,
01.04.2004, 18:24
- Re: @Emmalein: Zurückreizen! - Emmalein, 01.04.2004, 18:30
- Re: @Emmalein -
Max,
01.04.2004, 18:10
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 17:51
- Re: @Emmalein -
Bruno,
01.04.2004, 18:39
- Re: @Emmalein - Emmalein, 01.04.2004, 19:16
- Re: @Emmalein -
Jörg,
01.04.2004, 17:30
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
01.04.2004, 16:42
- Re: @Emmalein -
Garfield,
31.03.2004, 18:06
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
31.03.2004, 16:24
- Re: @Emmalein -
Garfield,
31.03.2004, 14:05
- Re: @Emmalein -
reinecke54,
31.03.2004, 21:52
- Re: @Emmalein - Ferdi, 31.03.2004, 23:56
- Re: @Emmalein -
Odin,
01.04.2004, 23:43
- Hexenjagd - Norbert, 02.04.2004, 12:55
- Re: @Emmalein -
Emmalein,
31.03.2004, 11:51