Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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@Emmalein

Garfield, Tuesday, 30.03.2004, 21:43 (vor 7982 Tagen)

Hallo Emmalein!

Ich konnte leider nicht eher auf deinen Beitrag weiter unten antworten. Damit du meine Antwort nicht übersiehst, fang ich mal hier neu an.

"...ich habe keine Dogmen, weder feministische noch maskulistische noch sonstwelche."

Mit solchen Äußerungen sollte man sehr vorsichtig sein. Niemand kann der Beeinflussung durch Medien und Mitmenschen wirklich 100%ig entgehen. Wir alle schleppen diverse Vorurteile, Dogmen und Klischees mit uns herum, die manchmal eine gewisse Berechtigung haben, manchmal aber auch einfach nur dümmlich und überholt sind. Das Gefährliche dabei ist, daß uns das kaum bewußt wird, wenn wir nicht immer sehr genau darauf achten.

"Ich sehe keine anderen Motivationen bei Frauen, die ihr eigenes Geschlecht als "dumme Suppenhühner", "Weiber", "Pack" etc. diffarmieren als bei Männern, die sich feministisch geben. Eine masochistische Veranlagung habe ich bei beiden schon deutlich vermutet."

Das würde ich so nicht sagen. Wenn hier z.B. ein gewisser Hannibal auftaucht und wilde Behauptungen über Benachteiligungen von Frauen in den Raum stellt, dann ist die Sachlage völlig klar. Wenn jemand behauptet, daß sehr viele Männer hier in Deutschland ihre Frauen in gemeinster Art und Weise unterdrücken würden, obwohl es doch ganz offensichtlich nicht so ist, dann muß dieser Mensch dafür irgendeinen Grund haben, den er oder sie aber nicht öffentlich nennen möchte. Wenn es sich dabei um eine Berufsfeministin handelt, ist klar, daß sie so etwas nur behauptet, um damit immer neue Fördergelder und dabei so nebenbei ihr eigenes Einkommen zu sichern. Wenn jemand, der davon nicht finanziell profitieren kann, so etwas behauptet, kann das natürlich daran liegen, daß dieser Mensch einfach nur sehr wenig Lebenserfahrung hat oder aber sehr gründlich verdummt wurde. Wenn solche Behauptungen aber mit der Vehemenz eines Hannibals immer wieder vorgebracht werden, dann ist für mich offensichtlich, daß es da noch ganz andere, persönliche Gründe geben muß. Das kann z.B. ganz allgemein Männerhaß sein, oder aber auch eine masochistische Veranlagung.

Es mag sein, daß manche Frauen, die sich für Männerrechte einsetzen, ähnliche Motivationen haben. Es gibt da aber einen wesentlichen Unterschied: Wenn eine Frau sagt, daß sie es z.B. ungerecht findet, daß die Wehrpflicht nur für Männer gilt, dann ist das nicht etwas, das sie sich als Rechtfertigung für das Ausleben irgendwelcher sexueller Fantasien aus den Fingern saugt. Nein, das ist Realität hier in Deutschland.

Es gibt in Deutschland wirklich Nachteile für Männer, die sie einzig und allein aufgrund ihres Geschlechts treffen. Für Frauen gibt es schon lange keine solcher Benachteiligungen mehr. Auch die Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind kein Nachteil, der Frauen nur aufgrund ihres Geschlechtes trifft. Das wäre so, wenn Väter bevorzugt Kindergartenplätze für ihre Kinder bekommen würden, oder wenn die Arbeitsämter nur für Väter zusätzliche Wiedereingliederungsprogramme anbieten würden. Oder wenn nur Väter Kindergeld kriegen würden. So ist das aber nicht. Ganz im Gegenteil: Auch in dem Bereich sind Väter klar benachteiligt. Erstens werden sie von ihren Chefs als wenig leistungsbereit eingestuft, wenn sie zugunsten der Familie beruflich kürzer treten oder gar Erziehungsurlaub nehmen möchten. Zweitens werden sie in der Rolle als Vater und Hausmann von den meisten Mitmenschen nicht akzeptiert, sondern als Gammler und Drückeberger betrachtet. Drittens gelten spezielle Wiedereingliederungsprogramme der Arbeitsämter für Menschen, die für die Familie aus dem Job ausgestiegen sind und nun wieder zurück ins Berufsleben wollen, üblicherweise nur für Frauen. Auch da sind tatsächlich Väter benachteiligt, und zwar wieder einmal nur aufgrund ihres Geschlechts.

Wenn sich jemand gegen real existierende Mißstände einsetzt, finde ich es unfair, diesem Menschen irgendwelche niederen Beweggründe zu unterstellen. Selbst wenn es sie ab und zu mal geben sollte: Was hinten rauskommt, zählt.

Wenn sich dagegen jemand Mißstände ausdenkt, die im realen Leben so nicht existieren ("jede zweite Frau wird von ihrem Partner regelmäßig mißhandelt", "jede vierte Frau wird vergewaltigt"), dann ist doch ganz klar und offensichtlich, daß es für solche Behauptungen irgendwelche niederen Motive geben muß.

"In "From Dust til Dorn". Ein klasse Film. Und wirklich wahnsinnig lustig. Ich habe da auch über Tittenverdreher gelacht, den Namen, den die Bar übersetzt hatte. Ich seh das nicht so eng."

Ich sehe auch vieles nicht so eng. "From dusk till dawn" hab ich vor einigen Jahren mal gesehen, kann mich aber an Tittenverdreher nicht erinnern. Es gibt durchaus Filme oder Comedy-Shows, wo Männer und Frauen gleichermaßen durch den Kakao gezogen werden. Aber das ist eben immer noch nicht überall so.

In Komödien wird sehr häufig Gewalt gegen Männer als Lachnummer eingesetzt. Mach dir mal die Mühe und stelle dir solche Szenen umgekehrt vor. Da würde dann nämlich häufig kaum noch jemand lachen. Wieso aber ist es so lustig, wenn ein Mann einen Tritt zwischen die Beine bekommt?

Jemand hat sich mal Werbespots angesehen und hat dabei herausgefunden, daß, wenn in einem Werbespot Menschen beider Geschlechter vorkamen und aber nur Vertreter eines Geschlechts dabei als Trottel dargestellt wurden, diese "Trottel" in 100 % aller Fälle zum männlichen Geschlecht gehörten. Hältst du das für Zufall? Ich nicht.

Es gibt viele Comedy- und Trickfilm-Serien, in denen es zwei Hauptfiguren gibt: Erstmal einen zwar liebenswerten, aber vertrottelten und absolut unfähigen Mann, und dann eine intelligente, überlegene Frau, die ständig damit beschäftigt ist, seine Fehler auszubügeln. Z.B. "Hör mal, wer da hämmert", "Die Simpsons" oder "Familie Feuerstein". Umgekehrt gibt es so etwas kaum. Es gibt zwar Serien, wo sowohl Männer als auch Frauen als Witzfiguren dargestellt werden, aber mir fällt keine einzige Serie ein, in der eine Frau als vertrottelte Witzfigur dargestellt wird, mit einem intelligenten, überlegenen Mann an der Seite, der ihr immer wieder zeigt, wo's langgeht. Nicht, daß ich solche Serien vermissen würde, aber mir fällt eben auf, daß es mit umgekehrten Rollen jede Menge Serien und auch Filme gibt.

Nun könnte man ja einwenden, daß Serien wie "Familie Feuerstein" nun nicht gerade zum bedeutenden Kulturgut der Menschheit gehören. Aber das ist ja gerade das Schlimme! Wenn sich jemand im akademischen Elfenbeinturm so etwas zusammen fantasiert, bekommt das kaum jemand mit. Diese Serien und Filmchen laufen aber ständig auf diversen Fernsehsendern, und unsere Kinder sehen sich das täglich an. So ist es denn auch kein Wunder, wenn Mädchen sich Jungen heutzutage häufig überlegen fühlen und Aussagen machen wie "sogar mit den Jungen kann man sich hier gut unterhalten".

"Ich habe gesagt, dass ich Quotenregelungen Mist finde. In gewisser Weise ist für mich das bevorzugte Einstellen von Frauen eine Quotenregelung."

Ja, aber wie soll dieser Unsinn abgeschafft werden, wenn sich niemand dafür interessiert?

"Ein junges Ding, das vielleicht nicht wirklich wusste, was es tat, mit einer mehrjährigen Gefängnisstrafe zu bestrafen, halte ich doch für zu hart."

Ja? Erstmal werden Jugendliche sowieso grundsätzlich milder bestraft als Erwachsene. Außerdem denke ich, daß so manches junge Mädchen, das einen Mann fälschlicherweise des sexuellen Mißbrauchs oder gar der Vergewaltigung bezichtigt hat, sehr genau wußte, was sie da tat.

"Auch wenn vielleicht die Strafen für Falschbeschuldigung recht lasch sind."

Das lädt dann geradezu dazu ein. Verwandte von meiner Partnerin haben das in ihrem Heimatort auch mal erlebt. Da hat ein junges Mädchen einen Rentner wegen Vergewaltigung verklagt. Dieses Mädchen stammte aus einer wirklich asozialen Familie. Ihre Eltern haben auch schon mehrfach schwachsinnige Prozesse gegen Nachbarn gestartet. Da fand dieses Mädchen es dann wohl naheliegend und witzig, diesen Rentner zu verklagen. Er ist zwar letztendlich freigesprochen worden, aber dafür mußte er viel Geld aufwenden. Und diesem Mädchen ist danach offenbar nicht viel passiert.

"Natürlich darf einer Frau nicht von vorneherein alles geglaubt werden, was sie sagt."

Feministinnen fordern das aber immer wieder. Es gab sogar schon Versuche, General-Amnestien für verurteilte Mörderinnen zu erwirken, mit der Begründung, daß diese sich doch nur gegen Gewalt durch Männer zur Wehr gesetzt hätten.

"Dafür gibt es ja vor dem Gericht die Verteidigung, die die ganze Sache auseinandernehmen kann. Und ein guter Verteidiger wird das auch tun und meiner Meinung nach vielleicht sogar echte Vergewaltiger raushauen können."

Das mag sein. Dann muß man aber erst einmal das Glück haben, einen guten Verteidiger zu finden. Ich hab das mal bei einem Bekannten miterlebt. Der hatte das Pech, dabei zu sein, als ein Kumpel sich mit jemandem geprügelt hat. Am Ende stand er als Mitschuldiger da und bekam dieselbe Strafe aufgebrummt wie sein Kumpel. Seinen Anwalt interessierte das wenig. Der bekam ja so oder so sein Geld. Mein Bekannter hätte zwar Berufung einlegen können, aber das hätte ihn wieder einige Tausender gekostet. Er konnte sich auch so den Prozeß nur durch finanzielle Unterstützung seiner Mutter leisten. Dann hat er also auf die Berufung verzichtet und ist jetzt vorbestraft. So läuft das im realen Leben ab.

"Ich glaube, dass O.J. Simpson beispielsweise seine Frau ermordet hat."

Das glaube ich auch.

"Das ist zwar bedauerlich, aber nicht zu vermeiden, dass auch Schuldige wieder freikommen. Genauso wenig wie es zu vermeiden ist, dass eventuell Unschuldige verurteilt werden. Das sind die beiden Problemfälle, die der Rechtsstaat nun mal bietet. Aber er hat so viele Vorteile, dass diese problematischen Seiten meiner Meinung nach voll durch diese Vorteile aufgewogen werden!"

Wenn es wenigstens eine angemessene Entschädigung für die Opfer von Fehlurteilen gäbe, denn wäre das alles ja schon weniger schlimm. Aber so ist das ja nicht. Wenn man unschuldig in den Knast wandert, dann ist das ganze Leben versaut. Man verliert seinen Job, manchmal auch seine Familie, im Knast macht man noch Bekanntschaft mit irgendwelchen üblen Typen...

Ich habe neulich mal eine Reportage über einen Mann gesehen, der unschuldig wegen Bankraub verurteilt wurde. Er hatte das Pech, Ähnlichkeit mit dem echten Bankräuber zu haben, der von einer Überwachungskamera gefilmt worden war. Obwohl es keine Beweise gab und auch kein Geld oder sonst irgendwelche Spuren bei ihm gefunden wurden, kam er in den Knast. Als sich dann später herausstellte, daß er unschuldig ist, wurde er zwar freigelassen und bekam auch eine Haftentschädigung. Aber das war nur eine fünfstellige Summe (in DM). Er war mehrere Jahre in Haft gewesen, und sein Verdienstausfall war natürlich wesentlich höher, ganz zu schweigen vom sonstigen Schaden, den er dadurch hatte. Als Krönung soll er dann auch noch eine Rechnung für die Unterhaltskosten im Gefängnis bekommen haben, da er ja nun unberechtigterweise dort gewesen war. Diese Rechnung soll sich auf eine sechsstellige Summe belaufen haben. Das kann ich so auch kaum glauben, denn das wäre doch der Gipfel der Frechheit. Aber er hat das in der Reportage so geschildert, also daß er somit obendrein zur unberechtigten Haftstrafe sogar noch einen Riesen-Schuldenberg abzuzahlen hat.

"Hast Du dafür Statistiken, von unabhängigen Instituten, wie etwa dem BKA?"

Der Soziologe Gerhard Amend von der Universität Bremen hat mal eine Studie zur Lebenssituation geschiedener Väter gemacht. Dabei kam er unter anderem zu dem Ergebnis, daß Frauen, wenn sie gewalttätig werden, häufiger Waffen einsetzen als Männer. Das erscheint mir auch logisch, weil sie so ihre körperliche Unterlegenheit ausgleichen können. Ich erinnere mich auch schwach, mal irgendwo von einer ähnlichen Studie aus den USA gelesen zu haben. Arne hat dazu in seinem Buch "Sind Frauen bessere Menschen?" auch einiges geschrieben, und mit Sicherheit auch Quellen angegeben.

"Bei mir auf meinem Schulhof würde ich beides nicht dulden. Das Problem ist nämlich, dass Du als Lehrer die Aufsichtspflicht hast. Und wenn sich da wer prügelt und mit blauem Auge oder Schlimmerem nach Hause kommt, bist Du finanziell verantwortlich."

Ja, aber es ist trotzdem so, daß viele Lehrer dazu neigen, Mädchen für Prügeleien gar nicht oder zumindest nicht so streng zu bestrafen.

"Ich habe überigens in meinem Schuldienst (Praktikum und ein Jahr Unterricht in England)bei den Mädels mehr Last mit Quatschen im Unterricht gehabt, bei den Jungen mehr mit Prügeleien, vor allem mit Linealen und Blasröhrchen, mit denen sowohl ich als auch Mitschüler beschossen wurden. Ob die traditionelle Haltung wohl doch noch nachwirkt? Selbstverteidigungskurse für Mädchen gab es überigens an der englischen Schule keine. Aber Rugby für Jungs."

Vielleicht ist die Erziehung in England ja noch traditioneller. Früher haben sich Mädchen ja vor allem deshalb nicht so häufig geprügelt, weil sie nicht als unweiblich gelten wollten. Mittlerweile fällt dieser Grund weg, denn Gewalt wird für Mädchen als Zeichen von Stärke und Selbstbewußtsein propagiert. Vor einigen Jahren gab es mal einen Fall, wo die Leiterin eines Selbstverteidigungskurses für Mädchen ihren Schülerinnen geraten hat, das dort Erlernte doch ruhig einmal auf dem Schulhof auszuprobieren. Stell dir mal vor, ein Boxlehrer würde einem Jungen, dem er das Boxen beibringt, den Rat geben, doch mal auf dem Schulhof seine Mitschüler ordentlich durchzuprügeln! Ich glaube nicht, daß der dann noch lange Boxlehrer wäre. Aber bei Frauen und Mädchen sieht man das nicht so eng. Weil viele Menschen noch das Klischee von der sanftmütigen, friedliebenden Frau im Kopf haben.

Freundliche Grüße
von Garfield


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